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SWR3 Gedanken

07JAN2026
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Vielleicht haben Sie heimlich auch eine. Eine Liste mit guten Vorsätzen für das neue Jahr. Auch wenn viele Menschen sagen: „Ach, ich mach sowas nicht mehr. Das bringt doch eh alles nichts!“. Dann stichelt doch diese leise, fiese Stimme im Kopf: „Wolltest du nicht dieses Jahr endlich mehr Sport treiben?“ oder „Statt auf dein Handy zu schauen, könntest du auch mal ein gutes Buch lesen.“ Mit den meisten dieser Vorsätze ist es erfahrungsgemäß schon nach kurzer Zeit wieder vorbei.

Was bleibt, ist dann eben kein Erfolgserlebnis, sondern das schlechte Gewissen: Nicht mal das schaff ich …! Es gibt so einen Satz am Ende des Gottesdienstes: Gott, segne unser Tun und unser Lassen.

Bei Gott zählt nicht nur, was ich mache, sondern auch das, was ich ganz bewusst nicht beginne oder auch nicht zu Ende bringen kann. Mich entlastet das sehr! Wenn ich das auf meine Neujahrsvorsätze übertrage, könnte aus meiner To-do-Liste vielleicht eine Not-to-do-Liste werden.

Mit lauter Vorsätzen, die man ganz leicht abhaken kann – indem man nichts tut! Zum Beispiel: Nicht sofort große Fitnesspläne machen. Stattdessen beim Kaffeetrinken mit einer Freundin überlegen, welches neue Hobby gemeinsam Spaß machen könnte. Solche schönen Erfahrungen machen gute Laune und motivieren. Und wer weiß, vielleicht gibt uns das den Anschub, mit mehr Freude an die Aufgaben heranzugehen, die uns wirklich am Herzen liegen.

Der erste Schritt dahin kann klein sein. Manchmal geht er sich fast wie von selbst. Gott segne dafür unser Tun und unser Lassen!

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SWR3 Gedanken

06JAN2026
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In diesen Tagen wird an vielen Orten wieder hoher Besuch erwartet. Die Sternsinger sind wieder unterwegs! Ausgestattet mit königlichem Gewand, Krone und, natürlich, Stern ziehen sie von Haus zu Haus. Gemeinsam sagen sie ihren Sternsinger-Spruch und singen ein Lied.

Sie bringen den berühmten Segen an die Türen und so zu den Menschen: C + M + B „Christus mansionem benedicat“, „Christus segne dieses Haus“.

Das allein wäre schon genug, aber die Kinder machen noch etwas anderes. Sie sammeln Geld für einen guten Zweck. Im vergangenen Jahr kamen so mehr als 48 Millionen Euro zusammen. Damit ist das Dreikönigssingen eine der erfolgreichsten Spendenaktionen in Deutschland.

Dass so viele kleine Menschen sich für andere kleine Menschen auf der ganzen Welt einsetzen, bringt mich immer wieder zum Staunen. In diesem Jahr steht das Thema Kinderarbeit im Mittelpunkt.

Es ist gut, wenn Kinder verstehen, woher die Dinge kommen, die für sie wie selbstverständlich sind. Dass es nicht in Ordnung ist, wenn andere Kinder nicht spielen dürfen, sondern arbeiten müssen.Und dass Schule nicht nur schwierig und doof ist, sondern helfen kann, den Kreislauf der Armut zu durchbrechen.
Was für eine starke Botschaft: Auch Kinder können gemeinsam Großes erreichen! Sternsingen steht für königliche Würde für alle Menschen. Ich freu mich schon darauf, die kleinen Majestäten in den Straßen zu sehen!Und ich freu mich auf ihren Sternsinger-Gruß: „Wir wünschen euch ein fröhliches Jahr – Caspar, Melchior und Balthasar!“

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SWR3 Gedanken

05JAN2026
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Vor ein paar Jahren war ein Werbeclip eines bekannten schwedischen Möbelhauses sehr populär. Darin warfen alle möglichen Leute nach Weihnachten ihre Christbäume raus – direkt aus dem Fenster! Der Slogan lautete: „Bäumchen raus!“ Ganz offensichtlich, damit anschließend ein neues Stück aus besagtem Möbelhaus zu Hause „einziehen“ kann.

