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SWR3 Gedanken
„Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt.“ (Hebräer 13,2) Dieser Satz aus der Bibel geht mir gerade in diesen Tagen immer wieder durch den Kopf.
In diesem Jahr stehen viele Landtagswahlen an. Nicht nur morgen in Baden-Württemberg und Bayern.
„Vergesst die Gastfreundschaft nicht“. Ich finde, wir haben diese Erinnerung dringend nötig. Als Christinnen und Christen und als Gesellschaft. Vergesst die Gastfreundschaft nicht. Es geht nicht nur darum, dass wir satt sind und es uns gut geht. Es geht auch um unsere Nächsten. Und das sind nicht nur die netten Nachbarinnen und Nachbarn, die auch mal für uns ein Paket annehmen oder den Gehweg streuen. Es geht um alle Menschen, die mit uns leben und die uns brauchen. Oder, weil sie kein Deutsch können, weil sie unsere Traditionen und Kultur nicht kennen, weil sie eine andere Religion leben und manches nicht verstehen, was für uns selbstverständlich ist.
Und wenn man versucht Gastfreundschaft zu leben, kann es sogar passieren, dass man Engel zu Gast hat. Ich mag dieses Bild. Dass da jemand ganz besonderes bei mir zu Gast ist. Einer, der mir vielleicht an anderer Stelle wieder begegnet. Und dann kann ich seine Hilfe brauchen. Ein Engel.
„Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt.“ Bei meiner Wahlentscheidung morgen, will ich mich auch von diesem Aufruf leiten lassen. Ich möchte, dass wir in Baden-Württemberg und in ganz Deutschland offen sind für andere Menschen. Damit wir alle auch die Chance haben, die Engel willkommen zu heißen und kennen zu lernen, die unterwegs sind.
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Über „Ausländer“ höre ich gerade wieder viele Diskussionen. Dass man anders mit ihnen umgehen muss. Dass man nicht alle aufnehmen kann. Was sie taugen. Dass sie nicht taugen. Was sie den Deutschen alles wegnehmen. Dass man hart durchgreifen muss.
Vor mir als Lehrerin in der Schule sitzen fast jeden Tag einige von denen, über die so viel geredet wird. Sie nennen sich selbst manchmal Ausländer. Für mich sind sie meine Schüler. Sie alle sind aus einem anderen Land nach Deutschland gekommen. Geflohen. Weil Krieg in ihrem Land ist. Oder, weil sie in ihrem Land verfolgt werden. Wegen ihrer Religion oder ihrer ethnischen Zugehörigkeit oder aus anderen Gründen.
Wie auch die anderen Schüler in meinen Klassen, sind sie einfach junge Menschen. Mit Stärken und Schwächen. Manchen fällt es leicht, Deutsch zu lernen. Anderen eher schwer. Manche finden sich leicht ein in ihr neues Leben in Deutschland. Andere tun sich schwer mit dem Einleben.
Mir sind diese Schüler ans Herz gewachsen. Sie heißen Kenan, Mustafa, Mohamed, Mischa, Bashir und Alex. Sie kommen aus Pakistan, aus Syrien, der Ukraine, aus Albanien, der Türkei und Afghanistan. Sie alle sind Menschen und haben die gleiche Chance verdient wie alle anderen Schüler auch. Sie haben eine Lehrerin verdient, die Geduld hat, sich Zeit nimmt und versucht ihnen etwas beizubringen. Damit sie leben können in einem Land, in dem sie nicht geboren sind und das hoffentlich ganz anders ist als das, aus dem sie fliehen mussten.
Ich wünsche mir, dass das bei allen Diskussionen um „die Ausländer“ nicht vergessen wird. Wir alle sind Menschen und auf die Geduld und das Verständnis der anderen angewiesen.
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Manchmal fällt es mir schwer zu sehen, dass die Welt auch schön ist. Dann sehe ich nur das viele Leid. Dann sehe ich, dass zu oft der Hass die Menschen bestimmt. Und dann sehe ich auch nur noch, wo es in meinem Leben nicht so gut läuft: Dass geliebte Menschen krank sind und diese Krankheit nicht weggehen wird. Dass Beziehungen, die mir wichtig waren, kaputt gegangen sind und ich es nicht ändern kann.
