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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

21OKT2025
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Petra hat es geschafft. Mit 76 Jahren. Obwohl alle ihr abgeraten haben. „Mach‘s nicht! Du wirst dich nicht zurechtfinden.“ „Deine ganzen Kontakte - die kannst Du doch nicht aufgeben“ „Und überhaupt, in deinem Alter!“

Doch Petra hat es getan. Sie ist umgezogen. Fort aus ihrem Dorf, fort aus der Region, in der sie ihr Leben lang gelebt hat, fort aus ihrer Heimat. Nach Berlin, in eine seniorengerechte Wohnung, mitten in der Stadt.

Petra hat schon immer von Berlin geträumt. Andere fanden die Stadt zu laut, zu kalt, zu unübersichtlich. Petra nicht. Sie hat es immer genossen, dort zu sein. Als ihr Mann noch gelebt hat, sind sie gemeinsam hingefahren. In den letzten Jahren war sie auch alleine immer wieder mal dort.

Besonders Neukölln hat sie fasziniert: die vielen Menschen aus unterschiedlichen Kulturen, die Märkte, auf denen es nach Gewürzen, Hummus und frischen Speisen riecht, die vielen Sprachen - türkisch, arabisch, berlinerisch. - Da ist auf einmal die ganze weite Welt versammelt, die Petra nie bereisen konnte.

Jetzt wohnt sie hier. Ihr Appartement ist klein. Viel kleiner als das Reihenhaus in der alten Heimat. Aber Petra fühlt sich wohl. Es gibt einen Fahrstuhl und mit Bus und U-Bahn ist alles schnell erreichbar. Auch die Leute sind nett.

Petra hat eine Kirchengemeinde gefunden, in die sie geht. Die machen hier ganz andere Sachen als zu Hause, hat sie festgestellt. Zweimal die Woche gibt es zum Beispiel Mittagessen für alle, die mögen. Da geht auch Petra hin, und jedes Mal ist sie erstaunt, dass so viele ganz verschiedene Menschen gut miteinander auskommen.

Petra hat sich vorgenommen, dass sie mal fragt, ob sie auch mithelfen kann im Team. Das würde ihr Spaß machen. Und fit genug fühlt sie sich auch noch.

„Mach Dich auf, geh in ein Land, das ich Dir zeigen werde und du sollst ein Segen sein“. Das sagt Gott in der Bibel zu Abraham. Vielleicht hat er es auch zu Petra gesagt…

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

20OKT2025
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Vor kurzem war ich beim Klassentreffen. Mein Jahrgang hat sich getroffen: 30 Jahre Schulabschluss!

Die Einladungsmail lag sehr lange unbeantwortet in meinem Posteingang. Gehe ich da hin, oder lieber doch nicht? Ich bin direkt nach dem Schulabschluss weggezogen aus meiner Heimatstadt. Meine Eltern leben nicht mehr dort. Kontakt zu ehemaligen Mitschülerinnen und Mitschülern habe ich kaum noch und wenn, dann nur ganz locker über die sozialen Medien.

„Komm, mach’s einfach!“, sage ich mir am Ende und fahre hin. Mit einem etwas mulmigen Gefühl stehe ich dann vor dem Lokal, in dem die Feier stattfindet. Was wird mich jetzt erwarten und vor allem auch, wer?

Schon auf der Hinfahrt habe ich versucht, mich an alle zu erinnern, was natürlich nicht geklappt hat. In Gedanken bleibe ich bei denen hängen, mit denen ich zu Schulzeiten viel zu tun hatte und bei denen, die ich nicht gemocht habe. Wie werden sie jetzt aussehen - 30 Jahre später? Erkenne ich sie noch? Und umgekehrt? Und was haben wir uns eigentlich zu sagen nach dreißig Jahren? Außer dem Unvermeidlichen: „Wo wohnst du jetzt?“ „Was machst du?“ „Hast du Familie?“, usw.

„Ach egal, du bist schließlich schon groß!“, denke ich und gehe rein. Es wird ein wunderbarer Abend. Ein bisschen unwirklich vielleicht, aber wider Erwarten echt schön.

Als ich dann sehr spät aus dem Lokal komme, bin ich erfüllt von den Eindrücken und Gesprächen: Der Freund aus Grundschulzeiten, der irgendwann mit 16 Jahren in eine ganz andere Richtung wollte als ich. Er hat jetzt einen kleinen Sohn und scheint sehr glücklich zu sein. Die Mitschülerin, die ich immer so anstrengend fand – sie ist wirklich nett. Und einer, dessen Namen mir erst gar nicht eingefallen ist, sagt zu mir: „Du hast dich ja total positiv verändert“.

Ich bin eingetaucht in meine eigene Vergangenheit. Und ich habe gemerkt: sie gehört zu mir. Sie ist immer noch da. Meine Vergangenheit macht mich aus. „Tausend Jahre sind vor dir wie ein Tag, Gott.“ heißt es in der Bibel. Und an diesem Abend hat es sich für mich genau so angefühlt.

