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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW
„Mama, ich mach mir Sorgen“, sagt mein Sohn morgens am Frühstückstisch plötzlich. „Erzähl mal, sage ich, was ist los?“ „Wie ist es, wenn ich groß bin, kann man dann noch auf der Erde leben?“
Meinen Sohn beschäftigt, was er täglich erlebt, was er über Nachrichten und Freunde mitbekommt. Die extrem heißen Tage. Der Starkregen. Die Bilder von überfluteten Dörfern und die brennenden Wälder im Süden Europas.
Der Klimawandel ist längst da. 2024 hat die Erderwärmung zum ersten Mal einen kritischen Punkt erreicht. Es war weltweit das wärmste Jahr seit das Wetter aufgezeichnet wird. Und je wärmer es wird, desto mehr Energie steckt in der Atmosphäre – das heißt: mehr Hitze, mehr Wasser in der Luft, mehr Unwetter. Und das wird auch hier bei uns immer mehr spürbar.
Vor zehn Jahren hat Papst Franziskus in seinem Schreiben „Laudato si’“ gefragt: „Die Erde schreit auf - Hören wir hin? Oder machen wir einfach so weiter wie bisher?“
Auch Papst Leo hat bereits mehrfach aufgerufen, zu „Akteuren des Wandels“ zu werden, denn der Klimawandel ist nicht nur ein ökologisches Problem, sondern auch ein soziales. Die Ärmsten leiden am meisten – obwohl sie am wenigsten dazu beigetragen haben.
Und genau das hat jetzt auch der Internationale Gerichtshof in Den Haag bestätigt: Er bezeichnet das Recht auf eine saubere, gesunde und nachhaltige Umwelt als Menschenrecht. Deshalb verpflichtet der IGH die Staatengemeinschaft zu handeln und endlich Verantwortung zu übernehmen, um die Klimaerwärmung zu begrenzen.
Für eine „ökologischen Umkehr“, wie Papst Franziskus sie gefordert hat, dafür ist aber nicht nur die Politik verantwortlich. Sondern die beginnt bei uns. Wie wir leben, was wir kaufen, wie wir mit Ressourcen umgehen. Und dass wir erkennen: Wir sind alle gemeinsam verantwortlich dafür, unseren Kindern eine lebenswerte Erde zu überlassen.
Meinem Sohn habe ich an diesem Morgen versucht, Mut zu machen. Denn es gibt so viele Menschen, die sich dafür einsetzen, dass auch er und seine Kinder in Zukunft auf der Welt gut leben können. Und ich habe mit ihm darüber gesprochen, was er selbst dafür tun kann und worauf wir im Kleinen noch mehr achten können. Weniger Müll zu machen, öfter mit dem Fahrrad statt mit dem Auto irgendwohin fahren. Bei der Klimademo mitlaufen, auch wenn es bequemer wäre, daheim zu bleiben. Denn wenn wir etwas tun, dann fühlen wir uns nicht mehr machtlos. Und jede Entscheidung, jeder kleine Schritt ist Teil der Lösung– und ein Zeichen der Hoffnung.
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„Nie wieder still!“ Das war das Motto des CSD in Stuttgart in diesem Sommer. Der Christopher-Street-Day setzt jedes Jahr ein Zeichen für die Rechte von queeren Menschen, also Menschen, die zum Beispiel lesbisch, schwul, transgeschlechtlich oder nonbinär sind. Das ist leider bitter nötig, denn Hass und Gewalt gegen queere Menschen haben in den letzten Jahren stark zugenommen.
Deshalb war ich auch in diesem Jahr mit den katholischen Jugendverbänden beim CSD dabei und wir haben mit der evangelischen Jugend gemeinsam einen Gottesdienst vor der Demonstration gefeiert.
Denn wir wollen zeigen: wir alle sind geschaffen und geliebt von Gott, wie wir sind! Dieser Gottesdienst hat mich sehr bewegt, denn in der vollbesetzten Kirche haben Menschen ihre Geschichte erzählt – passend zum Motto „nie wieder still“:
Zum Beispiel die zwei jungen Frauen, die es manchmal fast zerreißt, gläubig und queer zu sein. Sie setzen sich in der Kirche dafür ein, dass gleichgeschlechtliche Liebe endlich voll anerkannt wird. Und sie müssen sich in ihrem Freundeskreis dafür rechtfertigen, dass sie in der Kirche Mitglied bleiben, obwohl sie dort doch offensichtlich nicht akzeptiert werden.