Diese Sichtweise tut mir nicht gut, das merke ich selbst. Wer nur das Schlechte sieht, dem kann es gar nicht gut gehen. Für mich ist da Paulus ein Vorbild. Von ihm wird in der Bibel erzählt. Paulus hatte es oft schwer in seinem Leben: Eine chronische Krankheit hat ihn immer wieder geplagt. Er hat für seinen christlichen Glauben gebrannt und ist damit oft angeeckt. Wurde gehasst und verfolgt für das, was er über Jesus Christus erzählt hat.
Paulus hat sich davon aber nicht entmutigen lassen. Er hat sich selbst und den Menschen um sich herum gesagt, dass sie den größten Grund zur Hoffnung haben. Und dass diese Hoffnung da besonders groß werden kann, wo es ihnen nicht gut geht. Wo sie leiden, es schwer haben, bedrängt werden. Er sagt, dass sein Glaube ihm Hoffnung schenkt. Weil das, was wir hier sehen, nicht alles ist.
Mir hilft es, wenn ich es schaffe in meinen dunklen Momenten an Paulus und seine Hoffnung zu denken. Es ist auch meine Hoffnung. Dass es später einmal für alle Menschen herrlich sein wird. Und, dass etwas davon schon jetzt zu spüren ist. Zum Beispiel in den Momenten, die ich mit einem geliebten Menschen trotz seiner Krankheit genießen kann. In Beziehungen, die mir gut tun und mich stark machen.
Die Hoffnung nie aufgeben. Weil es immer Hoffnung gibt. Das hilft.
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Ich liebe Regenbögen. Wenn ich sie am Himmel entdecke, aber auch sonst. Ich habe Regenbogensocken, Regenbogenarmbänder, Regenbogenschnürsenkel, einen Regenbogen auf dem Rucksack, am Briefkasten, im Vorgarten und auf T-Shirts. Für mich stehen Regenbögen für Gottes unendliche Liebe und Treue zu seinen Menschen.
In der Bibel wird von einem Regenbogen erzählt. Eigentlich wollte Gott die Menschheit vernichten. Er ließ es regnen, bis alles Land überschwemmt war. Gott war entsetzt, wie böse die Menschen waren. Wieviel Schlimmes sie einander angetan haben. Gott hat aber doch nicht alle vernichtet. Einige hat er gerettet. Menschen und Tiere. Weil er die Menschen eben doch liebt. Und als Zeichen, dass er nie wieder alle Menschen vernichten wird, hat er einen Regenbogen an den Himmel gesetzt. Solange der Regenbogen erscheint, verspricht Gott, soll es immer wieder Frost und Hitze geben, Sommer und Winter, Tag und Nacht. Bis heute ist das so. Das Jahr nimmt immer wieder seinen gewohnten Gang und immer wieder steht ein Regenbogen am Himmel.
Der Regenbogen ist DAS Zeichen dafür, dass Gott uns Menschen liebt. Obwohl wir nicht besser sind als die Menschen damals. Dabei hätten wir seitdem viel lernen können. Besonders auch in der Kirche. Wenn Gott alle Menschen liebt, dann dürfen wir Gottes Segen und seine Liebe auch allen Menschen weitergeben.
Auch dafür steht für mich der Regenbogen. Dass Gottes Liebe für uns alle gilt. Ganz gleich wer wir sind, wie wir sind und wen wir lieben.
Deshalb trage ich gerne meine Regenbogensachen. Damit Menschen aufmerksam werden. Auf Gottes Liebe und seine Treue. Zu allen Menschen.
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Eine Kollegin an meiner Schule ist schon länger krank. Ich vermisse sie. Weil ich sie mag. Aber natürlich auch ganz praktisch. Weil sie fehlt. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man schnell vergessen wird, wenn man eine Weile nicht da ist. Irgendeiner übernimmt die Aufgaben und der Alltag geht weiter.
„Jede und jeder ist ersetzbar.“ Das sagt man so leicht dahin. Aber mir selbst hat das schon öfter weh getan, dass ich tatsächlich ersetzt worden bin. Wenn ich vorher das Gefühl hatte, dass ich wichtig bin und wertgeschätzt werde und sich am Ende doch keiner für mich interessiert.