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SWR1 Anstöße sonn- und feiertags

19OKT2025
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Jetzt im Herbst lässt sich gut wandern bei uns in der Pfalz. In den Weinbergen begegnen einem dabei immer wieder Wegkreuze und kleine Kapellen mitten in den Reben. Orte zum Ausruhen und Innehalten.

Da hängen Andachtsbildchen und Kerzen brennen. Kleine Zeichen von Menschen, die hier ihr Dankgebet gesprochen oder ihre Bitte an Gott geflüstert haben. Manchmal spüre ich fast körperlich, was hier schon alles gesagt, erhofft, erlitten und gelobt wurde.

Mich berührt das. Auch wenn die Bilder nicht meinem Geschmack entsprechen, die Kreuze mir nicht gefallen und die Frömmigkeit mir fremd ist. Trotzdem ich fühle mich mit hineingenommen in die Gotteserfahrung, die andere hier gemacht haben:

Bewahrung unterwegs, Begegnung mit Gott, ein stilles Gelübde – und ich darf teilhaben, auch wenn ich gar nicht weiß, wer vor mir hier gestanden hat. Das Wegkreuz, die kleine Kapelle erzählt davon.

Solche „Kapellen-Momente“ habe ich manchmal auch mit Menschen.

Manchmal passiert es, dass andere mich teilhaben lassen an ihren Erfahrungen mit Gott:
Der junge Mann, der mir erzählt, wie verzweifelt er gebetet hat, als sein Kind krank war.
Die Frau, die mir erklärt, warum sie ein Kopftuch trägt und wie ihr der Glaube im Alltag Kraft gibt.
Die Bekannte, mit der ich zum Grab ihrer Eltern gehe und die dort einen Stein auf den Grabstein legt, weil sie das tröstet.

Sie alle erzählen davon, was ihnen geholfen, was sie berührt, was sie getragen hat. Und ich merke: Das macht auch mich reicher.

Nicht alles kann ich nachvollziehen, nicht alles würde ich auch so machen. Aber der Glaube dieser Menschen berührt mich und macht mir bewusst, was mir wichtig ist und wo meine eigenen Kapellen stehen.

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

19JUL2025
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Ich sitze im ICE und schaue aus dem Fenster. Das geht besonders gut, weil der Zug sich grade sehr langsam durch die grüne Landschaft bewegt. Dann kommt die Durchsage: „Aufgrund einer Störung hat unser Zug momentan eine Verspätung von ca. 20 Minuten. Die Anschlusszüge bei unserem nächsten Halt werden voraussichtlich nicht erreicht.“

Ich unterdrücke meinen Ärger, hole mein Handy raus und versuche herauszufinden, wann am nächsten Bahnhof die Züge in meine Richtung weiterfahren. Wenn es wirklich nur bei 20 Minuten Verspätung bleibt, kann ich beim nächsten Halt eine Viertelstunde später in die Regionalbahn steigen. Das kostet zwar wieder Zeit, aber ich komme noch irgendwann heute an und habe auch sonst keine Termine mehr.

Für andere Mitreisende in meinem Wagen hat die Durchsage des Zugführers wohl größere Konsequenzen auf ihre Reiseplanung. Wenn ich mich umschaue, sehe ich in viele ärgerliche Gesichter. Menschen, denen ihre gut verplante Zeit verloren geht.

Ich kann ihren Frust und ihren Ärger gut verstehen. Zeit ist kostbar, und wenn sie fehlt, kann das schmerzhaft sein.

Während der Zug weiter durch die Landschaft trödelt, versuche ich mich in einem Gedankenexperiment: Wie wäre es, wenn ich die Zeit, die durch die Verspätung nun fehlt, nicht als verlorene, sondern als geschenkte Zeit betrachten würde? Zeit im Zug, die ich eigentlich nicht eingeplant hatte, die mir aber jetzt zur Verfügung steht.

Geschenkte Zeit, um weiter aus dem Fenster zu sehen und die Gedanken schweifen zu lassen. Zeit, um ein Buch zu lesen, oder auf dem Handy zu daddeln. Geschenkte Zeit, meine Zeit.

„Alles hat seine Zeit“, heißt es in der Bibel. Das gilt vielleicht auch für verspätete Züge. Aber ich kann entscheiden, wie ich mit meiner Zeit umgehe, womit ich sie fülle.

Heute, am 19. Juli, ist der „Tag der Zugverspätung“, erfunden von Leuten, die möchten, dass unsre Züge pünktlicher sind. Dafür bin ich auch und dafür, dass ich es häufiger schaffe, zu erkennen, wie kostbar Zeit ist.