„Was für ein Quatsch!“, hab ich immer gedacht. Niemand ist so verrückt und wirft seinen Christbaum wirklich aus dem Fenster!

Aber dann, vor ein paar Tagen in meiner Straße, habe ich es gesehen: Da war ein älteres Pärchen gerade dabei, seinen Baum aus dem Haus zu werfen. Der Mann stand unten, die Frau oben am Wohnungsfenster und hat die Tanne geradewegs in den Vorgarten geworfen. Das Ganze hat ihr offensichtlich riesigen Spaß gemacht. Als der Baum fiel, hat sie gejubelt wie ein Kind. Ich war von ihrer Lebensfreude wie verzaubert. Etwas Altes loszulassen kann so guttun und befreiend sein.

Gott will uns Mut dazu machen, wenn er verspricht:Seht, ich schaffe einen neuen Himmel und eine neue Erde. Dann denkt niemand mehr an das, was früher war.
Es ist für immer vergessen. Freut euch und jubelt ohne Ende über das, was ich jetzt erschaffe!*

Ich möchte, dass das im neuen Jahr mein Hoffnungsgedanke wird. Ich will rausgehen und schauen, wo Gottes Versprechen schon hervorlugt. Und ich werde bestimmt einige sehen, die auch gerade Platz für Neues schaffen. Frei nach dem Motto: Bäumchen raus – Zukunft rein.

*Jes 65,17-18a

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SWR3 Gedanken

04JAN2026
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Manche Sachen passen einfach nicht zusammen. Das haben sich bestimmt auch jetzt wieder Menschen in den Weihnachtstagen gedacht. Da lief Stille Nacht, heilige Nacht im Radio, während die Kinder sich laut gestritten haben; oder da war das Gefühl von Einsamkeit, obwohl man an den Feiertagen mit Familie, Freundinnen und Freunden zusammen war. Diese Gegensätze können sehr zu Herzen gehen.

Aber es geht auch anders. Ein gutes Beispiel ist für mich die Krippe in unserer Kirche, die auch dieses Weihnachten wieder aufgebaut war.

Als ich sie vor ein paar Jahren zum ersten Mal näher angeschaut habe, war ich echt überrascht.Da hatte doch irgendein Scherzkeks zwischen dem Jesuskind, Maria, Josef, den Hirten, Sterndeutern und vielen Schafen tatsächlich die kleine Figur von Patrick, dem Seestern hineingeschmuggelt. Mit Badehose sitzt Patrick, bekannt aus der Serie SpongeBob, ganz nah beim Jesuskind.

Für einen Augenblick war ich empört: Das geht doch nicht! In einer so liebevoll gebastelten Krippe …! Doch dann wurde ich nachdenklich: Wer weiß, wer Patrick dort aus welchem Grund hingesetzt hat. Und auch, wenn einige Leute sagen würden: „Der passt da nicht rein, der stört!“, Patrick ist jetzt eben da und gehört irgendwie dazu. Mittlerweile wäre die Krippe ohne ihn für mich nicht komplett.

Und so ist es auch mit den Dingen, von denen ich mir im Rückblick wünsche, sie wären an Weihnachten anders gewesen. Manches ist nicht zu ändern und stört uns jedes Jahr wieder. Aber ich spüre in diesem Fest auch immer wieder die Kraft, das, was nicht zueinander passen will, doch zusammenzubringen. Weihnachten kann Brücken bauen. Auch weit über das Fest hinaus.Ich hoffe sehr, dass mich diese Hoffnung auch in diesen Tagen gut ins neue Jahr hineinträgt und ich die vielen Dinge, die im Leben sperrig sind, mit mehr Gelassenheit ansehen kann.