Deshalb ist es mir wichtig, dass das bei meiner Kollegin anders ist. Dass sie weiß, dass wir sie nicht vergessen. Dass sie fehlt. Dass manches vielleicht ersetzt werden kann. Aber sie selbst eben nicht. Ich versuche ihr das zu sagen und auch zu zeigen. Und deshalb hat mich besonders gefreut, dass es den Schülern geht wie mir. Viele Unterrichtsstunden, die meine kranke Kollegin nun nicht halten kann, werden von anderen Kollegen übernommen. Manche Stunden müssen ausfallen. Und die Schüler freuen sich natürlich auch, wenn sie frei haben. Aber sie vergessen meine Kollegin nicht. Gemeinsam haben wir überlegt, wie wir ihr das zeigen können und von den Schülern kam die Idee, dass wir ihr eine Karte und ein kleines Geschenk schicken. Süßigkeiten, ein Buch und etwas, das sie an uns erinnert. Gemeinsam haben wir das vorbereitet und ihr geschickt.
Wir hoffen, dass unser Gruß ihr gefällt und gut tut. Sie soll wissen, dass sie uns fehlt, dass sie aber alle Zeit hat, um gesund zu werden.
Für mich zeigt das auch etwas von Gottes Liebe. Gott lässt keinen im Stich, jeder und jede ist ihm wichtig. Das versuche ich auch meiner Kollegin zu zeigen.
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Zum Holocaustgedenktag im Januar hat Tova Friedman eine Rede im Bundestag gehalten. Diese Rede hat mich tief berührt und immer wieder muss ich an sie und ihre Worte denken. Tova Friedman hat den Holocaust überlebt. Sie ist Jüdin. Deshalb kam sie als Kind mit 5 Jahren ins KZ Auschwitz. Sie sagt über sich selbst, dass sie das Kind ist, vor dem Hitler Angst hatte. Er wollte alle Jüdinnen und Juden töten. Keiner sollte überleben, damit keiner erzählen kann, was für eine Bestie Adolf Hitler war, und was für ein beispielloses Verbrechen er an Jüdinnen und Juden und so vielen anderen Menschen begangen hat. Aber Tova Friedman hat überlebt. Und sie hat sich nicht zum Schweigen bringen lassen. Sie erzählt heute von dem, was sie damals erlebt hat. Vor allem, um andere Menschen zu warnen, damit so etwas nicht wieder passiert.
Und heute hat sie Angst, dass Ähnliches doch wieder passiert. Weil Hass gegen Jüdinnen und Juden wieder ganz offen gezeigt wird. Sie werden auf der Straße bepöbelt, bespuckt und verprügelt. In New York, Paris und auch bei uns in Deutschland.
Mich hat die Rede von Tova Friedman beeindruckt. Sie sagt, „dass diese Seuche, dass diese Epidemie des Hasses, dieser Antisemitismus sehr, sehr ernst genommen werden muss. Neutralität im Angesicht des Hasses ist keine Neutralität, sondern bedeutet Zustimmung.“
Ich habe mir deshalb vorgenommen, dass ich aufstehen will gegen den Hass. Gegen Hass jeglicher Art: Weil Neutralität angesichts des Hasses nicht möglich ist. In keiner Religion und auch sonst nicht.
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Meine Mutter spielt in einem Sinfonieorchester und das schon seit 32 Jahren. Sie spielt in der Zweiten Geige. Jedes Jahr gibt es zwei Konzerte, bei denen sie mitspielt und ich versuche, wenn möglich, dabei zu sein.
Mich fasziniert es, wie viele Menschen da zusammenspielen und wie wundervoll das sein kann. Wie schön es klingen kann, wenn so viele Musikerinnen und Musiker mit ganz unterschiedlichen Instrumenten zusammenspielen. Ein halbes Jahr lang wird jede Woche geprobt und am Ende steht das Konzert.
