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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

10OKT2025
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Es ist Zeit für ein bisschen Gartenarbeit. Meine Blumen und Pflanzen auf dem Balkon müssen jetzt versorgt werden, damit sie gut durch den Winter kommen. So schaue ich: Wo muss eine Pflanze nur ein bisschen gestutzt werden, wo sind radikalere Rückschnitte nötig?

Da, wo Krankheiten oder Schädlinge einer Pflanze zugesetzt haben, kürze ich die Äste. Auch dünne Äste, die unter der Last der Blüten gelitten haben, schneide ich ab. In der Hoffnung, dass die Pflanze im nächsten Jahr mit voller Kraft nachwächst und noch buschiger und schöner wird. Besonders bei meinem Oleander ist das dieses Jahr richtig nötig.

Letztes Jahr habe ich diesen Zeitpunkt nämlich verpasst. Und alle meine Pflanzen einfach wachsen lassen. Das hat wahrscheinlich die Vögel auf meinem Balkon gefreut. Aber dieses Jahr möchte ich es anders machen und die Pflanzen besser versorgen. Durch diese Arbeit nehme ich auch den Wechsel der Jahreszeiten bewusster wahr.

Denn ich denke dann daran, wie ich mich über das Aufblühen der Pflanzen im Frühjahr gefreut habe. Ich erinnere mich an die Sommerabende, die ich in diesem Jahr auf dem Balkon verbracht habe. Wie oft habe ich mich da über das Blühen und Wachsen in den Kübeln gefreut! Mir fällt auch wieder ein, wie oft ich ans Gießen oder Düngen denken musste. Jetzt dürfen die Pflanzen den Winter über ruhen – und ich freue mich schon darauf, wenn ich im nächsten Frühjahr die ersten grünen Blättchen und Knospen entdecke.

„Alles hat seine Zeit“, wussten schon die Menschen zur Zeit der Bibel. (Prediger 3)
Und so versuche ich, nicht in Gedanken schon beim nächsten Frühjahr zu sein. Sondern dem Rückschnitt auch etwas abzugewinnen. Bei meinen Pflanzen geht das ganz einfach – einfach ein paar Äste kürzen. Und falls ich mal zu viel abschneide, wird es schon wieder nachwachsen mit der Zeit.
Mit Blick auf mein Leben ist das schon schwieriger. Wo müsste ich da ein bisschen was kürzen? Wovon brauche ich weniger? Weniger Bequemlichkeit? Oder weniger Zeit vor dem Fernseher oder dem Handy? Oder wie könnte es gelingen – etwas weniger Stress?
Alles hat seine Zeit. Und vielleicht ist jetzt die Zeit, mit der Gartenschere in der Hand genau das mal in den Blick zu nehmen.

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

09OKT2025
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Ich habe das Schaukeln für mich entdeckt. Denn in der Nähe meiner Wohnung gibt es seit Neuestem drei Schaukeln. Keine Baby- oder Kinderschaukeln, sondern Schaukeln für Erwachsene. Sie stehen direkt am Rheinufer. Wenn man darauf schaukelt, hat man einen wunderbaren Blick auf den Rhein. Fast immer, wenn ich dort vorbeikomme, lege ich eine kurze Schaukelpause ein. Ich lasse meinen Blick schweifen über die Bäume am anderen Ufer, die Schiffe auf dem Rhein und in den Himmel. Für ein paar Minuten durch die Luft fliegen – herrlich! Wenn ich schaukele, fühle ich mich leicht und frei. Voller Kraft hole ich Schwung, um noch höher hinauszukommen. Schon als Kind habe ich es geliebt, richtig hochzuschaukeln. Bis zu dem Punkt, an dem man selbst einen kleinen Hopser macht.

Und beim Schaukeln kommt mir wie von selbst ein Satz aus der Bibel zugeflogen: „Alle, die auf Gott hoffen, bekommen neue Kraft. Sie fliegen dahin wie Adler.“ (Jes 40,31)

So geht es mir beim Schaukeln: Als ob ich mich mit Flügeln durch die Luft fliege. Voller Kraft, die ich nicht ganz allein aufbringe.
Menschen, die auf Gott hoffen, bekommen von ihm neue Kraft. Das verspricht dieser Satz aus der Bibel. Das passt zum Schaukeln. Denn auch beim Schaukeln besteht nur ein Teil daraus, schwungvoll durch die Luft zu fliegen. Das Schaukeln lebt vom Wechsel: Es geht vor und zurück. Und wieder vor und zurück. Beim Schaukeln braucht es beide Richtungen. Ich finde es heilsam, dass mich das Schaukeln daran erinnert: Es geht nicht immer nur vorwärts. Denn das ist nicht nur beim Schaukeln so. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich auch sonst dann und wann mal einen Schritt zurück machen oder eine Weile warten muss, bevor ich wieder mit neuer Kraft weitergehen kann.