Ein älterer Mann erinnert sich, wie schwer es damals war, als er sich als schwul geoutet hat- in einer Zeit, in der noch kaum darüber gesprochen wurde. Er berichtet von Anfeindungen und auch davon, wie unendlich wertvoll es für ihn war, dass sein Umfeld ihn unterstützt hat. Sein Fazit angesichts der zunehmenden Queerfeindlichkeit ist: wenn wir jetzt nicht laut bleiben, dann geht es zurück in die Sprachlosigkeit.
Mich haben diese Zeugnisse sehr beeindruckt. Diese Menschen, die ihren Glauben und ihre Identität, ihre Liebe nicht verlieren wollen, die zu sich stehen und zu ihrer Überzeugung, dass Gott uns Menschen liebt, mit allem, was uns ausmacht, in all unserer Vielfalt, mit unserer Liebe und unseren Zweifeln.
Für viele war dieser Gottesdienst deshalb ein Ort der Ermutigung. Ein Zeichen: Du bist nicht allein. Du darfst stolz darauf sein, wie du bist und was du schon geschafft hast.
„Nie wieder still“ – das ist nicht nur ein Motto. Es ist ein Versprechen. An alle, die sich zu lange verstecken mussten. An alle, die Angst haben, anderen davon zu erzählen, wer sie wirklich sind oder wen sie lieben. An alle, denen niemand zur Seite stand, als sie beleidigt und beschimpft wurden.
„Nie wieder still“ ist ein Auftrag an uns alle: Sich einzusetzen, wenn Menschen ausgeschlossen und beleidigt werden. Unsere Stimme zu erheben, wenn Unrecht geschieht. Weil wir alle vor Gott gleich sind – geschaffen, geliebt und gesegnet in unserer ganzen Vielfalt.
Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW
Seit einer Woche sind hier endlich Sommerferien! Für viele Kinder heißt das: ausschlafen, spielen, was erleben! Für viele Eltern dagegen: organisieren, planen, jonglieren. Sechs Wochen Ferien – das klingt toll! Aber wer hat schon sechs Wochen Urlaub im Sommer?
Gerade wird in Politik und Gesellschaft viel diskutiert: Wie lassen sich Beruf und Familie in dieser Zeit vereinbaren? Die einen fordern, dass die Ferien gekürzt werden sollten. Die anderen, dass die Arbeit flexibler werden muss. Und ja, andere meinen: früher ging es doch auch! Und übersehen dabei, dass inzwischen meist beide Elternteile arbeiten und Oma und Opa oft nicht ums Eck sind und unterstützen können.
Glück hat, wer einen der begehrten Plätze in den Ferienprogrammen ergattert- bei der Stadtranderholung zum Beispiel oder in einem Zeltlager.
Damit die stattfinden können, packen jedes Jahr allein bei den Angeboten der katholischen und evangelischen Kirchen in Baden Württemberg zehntausend Jugendliche und junge Erwachsene mit an. Junge Leute, oft selbst gerade mal 17 oder 18, investieren ihre Energie, ihre Zeit – ja, ihren Urlaub – damit andere Kinder und Jugendliche unvergessliche Ferien erleben können.
Sie planen, organisieren, spielen, singen, trösten. Sie stehen morgens als Erste auf und gehen abends als Letzte ins Bett. Ich erinnere mich noch gut an die vielen Freizeiten, die ich vor über zwanzig Jahren als Ehrenamtliche mitorganisiert habe. An Geländespiele, Nachwanderungen und Lagerfeuergesang. Unvergessliche Momente, die mir bis heute im Gedächtnis geblieben sind.
Diese Freizeiten sind nicht einfach nur Betreuung. Sie sind für viele Kinder ein Highlight im Jahr. Und auch für die Ehrenamtlichen ist es eine besondere Zeit. Die Gemeinschaft untereinander, die Freude der Kinder, selbst Verantwortung zu übernehmen und daran zu wachsen. Das sind wichtige Erfahrungen für junge Menschen. Da spüren sie: es macht einen Unterschied, wenn ich mich einbringe.