Geleitet wird das Orchester von einer Dirigentin. Aber ohne die Musikerinnen und Musiker könnte die Dirigentin nichts machen. Und umgekehrt: wenn die Musikerinnen und Musiker nicht auf die Dirigentin hören würden, dann würde niemand ein Konzert besuchen. Es wäre furchtbar. Es würden zwar alle Noten gespielt, die auf dem Papier stehen, aber es würde nicht schön klingen. Man könnte die Musik nicht genießen. Weil es eben einen gemeinsamen Takt braucht und die Bereitschaft, aufeinander zu hören, achtsam zu sein und Respekt aufzubringen für jedes einzelne Instrument und seinen Spieler. In einem so großen Orchester läuft nicht immer alles reibungslos. Es gibt Unstimmigkeiten und so manchen schrägen und schiefen Ton. Zwischen den Instrumenten und zwischen den Menschen.
Ich denke, dass es in unserem Zusammenleben genau so ist, wie in so einem großen Orchester. Wir können nur harmonisch miteinander leben, wenn wir aufeinander hören und aufeinander achten. Dann kann das Leben sein wie eine wunderschöne Sinfonie. Mit manchen schiefen Tönen. Aber alles in allem wunderschön.
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Die Holocaustüberlebende Tova Friedmann hat im Bundestag eine Rede gehalten. In ihrer Rede erinnert sie an die 6 Millionen getöteten Juden und hat einen wichtigen Appell an die deutsche Gesellschaft:
„Die jüngere Generation ist nicht verantwortlich für das abscheuliche und grauenhafte Verhalten Ihrer Vorfahren in Treblinka, Auschwitz-Birkenau, Majdanek, Bergen-Belsen, Dachau und anderen Konzentrationslagern der Nazis. Aber Sie – insbesondere diejenigen, die politische Verantwortung tragen – sind verantwortlich für die Welt, die sie jetzt gestalten, für Ihre eigene Zukunft und die Ihrer Kinder. Und das bedeutet, diese Seuche, diese Epidemie des Hasses, diesen Antisemitismus sehr ernst zu nehmen. Neutralität im Angesicht des Hasses ist keine Neutralität – sie bedeutet Zustimmung. (…)
Möge die Erinnerung zur Verantwortung führen.
Möge die Verantwortung zum Handeln führen.
Und möge das Handeln dafür sorgen, dass „Nie wieder“ nicht nur eine Parole ist, sondern eine bleibende Verpflichtung.“
Tova Friedmann in ihrer Rede im Bundestag am 27.02.2026: https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2026/kw05-gedenkstunde-rede-friedman-1139878, abgerufen am 28.01.2026.
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Die Pfarrerin Josephine Teske hat einen Segen geschrieben für alle, die weitermachen. In ihrem Leben weitermachen, obwohl es gerade nicht sehr hoffnungsvoll zugeht. Einen Segen für alle, die weitermachen wollen:
„Gottes Segen sei in dir, damit deine Schultern leicht werden. Erinnere dich: Die Last der Welt liegt nicht allein auf dir! Leuchten soll er in dir, der Segen, damit du Hoffnung in der Zukunft siehst, Freude dein Handeln bestimmt – und nicht Perfektion. Vertrauen wünsche ich dir: Die Zukunft kann wunderschön werden! Habe keine Angst.“
Josephine Teske, Unsere Résistance. Gott. Immerdar. Gebete zum Leben
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Die iranisch-stämmige Ärztin Dr Shabnam Fahimi-Weber setzt sich von Essen aus für die Menschen im Iran ein. Sie bietet Online-Sprechstunden an für verletzte Demonstranten, die sich nicht trauen ins Krankenhaus zu gehen, weil sie dort den Tod fürchten. Sie erzählt über die Situation im Iran:
„Im Iran ist der jetzige Protest sogar noch größer als der nach dem Tod von Mahsa Amini. Und: Er erfasst wie ein Lauffeuer alle Schichten und Geschlechter. Alle leiden unter der Situation, jeden trifft es, wenn wochenlang die Geschäfte schließen. Die Menschen sprechen jetzt von Revolution. Obwohl die Behörden mit größter Brutalität vorgehen, demonstrieren die Iraner und Iranerinnen weiter gegen die Unterdrückung. Viele bringen sich in Lebensgefahr, aber sie sagen: „Die kriegen uns nicht alle tot
Dr. Shabnam Fahimi-Weber, in: Christina Wandt: So hilft eine Essener Ärztin im Iran, Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 10.01.2026: https://parsimed.org/so-hilft-eine-essener-aerztin-im-iran/ abgerufen am 28.01.2026.
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