Vielleicht tun mir die Schaukelpausen auch deshalb so gut. Ganz leicht und spielerisch erinnert mich das Schaukeln daran, dass Warten genauso zum Leben gehört, wie einen Schritt zurück zu machen. „Alle, die auf Gott hoffen, bekommen neue Kraft. Sie fliegen dahin wie Adler.“

In diesem Satz aus der Bibel steckt auch eine große Portion Gottvertrauen. Die Kraft kommt nicht von irgendwo – Gott schenkt sie uns. Damit immer wieder ein Schritt nach vorne folgen kann. Und ich freue mich, wenn mir das beim Schaukeln bewusst wird.

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

07JUN2025
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„Du bist nicht allein allein“. Unter diesem Motto setzt die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau in diesen Wochen ein Zeichen gegen die Einsamkeit. Wenn ich mich einsam fühle, dann habe ich den Eindruck: Ich bin die Einzige, der es so geht. Es fühlt sich an, als ob nur ich einsam wäre. Dabei stimmt das gar nicht: Umfragen zeigen, dass weit mehr als die Hälfte aller Erwachsenen Einsamkeit erleben. In den letzten Jahren geben besonders junge Menschen an, sich einsam zu fühlen.

Einsam kann man in jeder Lebenslage sein, ganz gleich wie alt man ist, ob man berufstätig ist und viel Geld hat oder mitten in der Ausbildung steckt und aufs Geld achten muss. Auch wer verheiratet ist oder gute Freundinnen und Freunde hat, kann sich einsam fühlen.
Einsamkeit betrifft viel mehr Menschen als gedacht. Daher heißt die Aktion der evangelischen Kirche: „Du bist nicht allein allein“.

Dahinter steht die Überzeugung: Wenn wir uns als Gesellschaft zusammentun, können wir viel gegen die Einsamkeit unternehmen. Manchmal hilft es schon, über das Thema zu reden. Und zu merken: Einsamkeit kennen viel mehr Menschen, als ich gedacht habe. Vielen geht es nicht gut damit. Es hilft aber, darüber zu reden.

Mit der Aktion möchte die evangelische Kirche genau dazu anregen: Über Einsamkeit ins Gespräch zu kommen. Wann mache ich das schon – jemanden fragen, wann er oder sie sich einsam fühlt. Oder was ihr hilft gegen die Einsamkeit?

Auch die Bibel erzählt von Menschen, die sich einsam fühlen – und aus der Einsamkeit herausfinden. Da ist zum Beispiel einer, der wegen seiner Krankheit von der Gesellschaft ausgeschlossen ist. Jesus sieht ihn und erkennt, wie es um ihn steht. Jesus gibt ihm weder Ratschläge noch bemitleidet er ihn ungefragt. Stattdessen sieht er ihn an und fragt ihn: „Was willst du, dass ich für dich tue?“ (Lukas 18,41). Jesus nimmt sein Gegenüber wahr mit allen Gefühlen und Erfahrungen, auch mit seiner Einsamkeit. „Was willst du, dass ich für dich tue?“, fragt er ihn und ermöglicht es seinem Gegenüber, sich mitzuteilen. Und das ist der erste Schritt. Ich muss nicht die Lösung für die Probleme anderer haben. Aber ich kann etwas tun: Ich kann das Gespräch suchen und fragen: „Was willst du, dass ich für dich tue?“

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

06JUN2025
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Ein Meer aus weißen Kreuzen, soweit das Auge reicht. Für jeden gestorbenen Soldaten ist ein weißes Kreuz errichtet. Auf manchen steht ein Name und darunter die Angaben, wann und wo dieser Mensch geboren wurde und gestorben ist. Auf anderen Kreuzen fehlen diese Angaben. Sie erinnern an die vielen getöteten Soldaten, deren Leichen nicht gefunden oder identifiziert werden konnten.

