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SWR2 Wort zum Tag

10APR2024
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Von einem Freund habe ich eine Postkarte bekommen, die mir Gänsehaut gemacht hat: Auf der Vorderseite tanzt ein älterer Herr. Die Sonne scheint und eine kleine Band macht Straßenmusik. Viele Leute sind unterwegs, sitzen gemütlich auf einer Parkbank, essen Eis. Ein fröhlicher, entspannter Schnappschuss. Dann drehe ich die Karte um und lese: „Tanzender Mann in Lwiw, Ukraine“. Das ist ja krass!

Kann man in Lwiw auf der Straße tanzen? Wer hat denn dazu im Krieg überhaupt Lust? Und ganz grundsätzlich: solche Bilder aus einem Kriegsgebiet? In meinem Kopf sind die grau und trist.
Das Bild beeindruckt mich total. Es zeigt mir, dass Menschen stark sind, dass sie leben, überleben wollen. Trotz allem gibt es manchmal Grund zum Tanzen. Vielleicht können die Menschen in der Ukraine es nur wegen solcher Momente schaffen.
Das Bild macht mir klar: es geht nur zusammen. Und das bringt mich zu einer meiner Lieblingsbibelstellen, der Schöpfungsgeschichte. Das, was dahintersteckt, das ist es für mich: Wir Menschen sind auf der Erde um miteinander zu leben. Wir sind - biblisch gesprochen - Gottes Geschöpfe, deshalb fest mit Gott verbunden. Verbindung ist also in uns grundsätzlich angelegt. Und dadurch sind wir eben auch untereinander verbunden. Ich muss dabei immer an neugeborene Kinder denken. Die müssen versorgt werden mit Nahrung und Kleidern. Aber das genügt nicht, sie brauchen Ansprache: Menschen, die sich ihnen liebevoll zuwenden. Sonst gedeihen sie nicht.
Im menschlichen Leben geht es nicht ganz alleine - egal ob Partnerin, Nachbarn, Kumpels, Freundinnen, Stadt oder Land. Aber um gut zusammen zu leben, muss man sich an bestimmte Regeln halten. Was passiert, wenn diese Regeln nicht geachtet werden, sehen wir zum Beispiel im Nahen Osten, auch bei uns in Deutschland und eben in der Ukraine.

Und dann ist da trotz allem das Leben. Kleine lebendige Momente, die es Menschen irgendwie aushalten lassen. Die klar machen, dass es miteinander besser, schöner, bunter ist.
Der alte Mann tanzt, in Lwiw in der Ukraine. Ich hoffe, er tanzt immer wieder und immer noch.

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SWR2 Wort zum Tag

09APR2024
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Rebekka ist unzufrieden. Regelmäßig postet sie in ihrem Status Bilder oder Sprüche, die klar machen, dass sie es anders will in Deutschland. Da wehen dann immer viele Deutschland-Flaggen.
Ich mag Rebekka und bin verunsichert. Ich stehe menschlich und politisch woanders, und durch ihre Postings wird sie mir irgendwas zwischen fremd und unsympathisch.
Das finde ich schade, deshalb habe ich mir ein Herz gefasst und sie angesprochen. „Ich sehe Deine Postings. Bist Du so unzufrieden? Was ist denn los?“ Und sie antwortet: „Ja klar. Du nicht?“ Ich bin erstaunt: „Nein, bin ich nicht. Guck doch bitte, was wir haben, wie wir leben. Da kann ich gar nicht unzufrieden sein. Klar, es gibt immer Dinge, die ich anders machen würde oder anders haben will. Grundsätzlich bin ich aber so glücklich, in einem demokratischen, freien Land zu leben. Das hat für mich unermesslichen Wert.“
Und dann kommt der Satz, der seitdem zwischen Rebekka und mir steht. Rebekka sagt: „Das ist ja eben nicht so. Man darf ja nicht mehr alles sagen. Man wird ja wohl noch sagen dürfen, dass die Ausländer alles kriegen und sich die Zähne machen lassen, und wir sehen müssen, wo wir bleiben.“

Man wird ja wohl noch sagen dürfen… Nein, darf man nicht. In Deutschland darf man bestimmte Dinge nicht sagen. Durfte man übrigens noch nie.
Es sind unfassbar viele Menschen umgebracht worden, weil man „ja wohl noch sagen durfte“, dass die und die an unserem Elend schuld sind. Nein, darf man wirklich nicht.

