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SWR3 Gedanken
Die Liebe kann man sich ja auf vielerlei Weise gestehen. Ziemlich genial macht es der Held in einem meiner Lieblingsfilme „Willkommen bei den Ch‘tis“: Er sagt es mit der Glocke – also genau genommen mit mehreren Glocken, mit einem Carillon, das ist ein französisches Turmglockenspiel. Verrückt vor Liebe und übermütig vom Alkohol steigt er auf den städtischen Glockenturm und spielt für seine Angebetete und alle anderen Stadtbewohner den Soul-Schinken „I just called to say I love you“ auf den Glocken. Die Angebetete kommt angelaufen, Liebestaumel, Happy End.
Mit einer Glocke kann man eine Menge sagen. Lange Zeit war sie das wichtigste Kommunikationsmittel überhaupt. Bevor es Post und Presse, Telefon und Internet gab, regelte der Klang der Glocken das Leben der Menschen. Die Kirchenglocken läuteten, wenn es brannte oder ein Hochwasser drohte. Wenn Menschen geboren wurden, heirateten oder starben, dann erfuhren das alle durch das Glockenläuten. Die Glocken zählten die Stunden und schlugen an, wann es Zeit für die letzte Runde im Wirtshaus war.
Heute läuten die Kirchenglocken vor allem sonntags. Für die einen sind sie klingende Einladung zum Gottesdienst, für andere Erinnerung, dass Ruhetag ist. Und für einige: schlicht Ruhestörung.
Wer genauer hinhört, wird feststellen, dass es Glocken für fast jeden Anlass gibt. Es gibt zum Beispiel eine Vaterunserglocke, die zum Beten einlädt. Oder eine Totenglocke, die läutet, wenn jemand verstorben ist.
Und für alle, die wie der Held des Films in verzwickten Liebesdingen nicht mehr weiter wissen: In Halle an der Saale steht mit 76 Glocken das größte Carillon Europas. Einfach nach dem Marktplatz fragen und mutig die Stufen im Roten Turm hochsteigen…
Matthias Lemme „Die Liebe…“ in: Sonntags – Erfindung der Freiheit, Andere Zeiten e.V. 2009.
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Ganz unauffällig wandert seine Hand zu seinem Ohr – und dann lächelt er ganz mit sich zufrieden und total entspannt.
Mein alter Pfarrer hatte diesen Trick drauf. Er trug ein Hörgerät. Immer, wenn es ihm in Sitzungen oder beim Kaffee mit den Senioren oder beim Treffen mit den Kollegen zu viel wurde, ist seine Hand zu seinem Ohr gewandert und hat klammheimlich das Hörgerät ausgestellt. Und dann dieser Ausdruck vergnügter Entspannung auf seinem Gesicht. Einfach herrlich. Irgendwann hatte die Kirchengemeinde seinen Trick raus und freute sich mit ihm!
Auch ich freue mich über Stille. Am schönsten ist es sonntagsmorgens ganz früh. Ich gehe mit dem Hund raus. Alles ist so klar und irgendwie rein. Die Luft ist wie neu und unverbraucht. Die Vögel zwitschern. In meinem Kopf gehen noch Gedanken rum (dies musst du noch machen und jenes nicht vergessen und…), aber auch sie kommen langsam zur Ruhe. Und irgendwann ist es auch in meinem Kopf wie leer. Der Atem geht ruhig, die Schritte einer nach dem anderen. Hin und wieder fährt ein Auto durch den Morgen, ansonsten ist es still. In dieser Stille gehen mein Hund und ich spazieren und genießen die Ruhe. Hier habe ich das sichere Gefühl, Gott nahe zu sein. Hier tanke ich Kraft für den Tag.
Eigentlich ist es schade, dass man so eine Stille nicht per Knopfdruck herstellen kann – wie bei meinem alten Pfarrer und seinem Hörgerät. Es wäre schön, öfters Stille zu erleben, ganz bewusst - und dann vergnügt und entspannt lächeln.
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Mit dem Sterben ist das so eine Sache. Leider sterben die Menschen selten wie im Film oder Fernsehen. Sterben ist so unterschiedlich, wie auch das Leben unterschiedlich ist. Und es tut gut, zu akzeptieren, dass es keine Regeln dafür gibt, wie man zu sterben hat.
