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SWR3 Gedanken

19FEB2023
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Ich bin schwierig. Das sagen meine Kollegen manchmal, das sagen aber auch Freunde – gut, die sagen das ein bisschen netter: ich habe schwierige Seiten, sagen sie. Und ich? Ich denke es auch, ja, ich bin schwierig. Manchmal sage oder mache ich Sachen, da verstehe ich mich selbst nicht: einfach dumm, ungeschickt, manchmal kann ich auch richtig fies sein. Die Sache ist nur die: ich habe den Eindruck, auch alle anderen Menschen sind schwierig. Oder, um es netter auszudrücken: alle Menschen haben schwierige Seiten.
Was also tun?
Als Pfarrerin ist mir natürlich ein Ratschlag aus der Bibel eingefallen: „Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst“ (Mk 8,31). Sprich: wenn alle Menschen schwierige Seiten haben, vielleicht muss man sich selbst und den anderen einfach mit mehr Liebe begegnen. Also akzeptieren, dass es so ist. Vielleicht Grenzen ziehen, auch mal Nein sagen, so geht es nicht. Aber prinzipiell einfach damit leben. Wobei einfach ist das ja nicht.

Der Ratschlag aus der Bibel setzt noch einen obendrauf: „Liebe Gott“ (Mk 8,30). Für mich ist das der beste Ratschlag, wie man mit schwierigen Menschen umgeht: liebe Gott. Das schafft Abstand – und gleichzeitig Nähe!

Abstand, weil ich da jemanden habe, jemanden, der nicht Mensch ist. Einen, der über allem steht, der nicht von dieser Welt ist, mit dem ich das alles in Ruhe besprechen kann, Ärger abladen, Frust auch, Enttäuschungen.

Aber der Glaube an Gott schafft auch Nähe zu schwierigen Menschen, denn, wenn Gott auch den anderen mit seinen schwierigen Seiten gemacht hat, dann ist auch der ein geliebtes Gotteskind. Vielleicht gibt’s eine Geschichte hinter den schwierigen Seiten, einen Grund sozusagen. Es lohnt sich oft, dem anderen als ein Kind Gottes zu begegnen. Mit Abstand – und mit Nähe.

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SWR3 Gedanken

19NOV2022
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„Ich habe wichtigeres im Leben zu tun“, sagt mir mein kleiner, vierjähriger Neffe. Ich hatte ihn gefragt, ob er nicht doch mal wenigstens probieren möchte, ein ganz kleinwenig sein Zimmer aufzuräumen. Da guckt er mich ganz ernst an und sagt: „Tante, ich habe wichtigeres im Leben zu tun.“ „Okay“, frage ich ihn, „was gibt es denn so Wichtiges in Deinem Leben?“ Mein kleiner Neffe zählt auf: mit seinem Vater ist er gerade dabei, im Gütle ein Häusle aus Holzpaletten zu bauen. Dann sind da seine Freunde im Kindergarten. Und, fügt er hinzu, dann sind ja noch die Hühner vom Pfarrer. Ich gucke meine Schwester / seine Mutter fragend an: Welche Hühner vom Pfarrer? Na, sagt sie, wir gehen auf dem Weg zum Kindergarten immer am Pfarrgarten vorbei und an den Hühnern vom Pfarrer. Wir sagen ihnen Hallo und gucken dann, ob alle Hühner noch da sind und ob es allen gut geht. Ja, denke ich! Alles wirklich wichtige Sachen.

Abends sitzen meine Schwester und ich bei heißer Zimtmilch zusammen und überlegen uns, was für uns wichtig im Leben ist. Die Familie fällt uns als erstes ein, die Gesundheit natürlich, der Beruf… ein aufgeräumtes Kinderzimmer kommt nicht vor.

