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SWR3 Gedanken

18APR2021
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„Wie bist Du eigentlich Pfarrerin geworden?“ Ich glaube, das ist DIE Frage, die mir am häufigsten gestellt wird. Es gibt sicherlich einige, bei denen die Frage eher kritisch klingt: „Wie kommt man dazu, so einen weltfremden Beruf zu haben?“ Aber die meisten wollen wissen, was das mit der Berufung zur Pfarrerin so auf sich hat. Leider kann ich keine beeindruckende Berufungsgeschichte erzählen à la „seit ich klein war, wusste ich, ich will Pfarrerin werden“ und bei mir saß auch nicht Jesus auf der Bettkante und hat mich aufgefordert, ihm zu folgen. Aber ich hatte da diese innere Gewissheit, das möchte ich machen, ich möchte Pfarrerin werden. Diese innere Gewissheit hat sich trotz manchen Zweifeln und manchem Ärger gehalten: ja, ich bin gerne Pfarrerin.

Mit der Berufung – nicht nur zur Pfarrerin - ist das so eine Sache. Wer seinem inneren Ruf folgt, verbindet damit meistens ein Gefühl von Zufriedenheit, das Gefühl, ich lebe mein Leben. Mein Beruf, das bin ich. Und mit Beruf meine ich nicht unbedingt einen Job. Meine Berufung kann auch meine Familie sein oder mein Hobby – etwas in dem ich ganz aufgehe. Man traut sich etwas, man traut sich etwas zu.

Um seinem inneren Ruf zu folgen, muss man wachsam sein, man muss auf das hören, was in einem ruft und gelebt werden möchte.
Die Frage ist, möchte ich neue Wege gehen? Möchte ich aus den Komfortzonen des Lebens aufbrechen? Ich glaube, es gibt einen Punkt bei der Suche nach der eigenen Berufung: entweder man folgt dem Ruf oder man sagt sich, Ne, iss scho recht, mein Leben ist auch so in Ordnung.

Was für mich mein Pfarrerinnensein ausmacht? Dass ich gerne Pfarrerin bin und dass ich es aus voller Überzeugung bin.

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SWR3 Gedanken

13FEB2021
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„Brauchen wir einen Fernseher eigentlich?“, das hat sich meine Gastfamilie gefragt. Damals habe ich ein High-School-Jahr bei einer amerikanischen Gastfamilie gemacht. Dann ging der Fernseher kaputt und die Familie fragte sich, brauchen wir eigentlich einen neuen? Der kleine Bruder meinte, eigentlich wäre ein Billardtisch viel besser. Gesagt, getan. Und ich muss sagen, wir hatten eine Menge Spaß miteinander - und nach dem Jahr war ich Meisterin im Billard spielen.

Vor ungefähr einem Jahr ging es meiner Freundin Eva ähnlich: ihr Auto ging kaputt und sie überlegte, brauchen wir überhaupt eins? Sie und ihr kleiner Sohn nehmen nun statt Auto das Fahrrad – da ist man viel entspannter unterwegs! Vor allen Dingen hat sie jetzt auch das Kinderabteil in der Bahn für sich entdeckt: Eva trinkt Kaffee, der Kleine spielt und alle sind superentspannt!

Nun ging mein Uralthandy kaputt. Und ich habe gedacht, das kann ich auch ohne. Ich kann gar nicht sagen, wie gut es mir geht ohne Handy, ohne Smartphone! Immer wenn ich Eltern sehe, die mehr mit ihrem Handy beschäftigt sind als mit ihren Kindern, immer wenn ich Verliebte sehe, die statt sich verliebt in die Augen zu blicken, auf ihr Handy schauen – dann denke ich, wie gut, dass ich keins habe!

 „Woran du dein Herz hängst und worauf du dich verlässt, das ist eigentlich dein Gott,“ Martin Luther hat das gesagt. Und ich denke, er hat recht: Wenn mein Herz voll ist mit Fernseher, Auto und Handy - ist da noch Platz für das, was wichtig ist? Bin ich entspannt unterwegs? Lebe ich mein Leben?