In diesem Jahr denken wir daran, dass der Zweite Weltkrieg vor 80 Jahren beendet wurde. Die Befreiung hat mit dem sogenannten D-Day am 6. Juni 1944 begonnen. An diesem Tag landeten die Schiffe der alliierten Truppen an der nordfranzösischen Küste. Unzählige amerikanische und kanadische Soldaten sind gestorben, kurz nachdem sie an Land gingen. Es waren fast alles waren junge Männer. Sie sind gestorben, um Europa zu befreien.

Als Jugendliche war ich einmal im Urlaub in der Normandie. Wir haben damals viele dieser Soldatenfriedhöfe besucht. An die unzähligen weißen Kreuze erinnere ich mich noch sehr genau. Und ebenso an das bedrückende Gefühl bei diesem Anblick. Denn das unermessliche Leid, das der Zweite Weltkrieg über Europa gebracht hat, übersteigt meine Vorstellungskraft.

Zwar konnte ich auf den Informationstafeln lesen, wie viele Gräber es hier gibt, wie viele Soldaten und wie viele Zivilisten hier ums Leben gekommen sind. Und auch, an wie viele Vermisste erinnert wird. Aber allein diese Zahlen sind schwer zu begreifen. Die weißen Kreuze haben mir geholfen, eine Ahnung zu bekommen. Jedes Kreuz steht für ein Menschenleben. Und um jedes dieser Menschenleben hat jemand getrauert - Eltern, Geschwister, Freunde, Geliebte und Kameraden.

Das Meer aus weißen Kreuzen auf den Soldatenfriedhöfen in der Normandie hat sich in mein Gedächtnis eingebrannt. Heute, 81 Jahre nach diesem D-Day, gilt für mich einmal mehr: „Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein.“ So hat es der Weltkirchenrat nach Kriegsende festgehalten. Für mich ist das heute genau so aktuell wie vor 80 Jahren: Krieg soll nicht sein – wir Menschen sollen in Frieden miteinander leben. Schließlich sind wir doch alle Menschen, alle von Gott geliebte und nach seinem Bild geschaffene Menschen.

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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

05JUN2025
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Mit ausgestreckter Hand steht meine Nachbarin auf dem Balkon. Sie blickt hinauf in die grauen Regenwolken und dann auf die Regentropfen auf ihrer Hand. Dabei strahlt sie und ich kann von meiner Wohnung direkt gegenüber sehen, wie sie sich freut. Mit ihr bestaunen ihre beiden kleinen Kinder, wie die Regentropfen auf das Balkongeländer und auf ihre Hände prasseln. Lange stehen sie nicht da, aber es ist jedes Mal so: Wenn es regnet, gehen sie raus, spüren kurz den Regen auf ihren Händen und freuen sich. Ich habe sie leider noch nie gefragt, warum sie das tun. Ob sie in einer Gegend aufgewachsen sind, in der es fast nie geregnet hat? Oder ob sie etwas Besonderes mit dem Regen verbinden?

Aber ich habe mir etwas von der Familie abgeschaut: Ich versuche auch darüber zu staunen, wenn es regnet. Eigentlich hat mich der Regen immer eher geärgert. Ich fahre viel Fahrrad und werde ungern nass. Mit Regenklamotten ist Fahrradfahren zwar problemlos möglich, aber längst nicht so schön wie bei Sonnenschein. Daher hoffe ich immer, dass es nicht genau dann regnet, wenn ich raus muss.

Inzwischen staune ich lieber. Denn Regen ist doch eigentlich etwas Wunderbares – gerade, wenn es eher tröpfelt oder ein kurzer Schauer vorüberzieht.

In diesem Frühjahr hat es wieder einmal viel zu wenig geregnet. Wir Menschen können das Klima nicht beherrschen und wir können auch keinen Regen künstlich erzeugen. Auch nicht im Jahr 2025. Wir sind – genau wie die Menschen zu früheren Zeiten auch – dem Wetter ausgeliefert. Schon früh wussten die Menschen: Gott es ist, der Sonne und Regen schickt und alles, was lebt, versorgt. Einer hat es in der Bibel so gesagt: „Bittet den HERRN, dass er zur rechten Zeit den ersehnten Regen sende! Denn der Herr ist es, der die Wetterwolken zusammenballt; er gibt Regen und lässt für alle etwas wachsen.“ (Sacharja 10,1)

Daran halte ich mich: Ich bitte Gott um ausreichend Regen. Für alle Menschen und Tiere und für alle Pflanzen. Und wenn es dann regnet – dann mache ich es wie die Nachbarsfamilie: Ich strecke meine Hand in den Regen, staune und freue mich. Und sage: „Danke, Gott! Du bist es, der die Wetterwolken zusammenballt und uns Regen gibt. Du lässt für alle etwas wachsen.“