Meine Schwester erzählt, dass es von der Kirchengemeinde ein Angebot gibt, eine Woche im Kloster. Sie überlegt, daran teilzunehmen. „Ich glaube, die Stille und Ruhe werden mit guttun“, sagt sie, „und ich habe einfach Zeit, mir zu überlegen: Was ist mir in meinem Leben wichtig? Und dann fällt es mir vielleicht auch leichter, all das Unwichtige nicht mehr so wichtig zu nehmen.“

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SWR3 Gedanken

17NOV2022
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Ich saß bei meiner Freundin Lisa am Bett. Sie war einige Tage im Krankenhaus. Die Ärzte haben versucht herauszufinden, warum sie so krank war. Eine Bekannte hat sich zu uns gesetzt. Und dann hat sie Lisa erklärt, Lisa müsse nur glücklicher und zufriedener sein. Wenn sie aufhören würde mit den vielen negativen Gedanken, dann würde sie sicher auch bald wieder gesund. Lisa und ich haben uns angeschaut, entsetzt, wütend.

Ich habe daran gedacht, wie ich vor ein paar Tagen einen alten Mann besucht habe, der im Sterben lag. Ich bin ins Zimmer gekommen, als der Sohn dem alten Mann auf die Schultern klopfte: „Wird schon wieder. Musst dich halt ein bisschen anstrengen.“ Ich war fassungslos – wenn es nicht wieder würde, wenn der Mann starb, hatte er sich dann einfach nicht genug angestrengt?!? War sein Sterben dann seine Schuld?!?

Oder in der Coronazeit. Sofort wurde das Gute an der Pandemie gesucht. Man sollte das Beste draus machen, die Zeit produktiv nutzen. Wer da nicht mitging, war selbst schuld. Also ich fühle mich Corona gegenüber bis heute schrecklich hilflos. Und ich habe Zeit gebraucht zu verdauen, dass Menschen krank werden, manche sterben.

In der Bibel gibt es Klagepsalmen. Das sind kurze Texte, da klagen Menschen in unmissverständlichen Worten Gott an für all den Mist, der ihnen widerfährt. Und ich glaube, es ist wichtig, Leid und Unrecht anzusprechen und beim Namen zu nennen. Denn Gewalt, Einsamkeit, Ungerechtigkeit sind – bei Gott! - einfach nicht in Ordnung.

Zumal ich davon überzeugt bin: wir brauchen auch negative Gefühle, um weiterzukommen, um uns weiterzuentwickeln.

Denn nur wenn wir wütend sind, klagen und schimpfen, kann daraus Engagement werden, kann ich etwas verändern. Und vielleicht können dann Krisen zu Chancen werden und wir können aus Fehlern lernen.

Buchtipp: Juliane Marie Schreiber „Ich möchte lieber nicht: Eine Rebellion gegen den Terror des Positiven“ 2022.

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SWR3 Gedanken

16NOV2022
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Kleinkrieg unter Nachbarn. So könnte man es bezeichnen. Ich habe einen Apfelbaum. Gut ein Drittel dieses Apfelbaums hängt auf der Seite des Grundstücks meiner Nachbarin. Sehr gerne pflückt sie die Äpfel. Aber alle Äpfel, die faul sind oder wurmstichig, die wirft sie einfach in meinen Garten. Ha, ich habe aber wesentlich mehr faule und wurmige Äpfel, die ich ihr in den Garten werfen kann. So geht es im Herbst hin und her mit den Äpfeln.

Der Stein, den ich in den Händen halte, wird immer schwerer.
Heute ist Buß- und Bettag. Ein vergessener Tag. Nur wenige kommen am Abend in den Gottesdienst in die Kirche. Dabei ist es einer der schönsten Gottesdienste im Jahr.

Wir bekommen einen Stein und wir vertrauen diesem Stein alles Doofe, Peinliche, Schwere an, alle Missverständnisse, alle kleinen und großen Lügen, alle Gemeinheiten, allen Streit. Es hört sich banal an, aber es tut ziemlich gut, diesen Stein vor Gott abzulegen. Es ist wirklich so, als ob eine Last von einem genommen wird. Ich atme wieder leichter, stehe aufrechter.

In diesem Gottesdienst beten wir zu Gott, weil wir in so vielen Strukturen gefangen sind: gesellschaftliche Ungerechtigkeiten oder wirtschaftliche Abhängigkeiten oder, oder. Das alles bringen wir vor Gott, klagen es ihm.

Aber am Ende des Gottesdienstes geht jeder mit einer Blume nach Hause. Eine Blume für all das Schöne im Leben! Trotz allem.