Vor ein paar Wochen zum Beispiel hat mich eine Familie ins Krankenhaus gerufen. Ich komme ins Zimmer, der alte Mann liegt im Bett, Söhne, Enkel drumherum. Es ist klar, er wird nicht mehr lange leben. Mit großer Anstrengung erzählt mir der alte Mann, dass, sobald er hier raus ist und es ihm wieder besser geht, er sich dringend um die Pflanzen auf seinem Balkon kümmern muss. „Es ist doch jetzt die Zeit!“ sagt er mir eindringlich. Die Söhne stehen hilflos daneben, sie verstehen die Welt nicht mehr. „Es ist okay“, sage ich ihnen, „ihr Vater hat das Recht, nicht an seinen Tod zu denken.“
Oder eine Tochter. Sie pflegt ihre sterbende Mutter zu Hause. Hat sich extra frei genommen. Die Mutter hat aufgehört zu essen, will nichts mehr trinken – aber sie stirbt nicht. Das geht jetzt schon einige Tage. Die Tochter weint: „Manchmal bin ich so wütend auf Mama, dass sie nicht stirbt, dann bin ich wütend auf mich, dass ich sowas denke. Manchmal langweile ich mich und denke an Einkaufslisten und daran, dass ich mal wieder waschen müsste, dann schäme ich mich für meine Gedanken. Ich sollte doch hier bei ihr sein.“ Ich frage sie, was ihre Mutter jetzt gesagt hätte. Die Tochter lacht: „Geh, hätte sie gesagt, ich kann das auch alleine.“
Mit dem Sterben ist das so eine Sache. Es gibt keine Regeln dafür. Es gibt kein falsch oder richtig. Für die, die bleiben ist das nicht immer einfach. Aber ich glaube, am besten unterstützt man die Sterbenden, wenn man ihnen hilft, ihren eigenen Weg zu finden….
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„Ich habe keine Angst“, erklärt mir mein kleiner Neffe, „weil ich mutig bin!“ „Gott sei Dank“, sage ich ihm, „weil ich nämlich alleine Angst habe, in den Keller zu gehen…“ Wir nehmen uns also an die Hand und gehen mutig in den Keller, schnappen uns die Flasche Apfelsaft und nix wie hoch!
Am Abend erklärt mir mein kleiner Neffe dann aber: dass nachts, also nachts ist das was anderes mit der Angst, da ist es wichtig, dass ich bei ihm bin beim Einschlafen. Und während er, an mich gekuschelt, einschläft, denke ich, eigentlich hat doch jeder Mensch vor irgendetwas Angst. Angst vor Spinnen oder vor hohen Höhen oder davor, vor einer Gruppe Menschen einen Vortrag zu halten.
Und eigentlich ist Angst ja auch was Gutes: Angst hilft, vorsichtig zu sein, wachsam, sich gut vorzubereiten auf Vorträge, Prüfungen oder so.
Erst wenn die Angst zu groß wird und einen lähmt, dann wird es freilich schwierig. Wenn Angst den Alltag lahmlegt oder einen daran hindert, andere, neue Dinge anzugehen.
Ich habe Angst vor Prüfungen, ganz schrecklich. Vor Jahren meinte ein Freund, der auch Therapeut ist, das kriegen wir schon hin. Und in der Tat: dank seiner Hilfe, finde ich Prüfungen zwar immer noch schrecklich, aber sie sind machbar, handhabbar geworden. Gott sei Dank.
Wie ein roter Faden zieht sich ein Versprechen Gottes durch die Bibel: Gott versichert uns immer wieder „Habt keine Angst“, „Fürchte dich nicht“. Für mich ist das wichtig, weil es mir Mut macht. Weil ich weiß, da ist jemand, der über mir wacht, der bei mir ist. Deswegen habe ich über meiner Haustür einen Spruch hängen: „Gott hat seinen Engeln befohlen, dich zu beschützen, wohin du auch gehst.“ (Psalm 92,11) Der Spruch hängt da, um mich zu erinnern: egal, wohin ich gehe, Gott geht mit.