Unsere Gesellschaft funktioniert nur, weil sich so viele ehrenamtlich engagieren – ohne sie ginge in vielen Bereichen nichts. Daher: vielen Dank an alle, die sich für andere einsetzen – und jetzt im Sommer ganz besonders an die jungen Menschen, die Freizeiten und Ferienangebote möglich machen!
Dafür braucht es auch Menschen, die dieses Engagement mittragen. Arbeitgeber, die dafür freistellen. Eltern, die unterstützen. Gemeinden, die ehrenamtlichen Einsatz durch besondere Vergünstigungen attraktiver machen.
Die Frage ist daher nicht, ob die Ferien gekürzt werden sollten. Sondern vielmehr: Wie kann es gelingen, dass sich noch mehr Menschen ehrenamtlich für andere einsetzen? Denn dann können es für alle gute Ferien werden!
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Mein Schwiegervater ist fast 80 Jahre alt und vor ein paar Tagen hat er das erste Mal in seinem Leben versucht, mit Stäbchen zu essen. Seine Enkelkinder haben ihm gezeigt, wie es geht und er hat es einfach ausprobiert. Das fand ich richtig toll!
Für Kinder ist es ja völlig normal, jeden Tag was Neues zu lernen. Ob in der Schule oder zuhause, von Freundinnen oder auch über die Medien. Unsere Kinder lieben zum Beispiel die Sendungen von Checker Tobi. Die Podcasts hören wir am liebsten gemeinsam auf langen Autofahrten. Da geht es um spannende Fragen wie: Was ist die größte Zahl der Welt? Was mache ich, wenn ich Angst habe? Und was bedeutet das Grundgesetz für uns?
Keine Frage ist zu klein oder zu groß, um sie zu erforschen und darüber zu staunen, was wir neu gelernt haben. Und nach so mancher Folge haben wir schon festgestellt, dass wir uns etwas bisher ganz anders vorgestellt haben, dass wir manchmal sogar unser Verhalten korrigieren müssen.
Was für Kinder ganz normal und alltäglich ist, fällt uns Erwachsenen oft schwer. Unser Weltbild setzt sich aus all dem zusammen, was wir im Laufe unseres Lebens erfahren und erleben.
Das Trügerische daran ist: was sich für mich vielleicht wahr anfühlt, widerspricht möglicherweise dem, was für jemand anderen richtig ist. Meine Erfahrungen sind nur bedingt aussagekräftig, denn sie spiegeln eben nur meinen Blick auf die Welt wider.
Wichtig ist es deshalb: Mitzubekommen, was andere denken und was die Wissenschaft Neues herausfindet - das kann meinen Horizont erweitern.
Ich habe beispielsweise in den letzten Jahren viel darüber gelernt, wie es Menschen geht, die aufgrund ihrer Hautfarbe, ihrer Herkunft oder ihrer Identität permanent als „die Anderen“ ausgegrenzt werden, die einfach ganz normal dazugehören wollen. So wie wir alle. Ich habe in der Vergangenheit sicher vieles gesagt und gefragt, was andere verletzt hat- weil ich es nicht besser wusste. Und ich bin froh, dass ich dazulernen durfte und es heute anders machen kann. Ich bin begeistert davon, was Expertinnen und Experten täglich neu entdecken; sei es beim Thema Klimawandel oder in der Medizin. Und wie gut, dass sie nicht müde werden, sich immer wieder zu korrigieren, weil jede neue Erkenntnis unser Weltbild möglicherweise verändern kann.
Ich glaube, uns Erwachsenen tut es gut, uns von der Begeisterung und Offenheit von Kindern anstecken zu lassen und auch im hohen Alter noch Neues auszuprobieren, dazuzulernen und neugierig auf diese wunderbare Welt und unsere Mitmenschen zu bleiben.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=42238SWR1 Anstöße sonn- und feiertags
Wenn ich nachdenken muss, gehe ich gerne auf den Friedhof. Klingt vielleicht komisch, aber ich liebe die Ruhe dort. Ich finde, es ist eine freundliche Ruhe. Ich mag, dass ich die Vögel zwitschern höre auf dem Friedhof. Der Wind raschelt durch die Blätter der Bäume, die Sonne scheint auf die Gänseblümchen im Gras. Ich sitze dann auf einer Bank und fühle mich irgendwie verbunden mit den Menschen, die vor uns gelebt haben. Welche Geschichten verbergen sich wohl hinter den Namen auf den Grabsteinen? Was hat diese Menschen ausgemacht? Was haben sie erfahren, wen geliebt, worauf gehofft? Da sind Menschen, die sehr alt geworden sind und einige, die viel zu jung gehen mussten. Auch wenn so manche sicher alleine gestorben sind- hier auf dem Friedhof sind sie vereint. Hier hat alles Platz: die guten und schlechten Erinnerungen. Traurig sein und hoffen, dass wir eines Tages wieder zusammen sein werden.