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

05JUN2025
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Mit ausgestreckter Hand steht meine Nachbarin auf dem Balkon. Sie blickt hinauf in die grauen Regenwolken und dann auf die Regentropfen auf ihrer Hand. Dabei strahlt sie und ich kann von meiner Wohnung direkt gegenüber sehen, wie sie sich freut. Mit ihr bestaunen ihre beiden kleinen Kinder, wie die Regentropfen auf das Balkongeländer und auf ihre Hände prasseln. Lange stehen sie nicht da, aber es ist jedes Mal so: Wenn es regnet, gehen sie raus, spüren kurz den Regen auf ihren Händen und freuen sich. Ich habe sie leider noch nie gefragt, warum sie das tun. Ob sie in einer Gegend aufgewachsen sind, in der es fast nie geregnet hat? Oder ob sie etwas Besonderes mit dem Regen verbinden?

Aber ich habe mir etwas von der Familie abgeschaut: Ich versuche auch darüber zu staunen, wenn es regnet. Eigentlich hat mich der Regen immer eher geärgert. Ich fahre viel Fahrrad und werde ungern nass. Mit Regenklamotten ist Fahrradfahren zwar problemlos möglich, aber längst nicht so schön wie bei Sonnenschein. Daher hoffe ich immer, dass es nicht genau dann regnet, wenn ich raus muss.

Inzwischen staune ich lieber. Denn Regen ist doch eigentlich etwas Wunderbares – gerade, wenn es eher tröpfelt oder ein kurzer Schauer vorüberzieht.

In diesem Frühjahr hat es wieder einmal viel zu wenig geregnet. Wir Menschen können das Klima nicht beherrschen und wir können auch keinen Regen künstlich erzeugen. Auch nicht im Jahr 2025. Wir sind – genau wie die Menschen zu früheren Zeiten auch – dem Wetter ausgeliefert. Schon früh wussten die Menschen: Gott es ist, der Sonne und Regen schickt und alles, was lebt, versorgt. Einer hat es in der Bibel so gesagt: „Bittet den HERRN, dass er zur rechten Zeit den ersehnten Regen sende! Denn der Herr ist es, der die Wetterwolken zusammenballt; er gibt Regen und lässt für alle etwas wachsen.“ (Sacharja 10,1)

Daran halte ich mich: Ich bitte Gott um ausreichend Regen. Für alle Menschen und Tiere und für alle Pflanzen. Und wenn es dann regnet – dann mache ich es wie die Nachbarsfamilie: Ich strecke meine Hand in den Regen, staune und freue mich. Und sage: „Danke, Gott! Du bist es, der die Wetterwolken zusammenballt und uns Regen gibt. Du lässt für alle etwas wachsen.“

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

26MRZ2025
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Auf die Perspektive kommt es an. Daran erinnern mich drei Satzzeichen in einer ganz bestimmten Reihenfolge:
Ein Doppelpunkt. Eine Klammer auf. Und noch ein Doppelpunkt.

Diese drei Satzzeichen standen auf einem Zettel bei meiner letzten Arbeitsstelle. Er hing an der Wand und jedes Mal, wenn ich im Büro war, musste ich draufschauen:
Ein Doppelpunkt. Eine Klammer auf. Und noch ein Doppelpunkt.
Und darunter stand ein Satz auf Englisch: You decide. „Du entscheidest.“

Denn das war der Clou daran: Je nachdem, wie man die Klammer mit den Doppelpunkten kombiniert, sieht man entweder einen traurigen Smiley mit herunterhängenden Mundwinkeln oder aber einen fröhlich-lächelnden Smiley. Es ist eben eine Frage der Perspektive. You decide. Du entscheidest.

Das trifft nicht auf alles zu. Ungerechtigkeit, Hass und Gewalt etwa verändern sich nicht, wenn man sie aus einer anderen Perspektive betrachtet. Dann bleibt Ungerechtigkeit ungerecht, Hass bleibt menschenverachtend und Gewalt schadet Menschen an Leib und Seele.

Aber da, wo ich Dinge verändern kann, macht es einen Unterschied, mit welcher Haltung und Einstellung ich daran gehe. Wie ich auf meinen Tag blicke, ist eine Frage der Perspektive.