Und so kann ich mich in den Keller trauen, auch wenn mein kleiner Neffe mal nicht da ist.
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Morgen ist Pfingsten, endlich Pfingstferien! Aber was ist eigentlich Pfingsten? Wenn ich das meine Grundschüler frage, gucken mich viele ratlose Augen an. Die einen zucken mit den Achseln, die anderen raten: Irgendwas mit Jesus? Nun, nicht direkt, der spielt an Pfingsten ausnahmsweise einmal nur eine Nebenrolle.
Es geht um den Heiligen Geist. Aber der Heilige Geist ist schwer zu fassen. Da ist Weihnachten einfacher: die Geburt eines Babys kann sich jeder vorstellen. Doch der Heilige Geist? Was macht der eigentlich?
Es gibt da diese schöne Geschichte, die sehr gut beschreibt, was der Heilige Geist so macht und wozu er da ist.
Nele und Lukas machen es sich mit ihren Eltern am See gemütlich. Die Liegestühle werden ausgepackt und die Kühlbox, Lukas blättert in einem Comic, Nele…? Neles rote Schwimmflügel gucken unter dem Strandtuch hervor – von Nele weit und breit nichts zu sehen. Die Eltern springen auf. Nele? Nele? Auch Lukas läuft am Wasser lang. Nele? „Was schreist du denn so?“ fragt eine kleine Stimme hinter Lukas. Lukas fährt herum: „Ja, Mensch, Nele, da bist du ja!“ Auch die Eltern kommen angelaufen: „Wir haben uns solche Sorgen gemacht!“ Der Vater fügt hinzu: „Nele, auf keinen Fall läufst Du hier ohne deine Schwimmflügel los, versprochen?“
Am Abend, als die Familie wieder zu Hause ist, und Mama bei Nele und Lukas am Bett sitzt, überlegen sie, was sie morgen machen wollen. Morgen ist Pfingsten. Nele fragt: „Was ist das denn Pfingsten?“ Die Mutter erklärt den beiden, dass es das Fest des Heiligen Geistes sei und sie sagt: „Wißt ihr, der Heilige Geist ist wie die Luft in den Schwimmflügeln von Nele. Man kann die Luft nicht sehen, aber sie hilft. Die Luft trägt uns. Wie der Heilige Geist. Den kann man auch nicht sehen, aber er steht uns bei, wenn wir Angst haben oder traurig sind oder nicht weiter wissen.“ „Jetzt weiß ich, was Pfingsten ist“, ruft Nele. „Mensch, Nele“, ruft Lukas genervt, „du bist viel zu klein, sowas verstehst du nicht.“ „Doch“, sagt Nele bestimmt, „Pfingsten ist rot, wie meine Schwimmflügel.“
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Sie drückt mir ihre Tochter in die Hand, kramt eine Hundekotbeutel heraus und beginnt ganz vorsichtig die Scherben auf dem Gehweg aufzusammeln. Mitten auf dem Weg zur Schule hat jemand seine Bierflasche zerschlagen. „Die Scherben können wir doch nicht so liegen lassen“, sagt sie.
Es ist dunkel, wir fahren auf der Landstraße, auf weiter Flur niemand. Auf einmal eine tote Katze mitten vor uns auf der Straße. Er fährt ran, nimmt eine alte Plastiktüte und zieht die tote Katze in die Böschung am Fahrbahnrand. „Wir können die Katze doch nicht so liegen lassen und alle fahren drüber, das arme Tier“, sagt er.
Ich stehe auf dem Marktplatz vor dem Bäckerwagen. Ein alter Herr steht auch da, völlig verloren, verwirrt guckt er sich um. Eine resolute Frau so zwischen 50, 60 Jahren geht auf ihn zu, fragt ihn, ob er sich verlaufen habe. Er kramt einen Zettel hervor. „Darf ich Sie nach Hause begleiten?“, fragt die Frau.
Jesus erzählt eine Geschichte: Da liegt ein von Räubern zusammengeschlagener Mann am Straßenrand und alle laufen vorbei, Priester und Pfarrer, alle wichtigen, hochherrschaftlichen Menschen, alle – bis auf so einen Ausländer mit so einer komischen Religion, der sieht den verletzten Mann und kümmert sich um ihn.