Heute ist Christi Himmelfahrt. Die Bibel erzählt, dass Jesus nach seiner Auferstehung noch einigen Jüngerinnen und Jüngern begegnet ist und sich dann endgültig verabschiedet und in den Himmel aufsteigt. Wie auch immer man sich das vorstellen mag – jedenfalls ist er nun nicht mehr greifbar, nicht mehr da.
Was bleibt, sind seine Worte und seine Hoffnung, die er seinen Freundinnen und Freunden mitgegeben hat. Er hat sie ermutigt, dass sie auch ohne ihn weitermachen können. Was ihm wichtig war, hat er ihnen weitergegeben und sie bewahren es in ihren Herzen und erzählen es anderen.
Auf dem Friedhof kann ich etwas davon spüren. Hinter jedem Namen auf einem Grabstein steckt ein ganzes Leben, mit all den Geschichten und Erfahrungen, die dieser Mensch gemacht hat. Die Verstorbenen sind zwar nicht mehr hier, nicht mehr greifbar- aber etwas von ihnen lebt weiter. In den Geschichten, die wir erzählen. Indem wir fortsetzen, was sie begonnen haben.
Ich denke an die Menschen, die uns Wege gebahnt haben, auf denen wir heute gehen. Heute besonders auch an meinen Vater. Er ist in einfachen Verhältnissen groß geworden und ihm war es immer wichtig, dass wir Kinder es einmal besser haben als er. Dafür hat er viel getan. Ich denke an Menschen, die gesellschaftlich Dinge bewegt und verändert haben, die bis heute wichtig sind: An die Frauen, die im Großen und Kleinen für Gleichberechtigung gekämpft haben. An die Mütter und Väter des Grundgesetzes. So viele Menschen, die sich eingesetzt haben, um die Welt ein Stück besser zu machen.
Dafür bin ich dankbar- und ich spüre gleichzeitig eine große Verantwortung. Ich will dazu beitragen, dass das Gute, für das sich diese Menschen eingesetzt haben, weitergeht. Weil wir alle verbunden sind – mit denen, die vor uns gelebt haben und denen, die nach uns kommen.
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„Lieber Bruder Papst Leo“ schreibt Sr. Martha Zechmeister aus El Salvador an den neugewählten Papst. Sie schreibt ihren Brief von Ordensfrau zu Ordensmann:
„Leo, Du wirst als Mann beschrieben, der zuhören kann. Und deshalb habe ich auch den Mut mich ohne Angst und ohne Umschweife an Dich zu wenden: Es ist höchste Zeit, dass Frauen ohne jede Einschränkung in alle Ämter und Ebenen der Kirche einbezogen werden. Nicht als Geste, nicht als Ausnahme, nicht als symbolisches Zeichen. Sondern in voller Gleichwertigkeit. Es geht nicht um Macht. Es geht um Würde. Es geht um Wahrheit. Es geht um das Evangelium.“
Mich hat dieser Brief von Sr. Martha an den Papst sehr bewegt. Sr. Martha schreibt über sich selbst, sie sei als konservative Ordensfrau erzogen worden, die sich anpasst und nicht widerspricht – und doch fühlt sie: Ich darf nicht länger schweigen, nicht länger mittragen, was ungerecht ist. Sie ruft deshalb alle Christinnen weltweit auf, sich nicht trennen zu lassen in die „bösen Feministinnen und die braven Angepassten“, sondern gemeinsam solidarisch für eine gerechtere und menschlichere Welt einzustehen.
Solidarisch zusammenstehen, auch wenn uns manches unterscheidet und uns für eine bessere Welt einsetzen. Das finde ich nicht nur unter Frauen und in der Kirche wichtig. Ich glaube, dass wir die großen Probleme und Aufgaben in der Gesellschaft und Welt nur so lösen können.