Und ich nehme mir vor, am Wochenende einen Apfelkuchen zu backen, damit werde ich zur Nachbarin gehen. Wäre doch gelacht, wenn wir den Apfelstreit nicht beilegen könnten!

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SWR3 Gedanken

15NOV2022
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„I am proud of you!” sagt mir meine amerikanische Freundin Ellen und strahlt mich über den Bildschirm an. Und ja, ich weiß, Amerikanern geht dieses „I’m proud of you“ oft leicht über die Lippen, aber ich freue mich trotzdem sehr.

Ich komme glücklicherweise aus einer Familie, die stolz ist auf mich und meinen Beruf und mein Leben – aber das sagen, um Gottes Willen, nee! Und so habe ich gedacht, muss ich mal bei mir selbst anfangen und es öfter mal sagen.

Meiner Schwester zum Beispiel. Die hat mit Mitte Vierzig beschlossen, etwas ganz Neues zu machen und hat eine Ausbildung als Krankenschwester angefangen. Mit Erfolg hielt sie ihr Halbzeitzeugnis in der Hand. Und ich habe zu ihr gesagt: „Du, ich bin stolz auf dich!“

Oder meinem Freund Andreas. Da gab es Streit in der Schule. Ein ziemlich kräftiger Junge stürzte sich in großer Wut auf einen anderen Jungen. Andreas hat nicht lange nachgedacht, er stellte sich schützend dazwischen – und wurde von der ganzen Wutwucht getroffen. Die nächsten Tage lag er in Schonhaltung im Bett. Aber ich habe ihm gesagt: „Du, ich bin stolz auf dich!“

Eigentlich sind es ja nur wenige Worte: „Du machst das richtig gut!“, „Wenn ich dich nicht hätte…“, „Danke!“ Aber die paar Worte haben eine große Wirkung: sie tun einfach gut! Insofern bitte mal gut zuhören, es kommt von Herzen: „Es ist schön, dass es Dich gibt!“

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SWR3 Gedanken

14NOV2022
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„Jesus, Füße runter!“ so heißt das Buch. In „Jesus, Füße runter!“ machen sich Jonas und seine Freundin Trixi auf mit dem Interrailticket quer durch Europa. Mit der Bahn fahren die beiden nach Istanbul, Sarajevo, Rom, Paris und London. Immer mit dabei: Jesus. Jesus schließt sich den beiden an und fährt mit. Das ist ziemlich unterhaltsam und erstaunlich lustig. Die Reise fängt an in Berlin, auf einem Konzert von Helene Fischer. Während Jonas etwas, ich sage mal: fremdelt, ist Jesus begeistert von der Stimmung. Da geht endlich mal was ab!
Ein kleiner Ausschnitt aus „Jesus, Füße runter!“ gefällig?

Trixi hält ihre rechte Hand zwischen die Köpfe von Jesus und mir, schnippst und sagt im Stile einer Bahn-Durchsage: „Sehr geehrte Fahrgäste, wir bitten Sie, Ihren Spaß in den Gepäckfächern zu platzieren. Ich wiederhole mich: Aus aktuellen Sicherheitsgründen bitten wir Sie, jeglichen Humor für den Rest der Reise in den Gepäckfächern über Ihnen zu platzieren.“ Ich schüttele gespielt entrüstet den Kopf. „Aber die Gepäckfächer sind doch schon voll!“ *

Und so fahren Jesus, Jonas und Trixi mit viel Humor weiter mit der Bahn durch Europa. Es wird manchmal abenteuerlich und viel geredet, es wird nächtelang Bierpong mit den Mitreisenden gespielt bzw. zu 90er Hits durchgetanzt.

Wenn man mal alle Witze und witzigen Begebenheiten beiseitelässt, gefällt mir an dem Buch besonders, wie Jesus plötzlich mittendrin ist im Leben. Im Hier und Heute. Da ist Platz für Komisches und für kritische Fragen, für Rührendes und Normales. Denn einfach ist es nicht, mit Jesus unterwegs zu sein. Aber ziemlich lesenswert!