Jesus fragt: „Was meinst du: Wer von denen ist dem Mann, der von den Räubern überfallen wurde, als Mitmensch begegnet?“ Sie antworten ihm: „Der Mitleid hatte und sich um ihn gekümmert hat.“ „Ja“, sagt Jesus: „Dann geht und macht es ebenso.“
→ Lukas 10,29ff.
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Alle Hände gehen hoch – und ich denke: Krass jetzt. Wir haben im Religionsunterricht in der vierten Klasse unserer Grundschule über die ersten Brüder in der Bibel gesprochen, über Kain und Abel. Die beiden Brüder bringen Gott jeweils ein Opfer und aus unerfindlichen Gründen zieht Gott das Opfer von Abel vor. Kain kann machen, was er will, das Opfer seines Bruders Abel kommt bei Gott einfach besser an.
Und ich habe gefragt: Kennt ihr das, dass jemand mehr geliebt wird, dass jemand bevorzugt wird? In der Familie, in der Klasse, im Verein? Und alle Hände gehen hoch.
Jeder hat etwas zu erzählen: von Geschwistern, die der Opa bevorzugt oder die die Mama mehr liebhat. Von Klassenkameraden, die die Lehrerin einfach mehr mag als alle anderen, im Sportverein und und und. Was kann man denn da machen?, frage ich die Viertklässler.
Nichts, ist die einhellige Meinung. So ist es eben. So ist das Leben, manche werden einfach bevorzugt, manche mehr geliebt, da kann man machen, was man will. Ok, denke ich. Und ich frage: Was wäre denn, wenn wir darüber sprechen? Mit dem Geschwisterkind reden und dem Klassenkameraden.
Denn ja, ich glaube auch, dass es im Leben so ist, man konkurriert manchmal mit jemandem, der uns nahesteht. Man konkurriert, weil man Angst hat, zu kurz zu kommen, Angst hat, nicht zu kriegen, was man zum Leben braucht: Aufmerksamkeit, Liebe, Zuwendung.
Gut ist es dann, einen Schritt zurückzutreten, sich zu fragen: was passiert da jetzt gerade? Was nimmt der andere mir da eigentlich weg? Und dann ganz offen über Rivalitäten sprechen. So können aus Rivalen Verbündete werden. Ich bin überzeugt: das hätte den Brüdern Kain und Abel geholfen.
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Nein, ich werde jetzt kein Loblied auf Kinder singen. Nein, ich möchte keine „Kinder an die Macht“. Aber heute am Weltkindertag sage ich: Kinder sollen Kinder sein dürfen – und wir Erwachsenen sind dafür verantwortlich. Ein Beispiel?
Es gibt da diese Grundschule. Umgeben von einer ganz normalen Stadt in Deutschland. Aber in diese Grundschule gehen nur ungefähr die Hälfte der in diesem Stadtteil lebenden Kinder. Warum? Weil die Grundschule einen verdammt schlechten Ruf hat. Schon von außen sieht die Grundschule heruntergekommen aus. Das Gebäude ist in die Jahre gekommen und wie es scheint, interessiert das keinen. Nun gehen also hauptsächlich Kinder auf diese Grundschule, die so ihre Probleme im Leben haben: Eltern, die sich nicht so kümmern, beengte Wohnungen, oft zu wenig Geld in den Familien. Das sind Strukturen, die die Kleinsten wissen lassen, dass man sie nicht braucht.
Wichtig wäre zum Beispiel eine Schulküche mit einer Köchin, die mit den Kindern zusammen kocht. Aber das ist ja ganz utopisch! Viel zu teuer! Und überhaupt, ist das nicht vorgesehen, also wird es auch nicht gemacht. Ob die Kinder das Essen brauchen? Danach wird nicht gefragt. Auch nicht danach, was die Kinder sonst zum Lernen brauchen - Sozialarbeiter und Lernbegleiterinnen – das wäre ja wirklich zu viel verlangt!