Deshalb ist es auch in der Politik notwendig, dass Frauen gleichermaßen an demokratischen Entscheidungen beteiligt sind und ihre Perspektiven einbringen. Im neu gewählten Bundestag sind allerdings nicht einmal mehr ein Drittel der Abgeordneten Frauen.
Das ist ein großes Problem. Viele Gesetze, die die Lebenssituation von Frauen verbessert haben, sind nur zustande gekommen, weil die weiblichen Abgeordneten parteiübergreifend gemeinsam für ihre Rechte eingetreten sind. Zum Beispiel Reformen des Sexualstrafrechts, die Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen, oder dass Frauen ohne die Erlaubnis des Mannes ein Konto eröffnen und arbeiten dürfen.
Deshalb ist es wichtig, dass wir uns gemeinsam solidarisch dafür einsetzen, dass Frauen in Kirche und Politik mitbestimmen können – ob vor Ort oder auf höheren Ebenen. In einer Welt, in der weder Geschlecht noch Herkunft darüber entscheiden sollten, wie wir leben und wo wir unsere Stärken einbringen können, brauchen wir die Perspektive von Männern UND Frauen!
Danke Sr. Martha für diese Erinnerung an Papst Leo und uns alle!
Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW
„Mut ist ein Muskel. Den hat man nicht, sondern den trainiert man.“ Dieser Satz stammt von Luisa Neubauer. Sie ist Klimaschutz-Aktivistin und wohl die bekannteste Vertreterin der deutschen Fridays-for-future-Bewegung. Gerade angesichts der Krisen und Probleme, die manchmal unüberwindbar scheinen, spricht sie immer wieder davon, dass Hoffen harte Arbeit ist und Mut ein Muskel, den wir trainieren können.
Luisa Neubauer beeindruckt mich zutiefst. Sie wird im Internet und auch im direkten Umgang beschimpft, bedroht, gehasst. Nichts davon hält sie davon ab, weiter für eine gute Zukunft einzustehen. Mut lässt sich trainieren. Das zeigt Luisa Neubauer täglich.
Und Mut braucht es gerade dann, wenn es ausweglos erscheint und der Gegner übermächtig. Ich denke an die Bischöfin Mariann Budde, die bei der Einsetzungsfeier von Präsident Trump deutliche Worte an ihn gerichtet hat und ihn aufforderte, barmherzig zu sein und Mitgefühl zu haben mit queeren Menschen und Immigranten, die jetzt in Angst leben. Für diese Ansprache hat sie weltweit Anerkennung bekommen, von Trump und seinen Anhängern dagegen wurde sie beleidigt und bedroht.
Für ihren unglaublichen Mut wurde vor einigen Tagen Gisèle Pelicot vom Time Magazin zur „Frau des Jahres 2025“ gekürt. In dem Prozess gegen ihren Ehemann, der sie betäubt und mit anderen Männern vergewaltigt hatte, hat sie Geschichte geschrieben. Mit ihrem Satz „Die Scham muss die Seite wechseln!“ ermutigt sie Frauen auf der ganzen Welt, gegen Unterdrückung und Gewalt aufzustehen.
Für mich sind diese und so viele andere Frauen Vorbilder. Vorbilder dafür, was passieren kann, wenn wir mutig sind. Und es sind nicht nur die großen Geschichten, sondern auch die vielen alltäglichen, in denen Frauen für sich und für andere einstehen, zusammenhalten, widersprechen, wenn etwas ungerecht ist.
Mut ist ein Muskel und wir können ihn trainieren. Und wir werden ihn brauchen, wenn wir in Zukunft für die Rechte von Frauen und Minderheiten einstehen wollen. Die gute Nachricht ist: Mut kann wachsen, wenn wir uns zusammentun und Mut kann verändern, wenn wir handeln.
Setzen wir ihn ein, unseren Mutmuskel - nicht nur heute, am Weltfrauentag, sondern wenn nötig auch an jedem anderen Tag des Jahres.