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SWR3 Gedanken

12FEB2021
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„Not buying it“ Das Buch habe ich von einer Freundin bekommen und die hat es von einer anderen Bekannten, die es wiederrum von einer ihrer Bekannten geschenkt bekam – dieses Weitergeben ist bestimmt ganz im Sinne des Buches „Not buying it“. Dessen Botschaft ist: ich kaufe euch nicht ab dieses Märchen vom kaufen, kaufen, kaufen!

Ein Jahr lang beschließt die Autorin Judith Levine nichts zu kaufen, also nichts außer das Lebensnotwendige wie Lebensmittel und Medikamente. D.h. sie kauft keine neuen Schuhe und Kleider und es ist erstaunlich, was sie mit Kreativität und alten Sachen macht. Dafür überlegt sie, ihr Auto zu verkaufen. Und sie denkt darüber nach, was der ganze Konsum mit uns macht und was hinter dem Mantra steckt, als gute Bürgerin geht man einkaufen, weil sonst würden ja Geschäfte und Wirtschaft zugrunde gehen?

Ich lese das Buch und denke über mein Einkaufsverhalten nach. Denn ja, ich glaube, Gott hat uns diese Erde anvertraut und wir sollen damit verantwortlich umgehen, sollen auf Tiere achtgeben und die Natur schützen. Und ja, ich weiß auch, dass ich deswegen weniger Müll produzieren sollte, weniger Fleisch essen, stattdessen öfters zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs sein sollte. Und tagtäglich scheitere ich an diesen doch eigentlich verhältnismäßig kleinen Vorsätzen.

Was ich mitgenommen habe aus der Lektüre: Ich sollte mich öfters kritisch fragen, ob das, was ich da kaufe, wirklich notwendig ist. Und vielleicht auch versuchen, weniger auszugeben und stattdessen ein bisschen kreativer zu sein. Das wäre für alle gut, für mich, für die Umwelt und für meinen Geldbeutel.

Judith Levine, Not Buying It – My Year Without Shopping, Free Press 2006.

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SWR3 Gedanken

11FEB2021
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Das kann doch weg!“ oder „Was brauchst du wirklich?“ so heißen die Ratgeber, die einem helfen wollen, to simplify your life, das Leben zu vereinfachen.

Mit dem Kleiderschrank geht es los: brauche ich die Hose wirklich? Wann habe ich diese Jacke zum letzten Mal angezogen? Es soll ausgemistet, alter Ballast über Bord geworfen werden. Wir kaufen zu viel Zeugs? Wir sind zu viel im Internet? Der Leistungsdruck ist zu hoch? Also bitte: einfach mal runterschalten, das Einfache schätzen lernen, weniger ist mehr.

Nur, so einfach ist das ja nun nicht. Ja, wir wissen, dass es besser für uns und unser Leben wäre, wenn wir bewusst und in aller Ruhe eins nach dem anderen machen, dass wir ganz einfach auch mal Nein sagen sollten, dass wir das, was wir haben, wert schätzen.

Und dass das schwer ist, wissen Christinnen und Christen schon lange. Deswegen gibt es im christlichen Jahresablauf Zeiten der Mäßigung (Fastenzeiten) und daneben Festzeiten, an denen das Leben gefeiert wird.

Zum Beispiel in den Wochen vor Ostern soll ganz bewusst Abstand genommen werden vom eigenen Leben. In diesen Zeiten soll man nichts Süßes und kein Fleisch essen und Alkohol trinken, stattdessen soll man in der Bibel lesen und sich mal in aller Ruhe mit seinem Leben auseinandersetzen. Fastenzeiten sind Auszeiten. Aber das ist eben nur eine Seite der Medaille. Die andere ist: danach wird dann aber auch wieder das Leben gefeiert! Gott gedankt für all das Wunderbare, was er uns schenkt!

Denn das Erstaunliche bei diesen ganzen Fastenregeln ist ja, dass man in dieser Zeit des Verzichts erst wieder lernt zu genießen. Schokolade wird wieder etwas besonderes, überhaupt Essen wird wieder etwas, dass gefeiert wird. Aber auch die Nähe der Menschen, die Liebe, das Gesellige, das Lustige – all das lernt man wieder neu schätzen, wenn man mal eine Zeitlang darauf verzichtet hat. Das ist das Geheimnis.