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SWR3 Gedanken

01NOV2025
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Haben Sie eigentlich einen oder eine Lieblingsheilige? Falls nicht, wäre vielleicht dieser etwas für Sie: Carlo Acutis. Das Besondere an ihm: Carlo wurde nur 15 Jahre alt. Dieses Jahr, fast 20 Jahre nach seinem Tod, wurde er am 7. September durch Papst Leo XIV. heiliggesprochen.

Sein früher Tod ist jedoch nicht der Grund für seine Heiligsprechung:
Carlo Acutis wird von vielen der erste heilige Millenial und der „Heilige des Internets“ genannt. Seine Familie erzählt, wie der Junge sich schon in seiner Kindheit für den katholischen Glauben interessierte: Er ging regelmäßig in den Gottesdienst, war sehr nett zu anderen und stellte eine Liste online, mit vielen verschiedenen Wundern rund um das Abendmahl. Ziemlich ungewöhnlich für einen Jugendlichen. Und schon vor seiner Heiligsprechung gab es um Carlo einen riesigen Hype im Internet.
Vielleicht weil sein Vertrauen auf Gott und sein Glaube so besonders waren. Vor allem, da immer gesagt wird, junge Menschen würden sich nicht mehr für religiöse Themen interessieren.

Heute, am 1. November ist Allerheiligen. Ein Fest für alle Heiligen in der katholischen Kirche, aber auch für diejenigen, von denen nur Gott weiß, wie besonders ihr Glaube und ihr Vertrauen sind. Heimliche Heilige, sozusagen.

Da ich evangelisch bin, ist das ein Fest, das mir eher fremd ist. Bei uns gibt es keine Heiligen. Aber wenn ich auf die Geschichte von Carlo Acutis schaue, denke ich: Vielleicht ist es ja doch ganz spannend mal zu schauen, was für besondere religiöse Menschen es in der Vergangenheit gab. Und wer weiß: Vielleicht begegne ich ja heute einem Menschen, der in vielen Jahren auch heiliggesprochen wird.

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SWR3 Gedanken

31OKT2025
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Gerade fühl ich mich manchmal echt wie in einem Hollywoodfilm. Wenn ich in den letzten Wochen auf dem Friedhof Menschen beerdigt habe, dann kam da alles zusammen: Trübes Wetter, Trauernde mit schwarzen Jacken und Regenschirmen und ich als Pfarrerin, wie ich die schweren Worte sage: Erde zu Erde. Asche zu Asche. Staub zum Staube.

Dabei kann man diese Abschiedsworte am Grab auf kirchlichen Beerdigungen das ganze Jahr überhören. Egal ob im Winter, im Frühling, im Sommer oder im Herbst.Nur jetzt, wenn das Drumherum auch noch trüb und grau ist, dann wirken die Worte besonders schwer. Als hätte jemand alles perfekt für eine Trauerszene in einem Film inszenieren wollen. 

Bei einem Film ist so eine Szene schnell wieder vorbei. Mir kommt es manchmal ewig vor, wenn ich da auf dem Friedhof stehe. Weil es in diesem Moment so schwer ist, an unsere Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod und die Auferstehung zu glauben, selbst wenn ich darüber auf jeder Beerdigung spreche.

Umso tröstlicher sind für mich aber die Worte aus dem Buch des Propheten Jesaja. Ich spreche Sie in Gedenken an den Verstorbenen und für die Trauerenden.

Sie fühlen sich aber so an, als würde Gott sie auch zu mir sagen: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du gehörst zu mir.*

Gott sieht mich. Schaut mich ganz genau an und in mich hinein. Mit allem, was ich bin. Gott sieht mein Gestern, mein Heute und, wer weiß, vielleicht auch mein Morgen.

Nie, niemals wird Gott aufhören, mich bei meinem Namen zu nennen und nach mir zu rufen: mitten in das Dunkel und meinen Zweifel hinein. Ganz egal zu welcher Zeit.