*Jonas Goebel „Jesus, Füße runter!“ Verlag Herder 2022

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SWR3 Gedanken

13NOV2022
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„Da waren Panzer. Und die sind einfach über die Menschen drüber gefahren. Einfach drüber.“ Die ältere Frau sieht mich mit großen Augen an. Sie steht vorm Pfarrhaus. Sie müsse mit mir sprechen, hat sie gesagt. Seit der Krieg in der Ukraine angefangen hat, habe sie diese Bilder im Kopf. Von früher. „Da war ich doch noch klein, aber jetzt kommt alles wieder. Immer wieder sehe ich diesen Panzer, der einfach über die Menschen drüber gefahren ist.“

Am 24. Februar hat Russland seinen Großangriff auf die Ukraine angefangen. Kurz danach wurde ich gebeten, ich müsse dringend eine Friedensandacht halten bei uns im Seniorenzentrum. Die alten Frauen und Männer brauchten ganz einfach Zeit, um zu erzählen, von früher. Allesamt sind sie Kinder gewesen, gerade einmal Jugendliche, junge Menschen, als sie den Krieg erlebt haben. Sie erinnern sich an Bunker, an Einschüsse, an Hunger, an Angst. Sie waren das Kanonenfutter, das den Verlust des Krieges 1945 aufhalten sollte. Sie waren auf der Flucht. Sie haben Brüder verloren, Väter, Onkel. Oder die Brüder, Väter, Onkel sind nach Jahren aus den Kriegsgefangenenlagern wiedergekommen, andere Menschen, verschlossen, zitternd, krank. Das alles erzählen sie. Ich höre zu.

Es tut gut, das alles in der Friedensandacht vor Gott zu bringen. Unsere stotternden Geschichten, unsere konfusen Ängste. Wir suchen Zuflucht, wir suchen Hoffnung. „Gib Frieden, Herr, gib Frieden!“

Heute ist Volkstrauertag. In fast jedem Dorf, in fast jeder Stadt treffen sich Menschen vor den Kriegsdenkmälern. Es wird der Toten gedacht, der Opfer der Kriege. Es wird an die Kriege in der Welt gedacht, an Unrecht und Gewalt. Es ist wohl heute wichtiger denn je, für den Frieden in der Welt zu kämpfen. „Gib Frieden, Herr, gib Frieden!“

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SWR3 Gedanken

30JUL2022
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Auf einer Autobahnraststätte irgendwo zwischen Köln und Stuttgart. Mein Neffe, drei stolze Jahre alt, hält sein kleines Polizeiauto im Arm. Dieses Polizeiauto begleitet ihn seit Monaten überall hin: das kleine Polizeiauto kommt sogar mit in die Badewanne und auf jeden Fall braucht er es zum Einschlafen im Bett.

So steht er also da mit seinem Polizeiauto auf der Autobahnraststätte und wartet, dass sein Papa endlich von der Toilette kommt.

Auf einmal hält vor ihm ein richtiges, ein großes Polizeiauto. Mein kleiner Neffe schaut ungläubig von seinem kleinen auf das große Auto. Die beiden Polizisten winken ihm zu. Er winkt zurück. Er macht die Tür seines kleinen Autos auf, sie zeigen ihm: auch sie können die Türen ihres Autos aufmachen. Er schaltet das Blaulicht ein, auch sie schalten ihr Blaulicht ein. „Aber“, erklärt er ihnen, „ich habe auch einen Knopf!“ Er drückt den Knopf und schon schalt es Tatütata. Die beiden Polizisten meinen, auch sie haben so einen Knopf, aber bei ihrem Tatütata fallen allen Leuten die Ohren ab, also hier vielleicht lieber nicht. Mein kleiner Neffe ist trotzdem begeistert! Voller Stolz steigt er wieder ins elterliche Auto und auf der Weiterfahrt erzählt er bestimmt hundertmal von seinem polizeilichen Abenteuer.

Abends im Bett erzählen wir uns noch einmal von allen Abenteuern des Tages. Auf einmal sagt mein kleiner Neffe: wir müssen auf jeden Fall die Polizisten in unser Abendgebet mitaufnehmen.

Also beten wir für alle Jungs und Mädels mit kleinen und großen Polizeiautos. Denn wir alle brauchen Freunde und Helfer! Gott möge seine schützende Hand über alle Polizistinnen und Polizisten halten! Danke!