Überlege ich abends, was ich tagsüber erlebt habe, dann liegt es an mir, worauf ich meinen Blick lenke. Schaue ich auf das, was ich nicht geschafft habe, dann gehen die Mundwinkel nach unten.

Nehme ich hingegen wahr, was ich geschafft und worüber ich mich gefreut habe, dann bin ich dankbar für das, was war und ziehe meine Mundwinkel zu einem Lächeln nach oben.

In der Bibel heißt es: „Mehr als alles hüte dein Herz, denn von ihm geht das Leben aus.“ (Sprüche 4,23). Zur Zeit der Bibel hielt man das Herz für den Ort im Menschen, an dem der Verstand sitzt. „Mehr als alles hüte dein Herz“ bedeutet dann auch: Achte auf deine Gedanken. Achte auf das, worauf du deinen Blick lenkst. Denn es hat Einfluss auf dein Leben.

Für mich bedeutet das: Ich nehme all die verschiedenen Gefühle wahr, die ich in meinem Herzen fühle. Aber ich folge nicht jedem Impuls, sondern wäge ab: Schaue ich auf das, was zu kritisieren und zu verbessern ist? Oder möchte ich mich freuen an dem, was gut ist? „You decide – Du entscheidest“

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

25MRZ2025
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„Eigentlich kann ich stolz sein auf das, was ich geschafft habe.“ Dieser Satz ist mir aus einem Gespräch vor einiger Zeit in Erinnerung geblieben. Da war viel Belastendes im Leben meiner Gesprächspartnerin. Manches liegt schon lange zurück. Ihre Kindheit etwa war nicht einfach. Im Gegenteil. Der Vater war oft nicht da und wenn er da war, dann roch man den Alkohol und bekam seine Gewalt zu spüren. Ein sicheres Zuhause, das kannte sie lange nicht. Und auch Geborgenheit, Liebe und Vertrauen hat sie erst viel später richtig erlebt.

Sie hatte keinen unbeschwerten Start ins Leben, wie man es Kindern wünscht. Aber sie hat ihren Weg gefunden. Sie hat sich ein Leben aufgebaut, in dem ihr vieles gelungen ist. Sie hat ein Zuhause, in dem sie sich wohlfühlt. Ihre Arbeit macht ihr Freude. Und sie hat eine eigene Familie gegründet, ist selbst Mutter und hat sich vorgenommen: Bei meinen Kindern mache ich es besser! Nicht alles, aber einiges ist ihr gelungen. Schaut sie auf ihr Leben, sieht sie zuerst all das, was schwierig war oder auch momentan schwierig ist. „Aber eigentlich kann ich stolz sein auf das, was ich geschafft habe.“ fiel es ihr in unserem Gespräch auf.

Mich hat das sehr berührt. Denn ich hatte den Eindruck: Stolz sein, das liegt ihr eigentlich nicht. Denn stolz sind doch eher die anderen. Die, die so richtig was vorweisen können. Die ein großes Haus oder beeindruckend Karriere gemacht haben. Ihr Leben hingegen ist doch ganz normal. Das, was ihr gelungen ist – das ist viel unscheinbarer: Ihren Weg gehen und sich ihr Leben aufbauen, das war nicht selbstverständlich. Sie versucht nun für ihre Kinder da zu sein und liebt sie, egal was ist. All das hat sie geschafft – und noch viel mehr. Und das ist viel wert.

Stolz hat keinen guten Ruf. Er gilt als überheblich, unangebracht und selbstgerecht. Und übermäßiger Stolz ist sicher nichts Erstrebenswertes. Aber sich dann und wann bewusst machen, was nicht selbstverständlich ist, das ist wichtig.

„Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“ Denke ich mir dann oft – und weiß: Nicht nur ich habe etwas gut gemacht, auf das ich stolz sein kann. Sondern auch Gott und dafür bin ich dankbar.

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24MRZ2025
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„Das will ich auch!“, sagt Linus. Er sitzt neben mir und eben gerade habe ich ihn gesegnet. Und nun will er das auch: mir einen Segen zusprechen.