*Jes 43,1

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SWR3 Gedanken

30OKT2025
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Sprache kann eine verwirrende und manchmal auch sehr lustige Sache sein. Ein Beispiel: Vertretungsunterricht in der ersten Klasse. Wir sprechen über Gefühle: Als wir beim „verlegen-sein“ ankommen, stellt sich raus, dass die Kinder darunter etwas anderes verstehen als ich.

„Wenn man verlegen ist“, meinte ein Kind, „dann hat man keine Lust zum Aufstehen“. Zugegeben: Ich muss mich in dem Moment sehr zusammenreißen, um nicht laut loszulachen. Gleichzeitig bin ich froh, dass ich bei den Kindern nachgefragt habe, was das Wort für sie bedeutet. Sonst hätten wir völlig aneinander vorbeigeredet.

Situationen wie diese passieren mir öfter, auch wenn sie nicht immer so lustig sind. Dann verwende ich beim Sprechen Worte, die andere Menschen verwirren oder die sie gar nicht kennen. Fast immer sind sie entweder sehr viel jünger oder älter als ich. In diesem Moment ist es so, als würden wir verschiedene Sprachen sprechen.

Der Apostel Paulus kennt dieses Problem. Er meint dazu sinngemäß im Neuen Testament: „Wenn andere dich nicht verstehen, haben sie nichts falsch gemacht. Versetz du dich stattdessen in sie hinein. Stell dir ihre Sicht auf die Dinge vor. Denk wie eine von ihnen. Dann kommt deine Botschaft an.“*

Bei den Kindern aus der 1. Klasse fällt mir das gar nicht so leicht, aber zeigen, dass ich mir Mühe gebe, so zu sprechen, dass mein Gegenüber mich versteht, kann ich schon.

Und zeige damit: Ich merke, dass du anders bist als ich. Und das ist in Ordnung. Ich möchte deine Welt kennenlernen. Nimmst du mich dafür ein wenig an die Hand? Wenn wir das immer wieder versuchen, kann die Lücke zwischen uns ein Stückchen kleiner werden. Und aus Verlegenheit Verstehen.

*1Kor 9,20-22

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SWR3 Gedanken

29OKT2025
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In meinem Smartphone ist immer Sommer. Live. Ich hab ich meine Wetter-App so eingestellt, dass mir immer die aktuelle Temperatur und das Wetter meines Lieblingurlaubsortes angezeigt werden.Dann noch ein Urlaubsbild als Hintergrund und das Gefühl von Sommer ist perfekt. Und wenn ich aufs Handy schaue, macht mich das nicht traurig oder wütend, weil ich gerade nicht dort sein kann.

Nein, ich werde sehnsüchtig. Oft schließe ich dann innerlich für zehn Sekunden die Augen. Dann stehe ich barfuß im Sand, höre neben mir die Wellen des Mittelmeers rauschen und fühle die Hitze und das Licht auf meinem Gesicht. Manchmal braucht es nur das und es wird heller in mir, wärmer.

Gerade jetzt, wo das Licht immer weniger wird und die Tage immer dunkler, gibt mir so eine Mini-Fantasiereise Hoffnung. Schon immer haben Menschen gute Gedanken und Lichtblicke für lange Durststrecken im Leben gebraucht.

Im Psalm 36 steckt so ein Gedanke drin: Bei dir ist die Quelle des Lebens, und in deinem Lichte sehen wir das Licht. In herausfordernden Zeiten in meinem Leben, bringt dieser Vers etwas in mir zum Leuchten. Er wärmt mich und gibt mir neue Energie.

Nicht immer können wir die Umstände, in denen wir gerade leben, ändern. Aber wir können der Dunkelheit draußen und in uns etwas entgegenstellen. Ich glaube fest daran: Wo es Licht und hell wird, da ist auch Hoffnung. Da kann ich mich wieder aufladen lassen. Denn ich kenne den Ort, an dem die Sonne immer für mich scheint. Und freue mich umso mehr auf den nächsten Urlaub.