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SWR3 Gedanken

29JUL2022
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Er ist der hässlichste Hund im Stadtteil. Er sieht aus wie Frankensteins Monster: grob zusammengeflickt aus Stoffresten, die Ohren angefressen, der Unterkiefer hängt zur Hälfte herunter.

Aber wenn sein Besitzer ihn losmacht, dann läuft er auf jeden Menschen zu, drängt sich an die Beine, will gestreichelt und gekrault werden. Er ist einer der liebesbedürftigsten Hunde überhaupt.

Seine Geschichte? Er kommt aus einem der Länder, für die Hundekämpfe Spaß bedeuten. Oh nein, er war kein Kampfhund. Er war ein sogenannter Dummy: ein Hund, an dem die anderen Hunde schon mal ihre Aggressionen auslassen und erproben konnten.

Wenn ich das so erzähle, schnürt es mir die Kehle zu. Mir ist völlig unverständlich, wie Menschen sowas machen, ein Lebewesen derart quälen können.

Der christliche Glaube ist da ernüchternd realistisch: der Mensch an sich, so sagt er, ist immer zum Besten und zum Schlimmsten fähig. Heilig, ja, aber auch immer Sünder. Und wir sind so frei, wir können uns entscheiden, Gott zu ehren und damit Gottes Geschöpfe zu ehren – oder eben nicht. Und ich meine hier nicht nur Hunde, sondern alle Geschöpfe.

Gott sei Dank, gibt es immer Menschen, die die Augen aufmachen und was sagen, die eingreifen, retten und etwas tun. Politiker, die sich einsetzen, Polizistinnen und Richter, Pfleger und Ärztinnen, und so viele mehr, die da sind und helfen. Viele Ehrenamtliche, die sich dafür einsetzen, dass die Menschen das Gute wählen. Und versuchen, den Schaden zu lindern, wenn das schiefgeht. Bekannte, Nachbarinnen und Lehrer, die da sind, wenn es darauf ankommt. Das ist es, was mir Hoffnung macht.

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SWR3 Gedanken

28JUL2022
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Heute beginnen endlich auch in Baden-Württemberg die Ferien! Halleluja! Und wer will, findet überall hilfreiche Tipps, wie man Ferien und Urlaub am Besten gestaltet:

„Mach was Sinnvolles in deinen Ferien! Nutze die freie Zeit!“ Vor mehr als 100 Jahren galt das noch als moralische Pflicht, die die Pfarrer ihren Schäfchen mit auf den Weg in den Urlaub gegeben haben. Freie Zeit sei zu wertvoll, um sie sinnlos zu verschwenden.

Die Angst, Zeit sinnlos zu verschwenden, gibt es bis heute. Manchmal habe ich den Eindruck: im Urlaub geht es deshalb bei vielen genauso hektisch weiter wie im Alltag. Sie meinen, sie müssten was Besonderes machen, eine Herausforderung bestehen, Neues, vielleicht sogar Abenteuerliches wagen. Ich kenne viele, die hasten im Urlaub von Event zu Event. Sie treiben Sport und arbeiten sich durchs Wellnessprogramm. Da werden Museen abgehakt, Städtetrips organisiert und viele Kilometer hinter sich gebracht – von den Staus ganz zu schweigen.

Ich bin da vom Zuschauen schon immer ganz erschöpft. Ich finde die Hast, die die Arbeitswelt prägt, sollte nicht auch noch die Freizeit bestimmen. Und es gibt ja auch Beispiele wie es anders gehen könnte. Orthodoxe Juden zum Beispiel machen am Sabbat – ihrem freien Tag in der Woche - absolut gar nichts. Sie spielen nicht Fußball, kochen kein mehrgängiges Menü… niemandem würde einfallen, größere Strecken zu gehen, Schweres zu tragen oder gar was im Haushalt oder im Garten zu werkeln. Damit man sich auf das konzentrieren kann, was wirklich wichtig ist. Damit sie ungestört mit Gott reden können.

In den Ferien die Uhr anhalten und ein bisschen aus der Zeit fallen. Im Urlaub den Alltag hinter sich lassen und wirklich ausruhen – das ist mein Urlaubstipp in diesem Jahr!

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