*Quelle Zitat: Instagram-Account Luisa Neubauer, Ausschnitt aus einer Lesung zu ihrem Buch „Was wäre, wenn wir mutig sind?“ 22.2.25
https://www.kirche-im-swr.de/?m=41722Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW
„Was würdet ihr denn tun, wenn ihr Chefin oder Chef von Deutschland wärt?“ Das frage ich meine Kinder. Wir sitzen auf dem Sofa und die Kinder beschäftigt die Frage, wer denn jetzt Bundeskanzler wird was nach der Wahl passiert. „Was wäre euch denn wichtig? Welche Regeln würdet ihr aufstellen?“
Mein Sohn überlegt keine Sekunde: „Süßigkeiten für alle!“ ruft er „und alle Kinder bekommen Gutscheine, mit denen sie sich was kaufen können!“
Meine Tochter lacht begeistert und überlegt dann: „Und wir brauchen viele Ärztinnen und Ärzte, die nichts kosten - und gute Schulen mit netten Lehrerinnen und Lehrern. Schulen wo man auch mit dem Rollstuhl ins Klassenzimmer kommt!“
„Ja“ sagt mein Sohn „und ich würde bestimmen, dass es keinen Krieg gibt. Und viele Spielplätze! Die Welt müsste viel gerechter sein – zum Beispiel dass Kinder nicht arbeiten müssen. Und alle Armen eine Wohnung bekommen.“
Meine Kinder durften bei der Bundestagswahl nicht wählen, leider. Sie gehören zu den insgesamt 14 Millionen Kindern und Jugendlichen, die keine Stimme hatten.
Damit hängt sicher zusammen, dass ihre Themen im Wahlkampf kaum vorgekommen sind. Über die Ausstattung von Schulen und Kindergärten, gute Freizeitangebote, Klimaschutz und die Frage nach einer lebenswerten Zukunft wurde kaum gesprochen.
Und das ist ein echtes Problem: Wenn junge Menschen sich zu wenig gehört fühlen, wenn sie nicht mitbestimmen können, dann kommt Frust auf. Dann erfahren sie nicht, dass es wichtig ist, sich einzubringen. Und dann haben es extreme Parteien umso leichter. Darauf machen auch die Kinder- und Jugendverbände immer wieder aufmerksam, wenn sie fordern, dass die Themen junger Menschen in den Fokus gerückt werden müssen.
Für Jesus war das schon vor 2000 Jahren klar: Als die Jünger sich darum streiten, wer von ihnen der Ranghöchste ist, holt Jesus ein Kind in die Mitte und sagt ihnen, dass sie umkehren sollen und werden, wie die Kinder. „Hütet euch davor, einen von diesen Kleinen zu verachten“, sagt er. (Mt 18,10)
Ich finde, diesen Ansatz können wir uns heute immer wieder zu Herzen nehmen. Kinder und Jugendliche verstehen viel mehr von der Welt, als Erwachsene oft denken. Sie stellen die richtigen Fragen, haben gute Ideen und vor allem Bedürfnisse, die genauso wichtig sind, wie die der Erwachsenen. Sie sollten viel mehr in die Mitte gestellt werden – so wie bei Jesus. Und vielleicht wählen wir ja wirklich mal eine Kinderkanzlerin oder einen Kinderkanzler. Einen Versuch wäre es doch wert!
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Seit meine Mutter in Rente ist, hat sie jede Menge Termine. „Heute Abend ist wieder WiWi-Stammtisch“ erzählt sie mir am Telefon. WiWi ist die Abkürzung für Witwen und Witwer. Sie treffen sich einmal im Monat und meine Mutter ist jetzt regelmäßig dabei. Gefunden hat sie die Gruppe über eine Zeitungsannonce -und ist dann einfach hingegangen. Ganz schön mutig, finde ich.
Ich habe mir das bisher so vorgestellt wie eine Trauergruppe. Ich dachte, die Witwen und Witwer treffen sich, um sich darüber auszutauschen, wie sie mit ihrer Trauer umgehen, wie es ihnen damit geht, jetzt allein zu sein. Meine Mutter hat gelacht, als ich ihr das erzählt habe. „Ach was, wir treffen uns einfach und unternehmen was zusammen oder haben es lustig!“ sagt sie. „Bei uns herrscht keine Trauerstimmung!“. Sie erzählt mir, dass es ihr guttut, mit Leuten zusammen zu sein, die wissen wie es ist, jemanden verloren zu haben. Da muss man dann gar nicht groß drüber reden, man versteht sich auch so. Manche dort sind noch jünger, andere schon lange dabei.