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SWR3 Gedanken

10FEB2021
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Es gibt biblische Worte, die sind sooo schön – und ich mag sie nicht. Wie diese Verse, die alle immer sooo schön finden und die ich bis vor ein paar Jahren überhaupt gar nicht leiden konnte:

Jesus sagt da sooo cool zu seinen Anhängern: „Macht euch keine Sorgen um euer Leben – was ihr essen oder trinken sollt. Oder um euren Körper – was ihr anziehen sollt. Ist das Leben nicht mehr als Essen und Trinken? Und ist der Körper nicht mehr als Kleidung? … Wer von euch kann dadurch, dass er sich Sorgen macht, sein Leben nur um eine Stunde verlängern?“ (Matthäus 6,25-27)

Na, der hat gut reden. Natürlich muss man sich sorgen, um einen guten Schulabschluss, eine gute Ausbildung, eine gute Arbeitsstelle, um die Kinder, die Wohnung, das Haus, um die Gesundheit. Sogar für den Hund habe ich eine Hundehaftpflichtversicherung. Man weiß schließlich nie.

Ja, man weiß schließlich nie – und dann brach bei mir von heute auf morgen alles zusammen: meine Arbeitsstelle wurde unerträglich und ich musste mich entschließen zu wechseln, meine beste Freundin bekam Brustkrebs und fiel buchstäblich aus dem Leben für eine geraume Zeit, meine Schwester ließ sich scheiden und der Kampf um die Kinder begann. Und mir wurde klar: man kann sich sorgen und planen, wie man will, es kommt dann doch anders.

Mich hat durch diese katastrophale Zeit mein Glaube, mein Vertrauen in Gott getragen. Gottvertrauen brauchen wir bei allem, was nicht planbar ist im Leben. Und ich glaube, Jesus ging es in seinen Worten genau darum: trotz allem Gottvertrauen.

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SWR3 Gedanken

09FEB2021
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Ich hatte Thorsten schon längere Zeit nicht mehr gesehen. Zufällig dann vor ein paar Tagen. „Wie geht’s?“ „Was machen die Kinder?“ Und dann fiel mir siedendheiß ein, dass seine Frau doch hochschwanger war. Also ich höfflich nachgefragt. Thorsten antwortet, ja, im Sommer ist sie auf die Welt gekommen, eine kleine Johanna.

Aber plötzlich wird Thorsten ganz still. Es gab Komplikationen bei der Geburt, fängt Thorsten langsam an, sie konnte nicht selbstständig atmen und schlucken auch nicht…

Und dann erzählt Thorsten von Ärztinnen und Ärzten, von Untersuchungen und Diagnosen, von Säuglingsstationen und Kinderkrankenhäusern, von Ängsten und von Hoffnungen, davon, dass er nicht weiß, wie es weitergeht, ob Klein-Johanna weiterlebt oder nicht und was das für sein Leben und das Leben seiner Frau und der beiden anderen Kinder heißt. Thorsten erzählt, dass er abends, nach Feierabend immer zuerst zu ihr fährt, zur zu kleinen Johanna ins zu große Krankenhaus, wie er neben ihrem Bett-Kasten sitzt, mit Maske und allem - und wie er singt, er singt für sie und für sich, jeden Abend dasselbe Lied.

Das Lied hat 1944 der Pfarrer Dietrich Bonhoeffer geschrieben. Die Nazis hatten ihn ins Gefängnis gesteckt und Bonhoeffer wusste nicht, wie es für ihn weitergeht: Würde er die Zeit im Gefängnis überleben? In dieser Situation schreibt Bonhoeffer das Lied.