Geht so Kindsein in Deutschland? Dafür sind wir Erwachsene verantwortlich. Es liegt in unserer Verantwortung, dass Kinder eine gute Schule besuchen können. Dass sie gutes Essen bekommen und alle Möglichkeiten haben, etwas aus sich zu machen. Und vor allem, dass sie den Glauben an sich selbst und eine gute Zukunft nicht verlieren. Das ist unsere Verantwortung. Und am heutigen Weltkindertag sage ich laut und deutlich: Nein, so geht es nicht.
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„Kinder brauchen Schwarzbrot - Kinder brauchen etwas zum Kauen“, das sagte die wohl größte deutsche Theologin Dorothee Sölle. Und ich denke da an Mütter, die ihre Kinder nicht alleine draußen spielen lassen, weil das viel zu gefährlich ist.
Oder an Lehrer, die den Lehrstoff wunderbar pädagogisch aufbereiten: Fremdwörter entfernen, komplizierte Satzbauten glätten, schwierige Zusammenhänge vereinfachen – und sich wundern, dass bei den Schülerinnen und Schülern nichts hängenbleibt.
Kinder müssen lernen, eigenverantwortlich zu handeln, Kinder müssen lernen, selbstständig zu denken. Und dafür brauchen Kinder Herausforderungen – Schwarzbrot eben.
Und ich sage das aus reinem Eigeninteresse: denn zum Glauben braucht es Menschen, die mit Schwarzbrot klarkommen. Die Basis des christlichen Glaubens ist ein Buch: die Bibel. Aber diese Basis muss gelesen und verstanden werden, auch kritisch hinterfragt werden: warum haben die das damals so gedacht? Gilt das heute noch? Vor allen Dingen: was hat das mit meinem Leben zu tun? Kann mir das in meinem Leben helfen?
Die Bibel erzählt vom Leben: von menschlichem Leid in all seinen Formen und Farben, von menschlichem Glück in all seinen Formen und Farben, von Dankbarkeit – und von Gott.
Die Bibel ist das Schwarzbrot unseres Glaubens: sie nährt und sättigt. Und es braucht Menschen, die dieses Schwarzbrot kauen können. Die es aufnehmen mit den oft schwierigen Texten. Denn nur so wird die Bibel zu Worten des Lebens, die den Hunger stillen.
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„Ich habe mich so danach gesehnt, dass er einmal sagt: ‚Ich liebe dich.‘“ Dirk steht vor mir. Ein bisschen hilflos – und unendlich traurig. Er erzählt mir von seinem Vater: „Er hat es nie gesagt: Mein Sohn, ich liebe dich.“ Dirk ist so um die Fünfzig. Sein Vater ist vor ein paar Tagen gestorben.
Als klar war, sein Vater stirbt, saß er bei ihm am Bett. Tag und Nacht. Hat seinem Vater die Hände und Füße gewärmt. Hat ihm den Mund mit warmen Wasser befeuchtet. Hat um jeden Atemzug gebangt. Was er nicht gemacht hat, er konnte seinem Vater einfach nicht sagen: Papa, ich liebe dich. Irgendwie fehlte etwas zwischen den beiden.
Wie anders ist es, als Jesus getauft wird. Da spricht eine Stimme vom Himmel: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Freude.“ (Markus 1,11b) Und Jesus geht seinen Weg weiter, aber er geht ihn in der Gewissheit: Ich bin geliebt, ich bin Gottes geliebtes Kind. Diese Liebe bleibt in ihm, wohin ihn auch sein Lebensweg führt.
Christinnen und Christen glauben: Wir alle sind geliebte Gotteskinder, Gott sagt auch zu uns: „Du bist mein geliebtes Kind, an dir habe ich Freude!“
Wie gut tut es, wenn auch wir das in unserem Leben unseren Kindern, aber auch unseren Eltern sagen können: Ich liebe dich.
Klar, Liebe bewahrt nicht vor allem Schweren. Aber sie ist ein Antrieb, der mich wachsen lässt – über viele Widerstände und Hindernisse hinaus. So gebe ich die Liebe, die mir geschenkt wurde, weiter in die Welt. Deshalb sollte man damit nicht geizen und es sagen, wo es stimmt: Ich liebe dich!
Inspiriert durch Tina Willms „Erdennah – Himmelweit, ein Jahresbegleiter zu den Wochensprüchen“.
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