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SWR3 Gedanken

28OKT2025
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Eines meiner liebsten Kinderbücher beginnt so: Im Wald findet der Bär drei Pilze. Er erntet sie und bringt sie nach Hause. Dort stellt sich sein Freund das Wiesel sofort in die Küche, putzt die Pilze und bereitet sie in der großen schweren Pfanne zu. Mit Salz, Pfeffer und Petersilie.
Dann setzen sich der Bär und das Wiesel an den Tisch und der Bär verteilt:

„Ein Pilz für mich. Ein Pilz für dich. Und ein Pilz für mich. So ist es gerecht. Denn ich bin groß und muss darum viel essen.“ „Nein“, antwortet ihm das Wiesel. „Ein Pilz für mich und ein Pilz für dich und ein Pilz für mich. Das ist gerecht! Ich bin klein und muss noch wachsen.“ Dann entbrennt ein heftiger Streit, in dem Bär und Wiesel jeweils viele Gründe finden, warum sie den Pilz besonders verdient haben.

In unserer Welt halten es viele für gerecht, dass Leistung belohnt wird. Wer mehr arbeitet, verdient es auch mehr zu bekommen. Auch wenn dieses Konzept in der Theorie fair ist: In der Praxis geht es oft nicht auf.

Da bleibt Menschen trotz harter Arbeit manchmal kaum genug zum Leben, während andere viel mehr haben als sie brauchen.

Und was ist mit denen, die gar nichts verdienen oder verdienen können? Sollen sie auch gar nichts bekommen? „Was wäre“, fragt Jesus in einer Geschichte, „wenn Gottes Perspektive auf die Gerechtigkeit eine andere ist“? „Was wäre, wenn für Gott Gerechtigkeit bedeutet: Alle bekommen, was sie brauchen?“*

Wenn man weiterspinnt, was er für unsere Gesellschaft bedeuten würde, provoziert dieser Gedanke Er stellt vieles auf den Kopf. Aber wer weiß, vielleicht ist das ein Anfang, wenn wir anders nicht weiterkommen. Denn das Leistungsprinzip ist ja offensichtlich auch nicht die Lösung – Vielleicht ist es Zeit für eine neue Gerechtigkeit?

*Mt 20,1-16

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SWR3 Gedanken

27OKT2025
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Wenn ich nach Hause komme, dann sehe ich gleich im Eingangsbereich eine lange Reihe Fahrräder. Hinten in der Ecke liegt ein Stück Holz herum und auch schon mal das eine oder andere vergessene Möbelstück.

Vor kurzem sind mir spätabends im Flur wildfremde Leute mit einem abmontierten Straßenschild entgegengekommen - anscheinend auf dem Weg zu einer Party. Ich wohne in einem Mehrparteienhaus und da gibt es immer mal wieder kleine Überraschungen.

Manchmal ist das nervig, aber ich erlebe auch viele schöne Sachen. Wenn ich ein Bild an die Wand hängen will und mir dafür ganz spontan eine Leiter ausleihen kann zum Beispiel. Oder so wie neulich, als ich bei uns im ersten Stock aus dem Fenster geschaut habe und auf einmal Seifenblasen von oben her vorbeiflogen.

Mensch, dachte ich, wie schön! Der Himmel sieht in meiner Vorstellung auch ein bisschen so aus wie unser chaotisches Haus. So, wie Jesus es sagt: Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen.*

Das klingt, als wäre bei Gott immer eine Wohnung frei, sodass alle, die Sicherheit und ein Zuhause suchen, dort miteinziehen können.

Ob in Gottes Haus dann auch manchmal die Tür offensteht und man hören kann, wie sie oben drüber Party machen? Ich hoffe es so sehr! Dann könnte ich immer vorbeigehen und mitfeiern – auf jeden Fall würde es ganz sicher niemanden stören.

Am besten gefällt mir jedoch der Gedanke, im Himmel eben nicht mit Gott ganz allein zu sein, sondern für immer in einer großen Gemeinschaft zu leben. Ein „Auf gute Nachbarschaft“ für die Ewigkeit. Voller Überraschungen und Seifenblasen.

*Joh 14,2

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