Das Lied, das Thorsten jeden Abend seiner kleinen Johanna singt:
„Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen, und ganz gewiß an jedem neuen Tag.“

https://www.youtube.com/watch?v=aN7dGz6NH5M

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SWR3 Gedanken

08FEB2021
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Vor ein paar Monaten hat Hannah ihre Ausbildung zur Krankenpflegerin angefangen. Sie ist sehr zufrieden und glücklich mit ihrer Berufswahl. Aber vor kurzem ist ihr doch mulmig geworden. Auf ihrer Station ist eine Patientin gestorben. Zusammen mit einer Krankenschwester sollte Hannah die Verstorbene nach unten in die Kühlkammern bringen. Allerdings fiel der Schwester unten auf, sie hat den Schlüssel vergessen, sie also nochmal hoch. Und Hannah stand mutterseelenalleine mit der Toten in einem leeren, kalten Flur. Das war ihr ganz schön unheimlich. Also hat sie das gemacht, was sie von Oma und Opa gelernt hat: sie hat gebetet „Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe…“ Und in der Tat: es hat geholfen, Hannah fühlte sich nicht mehr ganz so allein und hilflos.

Als Hannah mir die Geschichte erzählte, habe ich mir überlegt: was mache ich eigentlich in unheimlichen Situationen? Nun, ich gehöre zu den singenden Menschen… Ich singe wie eine scheppernde Schuhkiste – voll Leidenschaft und voll schief. Aber ich singe immer dann, wenn ich Angst habe oder mir unwohl in einer Situation ist – und wenn ich alleine bin. Ich singe dann immer dieses Lied aus Taizé, ich singe es wie ein Mantra: immer und immer wieder: „Meine Hoffnung und meine Freude, meine Stärke, mein Licht, Christus meine Zuversicht, auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht…“ Und in der Tat: es hilft immer wieder.

Was auch hilft? Erzählen! Hannah hat die Geschichte Oma und Opa erzählt und sämtlichen Freundinnen und Bekannten. Und jedes Mal ist sie ein bisschen mehr stolz auf sich: Denn ja, sie hatte Angst, aber mit Gottes Hilfe hat sie die Angst überwunden.

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SWR3 Gedanken

07FEB2021
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Es war im Sommer vorm Abi. Ein paar Freunde und ich packten Zelte und Schlafsäcke und machten uns auf in Richtung Nordsee. Unser Campingplatz lag direkt am Strand. Das war Freiheit. Pur. In den Dünen ausspannen. Kein Müssen mehr. Herrlich!

Ich weiß nicht mehr, wie wir auf die bescheuerte Idee gekommen sind. Es war dunkel, nachts und ebbe und wir wollten raus, das Meer suchen. Also liefen wir raus – ins Watt. Aber auf einmal spürten wir Wasser unter den Füßen. Und mit dem Wasser kam die Panik. Was ist, wenn das schon die Flut ist? Wie lange würden wir Zeit haben, wieder ans Ufer zu kommen? Wo ist überhaupt das Ufer??? In der Dunkelheit wussten wir nicht mehr, wohin. Aber dann mitten im Dunkeln auf einmal - ein Licht: Ganz in der Nähe unseres Zeltplatzes gab es einen Leuchtturm. Zuverlässig wie ein Uhrwerk warf er seine Lichtzeichen in die Dunkelheit. Was für ein Segen! Wir liefen in Richtung Licht ans rettende Ufer.

Mit meinem Glauben an Gott ist es genauso:
Wenn mir im Alltag das Wasser bis zum Hals steht, dann hilft mir mein Glaube wie dieser Leuchtturm. Ich erinnere mich an Sätze aus der Bibel. Sätze Jesu: „Ich bin bei dir jeden neuen Tag und bis ans Ende der Welt.“ Und ja, das hilft mir, den Kopf oben zu halten, und gibt mir Kraft weiterzumachen.

Oder wenn es auf der Arbeit gerade mal nicht so lustig ist, die Kollegen anstrengend, die Arbeit anstrengend, der Chef anstrengend. Dann leuchtet mein Glaube wie ein Leuchtturm und erinnert mich daran, was wichtig ist. Und dann koche ich erst einmal einen Kaffee, frage meine Kollegin, wie ihr Wochenende war, und dann mache ich eins nach dem anderen.