Ich finde es richtig gut, dass es so viele verschiedene Angebote gibt für Menschen, die trauern und dass meine Mutter etwas gefunden hat, das für sie passt. Denn wenn wir einen lieben Menschen verlieren, dann gibt es ganz unterschiedliche Bedürfnisse – und alle können gleichzeitig da sein.
Zum Beispiel der Wunsch, nicht über den Verlust reden zu wollen – und gleichzeitig zu wissen, dass da Menschen sind, denen ich erzählen kann, wie es mir geht, wenn es mir danach ist. Oder das Gefühl: der Alltag geht weiter, aber gleichzeitig ist alles neu, weil der Mensch, der jahrelang an meiner Seite war, nicht mehr da ist.
Die Trauer braucht ihren Platz. Es gibt Phasen oder Umstände, in denen sie fast den ganzen Raum einnimmt. Und das ist in Ordnung. Trauergruppen und Ansprechpersonen können da helfen. Die finden sich beispielsweise bei Caritas oder Diakonie, dem örtlichen Hospiz oder den Kirchengemeinden. Niemand muss alleine mit dieser Situation fertig werden.
Auch Zeit mit Freundinnen und Freunden, Familie oder ehrenamtliches Engagement, bei dem ich neue Menschen kennenlerne und neue Erfahrungen mache, können genau das Richtige sein. Oder eben wie bei meiner Mutter der „WiWi“-Stammtisch, bei dem ganz gewiss keine Trauerstimmung aufkommt.
Wichtig ist vor allem, sich Zeit zu geben – und herauszufinden, was mir gerade gut tut. Und manchmal braucht es eben eine kleine Zeitungsannonce und ein wenig Mut, um genau das zu entdecken.
Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW
Heute beginnt die Fastenzeit. Für viele Menschen ist sie ein Anlass, auf Süßigkeiten, Fleisch oder Alkohol zu verzichten. Die Zeitschriften sind voll mit Tipps, wie wir in den 6 Wochen bis Ostern gesünder, sportlicher, bewusster leben können.
Mich stressen diese Tipps jedes Jahr. Sie machen mir Druck. Sie erinnern mich an all das, was ich tun könnte, ja, tun sollte, denn andere schaffen es ja anscheinend auch. Dabei will ich doch weniger von allem. Weniger Druck, weniger Erwartungen, weniger tun müssen.
Stattdessen wünsche ich mir Platz in meinem Alltag, für das, was wirklich zählt. Ich sehne mich nach Momenten, in denen ich durchatmen und neue Kraft tanken kann.
Gerade nach den letzten Wochen, die voll waren mit Wahlkampfgetöse, mit Sorgen, wie es weitergeht, mit Diskussionen darum, was die richtigen Schritte in die Zukunft sind.
Ob sie wollen oder nicht- die Parteien können nach der Wahl erstmal noch nicht durchatmen. Sie müssen jetzt verhandeln, um trotz aller Unterschiede gemeinsam weiterzukommen. Wo gibt es Kompromisse und was sie verbindet sie?
Vielleicht kann die Fastenzeit ja dafür ein ganz passender Rahmen sein. Der biblische Ursprung liegt in der Erzählung von Jesus, der in die Wüste gegangen ist, um zu fasten und dort allerlei Versuchungen widerstehen muss. Es geht dabei um Eitelkeit, um Ego und um Macht, mit denen der Teufel versucht, ihn zu locken. Vielleicht kann die Fastenzeit gerade jetzt beim sondieren und verhandeln daran erinnern, worum es eigentlich geht: sein handeln und reden zu hinterfragen und gemeinsam neu anzusetzen, Fehler einzugestehen, zu verzeihen. Sich nicht verführen zu lassen von der Aussicht auf Macht und Ansehen und sich ausrichten auf das, was kommt.
Im Kirchenjahr gilt die Fastenzeit als Vorbereitung auf Ostern. Das Fest, das wie kein anderes für die Hoffnung steht, die sich gegen alles Dunkel der Welt immer ihren Weg bahnt. Das Fest, das das Unmögliche wahr macht, indem Jesus vom Tod zu neuem Leben aufersteht.
Darauf will ich mich in den kommenden Wochen der Fastenzeit vorbereiten. Meine Hoffnungskraft neu aufladen und mich neu ausrichten für das, was wirklich wichtig ist: den Glauben daran, dass das Gute sich durchsetzen wird und wir gemeinsamweiterkommen!
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