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

18JUL2025
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„Es scheint immer unmöglich, bis es getan ist.“ Nelson Mandela hat das gesagt. Und er hat in seinem Leben tatsächlich Unmögliches erreicht.

Heute ist Nelson Mandelas Geburtstag. Er wäre 107 Jahre alt geworden. Die Vereinten Nationen haben den 18. Juli deshalb schon vor 15 Jahren zum internationalen „Nelson-Mandela-Tag“ erklärt: Mandela, der Freiheitskämpfer aus Südafrika, soll Menschen Mut machen, damit sie sich – wie er – für andere einsetzen und die Welt zum Guten verändern.

Bei mir lösen solche Tage, die an besondere Vorbilder erinnern, immer gemischte Gefühle aus. Wenn mir jemand sagt, dass auch ich die Welt ein Stück besser machen könnte, regt sich sofort mein schlechtes Gewissen. Ich weiß ja: Ich könnte viel mehr tun. Aber ich bin oft zu träge, zu faul und zu bequem.

Außerdem sind viele Probleme riesig groß und kompliziert, meine Kräfte aber ziemlich klein und begrenzt. Da frage ich mich schon: Wer bin ich denn, dass ich die Welt retten soll? Dafür braucht es schon einen Nelson Mandela. Für ein kleines Licht wie mich, ist das doch unmöglich.

„Es scheint immer unmöglich, bis es getan ist.“ Nelson Mandela hat lange gegen die systematische Unterdrückung der Schwarzen in Südafrika gekämpft. Er hat dabei die Erfahrung gemacht, dass ein schlechtes Gewissen nicht hilft. Und dass es auch nichts bringt, die Lösung der Probleme für unmöglich zu halten. Das lähmt und führt nicht weiter. Es kommt darauf an, dass eine oder einer anfängt, etwas zu tun.

Mandela würde mir wahrscheinlich sagen: „Red‘ dich nicht raus! Mach dich nicht kleiner, als du bist! Probier’s doch einfach mal! Einen Schritt nach dem anderen. Du wirst schon sehen: Auch Unmögliches ist möglich, wenn du anfängst! Auch du kannst einen Unterschied machen!“

Mandela hatte diesen Mut - auch aus seinem Glauben heraus. Und diesen Mut wünsche ich mir auch. Dass ich Gott wirklich glauben kann, wenn er mir verspricht: „Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig“.

So wünsche ich mir und Ihnen einen mutigen Mandela-Tag!

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

17JUL2025
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Meine Töchter benutzen in jeder Whatsapp-Nachricht diese Zeichen: Zwinkersmiley, Lachsmiley, Daumen-hoch - Mit diesen Emojis lassen sich ganze Sätze schreiben. Und weil es mittlerweile für alles auf der Welt einen Feiertag gibt, feiern heute manche den „World Emoji Day“, den Welt Emoji Tag.

Ich musste mich an Emojis erst gewöhnen. Buchstaben und Worte waren für mich immer ausreichend. Aber ich habe gelernt: Emojis zeigen, wie etwas gemeint ist: „Das hat mich geärgert“ – schnaubendes Smiley; „Das hat mich berührt“ – errötendes Smiley; „Das habe ich ironisch gemeint“ – Smiley mit Heiligenschein.

Emojis können Gefühle und Stimmungen ausdrücken. Zumindest wenn man damit umgehen kann! Denn es gibt schon sehr, sehr viele. – So viele, dass es mich manchmal einfach überfordert. Oft brauche ich mehr Zeit für das Aussuchen der passenden Symbole, als zum Schreiben der Nachricht.

Und dann liege ich mit meiner Auswahl auch noch häufig daneben und nutze einen Smiley, der eigentlich eine ganz andere Bedeutung hat, als ich dachte. „Oh, Papa!“ bekomme ich dann zu hören.

Doch ich gebe nicht auf. Ich möchte diese Emoji-Sprache können. Denn Emojis sind ein Weg, Gefühle mitzuteilen. Simpel, eindimensional, vielleicht auch missverständlich. Ich könnte das, was ich fühle, ja auch einfach mit Worten schreiben. Aber ich tue es oft nicht. Es fällt mir häufig schwer, meine Gefühle in Worte zu fassen. Da sind die unkomplizierten kleinen gelben Smiley-Gesichter eine echte Hilfe.

„Ich habe mich über deine Nachricht gefreut“, „Ich mag deinen Humor“, „Deine Worte haben mich berührt“ – all das sage oder schreibe ich anderen Menschen nur selten. Das entsprechende Emoji aber ist schnell verschickt.

„Wovon das Herz voll ist, davon redet auch der Mund“, sagt Jesus einmal. Mir hilft es, wenn es auch manchmal einfach ein Emoji ist, das redet. Und ich finde es gut, dass ich so wieder mehr Gefühle zeige. Heute, am Welt Emoji Tag, werde ich ganz sicher einige davon verschicken!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=42532
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