Der Glaube an Gott ist wie ein Leuchtturm: er gibt mir Halt und Orientierung in meinem Leben.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=32534
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SWR3 Gedanken

07NOV2020
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Ob man nun an Gott glaubt oder nicht, die Bibel ist voll mit weisen Geschichten und Sprüchen. Klar, die Lebenswelt der Bibel ist von Landwirtschaft geprägt, und ja, die Sprache der Bibel wirkt manchmal etwas alt… aber das macht die Geschichten und Sprüche ja nicht weniger lebensklug. Einmal hat Jesus, so steht es in der Bibel, zu seinen Freunden gesagt: „Wer die Hand an den Pflug legt und dabei zurückschaut: der eignet sich nicht für das Reich Gottes.“ (Lukas 9,62) Jesus wollte damit sagen: wenn ihr mir folgt, dann richtig. Nicht halbherzig. Sondern auf die Sache konzentriert, engagiert und mit ganzem Herzen.

Ich glaube, das gilt fürs Leben überhaupt: Schau nach vorne, nicht zurück! Natürlich ist es wichtig im Leben, auch mal stehen zu bleiben, zu gucken, woher komme ich, wie bin ich bis hierher gekommen. Unsere Vergangenheit prägt uns und erklärt einige Verhaltensmuster. Auch ist es gut, aus vergangenen Fehlern zu lernen.

Aber dann gilt es, wieder nach vorne zu schauen. Nicht in der Vergangenheit steckenzubleiben. Ja, wir erleben alle Schlimmes, verlieren geliebte Menschen und bereuen manches. Und vieles davon lässt sich nicht mehr zurückholen oder ändern. „Hätte ich doch…“ oder „Wäre ich doch nur…“ – das sind Sätze, die im Leben nicht wirklich weiterhelfen. Schau nach vorne, nicht zurück! – will heißen: lebe jetzt. Was auch passiert, es geht weiter, das Leben. Das gibt trotz allem Hoffnung und Zuversicht. Schau nach vorne, nicht zurück!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=31972
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SWR3 Gedanken

06NOV2020
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Irgendwann ging es nicht mehr so weiter. Ganz langsam, so über die letzten Jahre ist mein Hund alt geworden. Erst die letzten paar Monate ging es wirklich nicht mehr gut. Er blickte mich immer häufiger hilfesuchend an - und ich wusste auch nicht mehr weiter. Ein freundlicher Hundebesitzer gab mir den Rat: Wenn der Hund nicht mehr will, dann merkt man das ziemlich eindeutig. Und ja, in der Tat, denn dann kam dieser Tag und ich wusste, jetzt geht es wirklich nicht mehr so weiter. Ich habe also bei der Tierärztin angerufen und gleich abends sollten wir vorbeikommen.

Ich habe erst einmal tief Luft geholt. Denn ich bin der festen Überzeugung, dass ich nicht Herrin über Leben und Tod bin. Und doch habe ich ja auch eine Verantwortung gegenüber dem, was mir anvertraut ist. Also sind wir beide, mein Hund und ich, abends, ein allerletztes Mal los. Wir haben bestimmt locker die doppelte Zeit gebraucht, um zur Tierärztin zu gehen: er hat an jedem Blümchen geschnuppert, hat mühsam jeden Pfosten markiert, ist ganz langsam, wie er eben noch konnte, neben mir her gegangen. Dann haben wir uns auf dem Boden der Tierarztpraxis niedergelassen. Das Atmen fiel ihm immer schwerer. Ich habe mich bei ihm bedankt für die langen Jahre und die schöne Zeit und ich habe mich entschuldigt, wenn ich ungerecht und gemein zu ihm war. Dann bekam er eine Spritze zum Einschlafen und dann die tödliche Injektion. Am Ende lag er ganz fertig da. Und ich hatte den Eindruck, alles Leiden, alle Schmerzen, alle Atemnot waren auf einmal weg, stattdessen: tiefe Ruhe und Frieden. Ich glaube, dort, wo er jetzt ist, geht es ihm gut. Und mir fiel ein kleiner Satz ganz hinten aus der Bibel ein: Gott „wird jede Träne abwischen von unseren Augen. Es wird keinen Tod und keine Trauer mehr geben, kein Weinen und keinen Schmerz.“ (Offenbarung 21,4)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=31971
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