Wir feiern Familienkirche - so heißt unser Familiengottesdienst, bei dem wir erst an Stationen gemeinsam etwas entdecken und anschließend alle zusammen feiern. Ich bin mit an der Segensstation. Dort sprechen wir allen, die möchten, einen Segen zu. „Gott spricht: Ich will DICH segnen und du wirst ein Segen sein.“ (Gen 1,12), sagen wir zum Beispiel. Oder: „Gott segne und behüte dich. Gott schenke dir Mut und Kraft für alles, was vor dir liegt. Gott bewahre deine Neugier und deine Fröhlichkeit. Gott sei immer bei dir. So segne dich Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen.“ Mit diesen Worten habe ich eben Linus gesegnet. Dabei hat er seine Hand auf meine gelegt und ich habe ihm mit dem Finger ein Kreuz auf seine Handfläche gezeichnet. Und gerade, als ich fertig war, sagt Linus: „Das will ich auch!“ Er hat nicht lange nachdenken oder überlegen müssen, ob er sich traut. Er weiß einfach: „Das will ich auch.“

Nachdem also erst ich den Achtjährigen gesegnet habe, segnet er nun mich. Nun liegt meine Hand auf seiner. Behutsam zeichnet Linus mit einem Finger sanfte Linien in meine Handfläche. Ganz konzentriert ist er bei der Sache. Worte braucht es für diesen Segen keine. Ich spüre Gottes Geistkraft auch so.

Für mich war das ein ganz besonderer Moment, als Linus mich so gesegnet hat. Denn normalerweise bin ich als Pfarrerin ja diejenige, die andere segnet. Dabei ist mir völlig klar: Der Segen kommt nicht von mir selbst. Der kommt immer von Gott. Oft bin nur ich diejenige, die dafür Worte und Gesten findet.
Seit mich Linus so gesegnet hat, denke ich, wir sollten uns öfter segnen. Einfach so, mitten in unserem Alltag. Bevor wir morgens zur Schule oder zur Arbeit aufbrechen. Wenn wir uns für längere Zeit verabschieden oder bevor wir verreisen. Segnen und gesegnet werden tut gut. Und es geht auch ganz einfach - mit Worten, einem Kreuzzeichen oder sanften Linien in der Handfläche.

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Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

23NOV2024
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Seit 20 Jahren gibt es auf dem Mainzer Hauptfriedhof einen Sternengarten. So heißt der Teil des Friedhofs, auf dem Kinder bestattet werden, die noch vor der Geburt gestorben sind. Im Sternengarten haben alle diese Kinder ihren Platz. Hier sind sie begraben. Hier wird an sie erinnert. Auf Sternen stehen ihre Namen. Line. Mikkel. Pauline. Leonas. Und so viele mehr.

Immer wenn ich am Sternengarten vorbeigehe , überkommt mich die Trauer. All diese Kinder sind gestorben, noch ehe ihr eigentliches Leben begonnen hat. Den Schmerz der Eltern kann ich nur erahnen. Wie gut, dass es den Sternengarten gibt, an dem diese Kinder ihren Ort haben. Ein Ort der Erinnerung. Hier steht ihr Name und versichert: Es hat dieses Kind gegeben, auch wenn seine Geburt zugleich der Abschied von ihm war. Es tut uns Menschen gut, wenn wir einen Ort für unsere Trauer haben.

Dem Sternengarten auf dem Mainzer Hauptfriedhof sieht man die Trauer nicht sofort an. Es ist kein grauer und trister Ort. Hier erinnert so vieles an das Leben: Auf vielen Gräbern stehen bunte Windräder und drehen sich. In den Bäumen hängen Windspiele, ihre Klänge wehen mir ins Ohr. Und ich sehe viele bunte Spielsachen und Blumen auf den Gräbern liegen. Da sind Herzen und Engel, es brennen Lichter. Ich spüre: Das hier ist nicht nur ein Ort voller Trauer und Erinnerung. Es ist auch ein Ort voller Liebe. Denn all das Spielzeug, all die Blumen – sie zeigen mir: Diese Kinder wurden geliebt. Und sie werden geliebt, denn sie sind nicht vergessen. Nicht von ihren Eltern und Geschwistern . Und erst recht nicht von Gott.

An diesem Sonntag feiern wir Christen den Ewigkeitssonntag. Wir denken an alle Menschen, die im vergangenen Jahr gestorben sind. In vielen Gottesdiensten werden ihre Namen vorgelesen und Lichter für sie angezündet. Als Zeichen der Erinnerung und als Zeichen unserer Hoffnung. Denn als Christen glauben wir: Der Tod ist nicht das Ende. Unsere Toten sind aufgehoben bei Gott. Er bettet sie in Liebe und Geborgenheit. Und in Gottes Hand ist alles aufgehoben, was war, was ist und bleibt.

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