Es erschreckt mich, dass braune Ideologien und nationaler Egoismus wieder stärker werden.
Und: Ich habe Angst, dass uns rechtes Denken langfristig wieder in einen Krieg führt. Weil andere Staaten in dieser Denke nicht Verbündete sind, sondern Feinde. Die AfD will Deutschland aus der EU holen. Dabei hat die EU nach dem Zweiten Weltkrieg Frieden bei uns und in Europa garantiert. Haben die Rechten das vergessen? Oder ist ihnen das egal?
Immer, wenn man sich über andere stellt, gerät das Leben in Schieflage. Und was dabei herauskommen kann, wissen wir ja. Dabei geht es mir nicht um Schuld, sondern um Verantwortung. Wir sind verantwortlich dafür, dass in Deutschland noch länger als 70 Jahre Frieden ist. Wir müssen uns darum kümmern, dass alle, die nach uns kommen weiter in Frieden leben können.
Nie wieder ist jetzt. Dieser Hashtag spricht mich total an. Jetzt ist es an der Zeit aufzustehen und zu zeigen, dass freies Leben in einem demokratischen Land das höchste Gut ist.

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SWR2 Wort zum Tag

08APR2024
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Es gibt uns jetzt seit 100 Jahren. Mit „uns“ meine ich: Kirche im Radio. Unsere Verkündigungssendungen sind seit 100 Jahren im Radio zu hören, und das heißt: Kurz, nachdem das Radio überhaupt auf Sendung gegangen ist, waren wir in Deutschland mit dabei. Die Kirchen wurden damals von den Radiosendern sogar danach gefragt. Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen. Es ging vor allem darum, die Menschen moralisch zu unterstützen und ihnen was Gutes, was Religiöses zu sagen. Viele von der Kirche waren damals allerdings erstmal skeptisch: „Das Wort Gottes im Dudelfunk?“ - das war einigen Kirchenmännern zuviel. Aber dann ging es trotz aller Bedenken los. Und seitdem läuft sie bis heute, die kirchliche Verkündigung im Radio. Mit einer Unterbrechung während des Zweiten Weltkrieges. Da durften die Kirchen irgendwann nicht mehr senden, weil das dem Naziregime zu gefährlich war. Aber nach Kriegsende haben die Alliierten die Verkündigung direkt wieder ins Programm aufgenommen - auch um den Frieden zu stärken. Also: wir haben Jubiläum und Grund zu Feiern.

Unsere Sendungen sind gleichzeitig geschätzt und umstritten. Wir kommen ja auch anders daher als das normale Programm von SWR2 beispielsweise. Wir liefern unsere Beiträge von außen zu und können ganz persönlich erzählen, was uns an Gott oder am Glauben wichtig ist. Der Sender kann das nicht, weil er neutral bleiben muss. Und das ist gut und wichtig so. Trotzdem versuchen wir natürlich ins Programm zu passen. Daran arbeiten wir auch immer mit den Verantwortlichen der Welle. Und was uns echt freut: viele Hörende warten morgens auf unsere Sendungen und schreiben uns, dass sie extra einschalten und wie wichtig wir ihnen im Tagesablauf sind.
Ich weiß schon: Manchmal nerven wir. Aber hin und wieder wollen wir auch nerven, und müssen es sogar. Gerade mit Themen, die aktuell brennen. Wir können nicht anders. Das liegt auch daran, dass wir uns auf Jesus berufen. Er hat einige Leute damals auch genervt. Hat den Finger in die Wunde gelegt und gezeigt, wie es anders und besser laufen kann. Dafür ist er getötet worden. Das ist eine interessante Verbindung. Karfreitag erinnert sich die Kirche daran, dass Jesus getötet worden ist. Und an Karfreitag 1924 ging die erste deutsche Kirchensendung im Radio „on Air“.

Ich finde es wichtig, dass im Radio auch Religion vorkommt und damit Gott.  
Der Theologe Johann Baptist Metz hat mal gesagt: „Die kürzeste Definition von Religion ist: Unterbrechung“. Ja, wir sind eine Unterbrechung. Und ich finde jede Unterbrechung ist wichtig, in der Menschen hören: Du bist gut und von Gott geliebt!

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SWR1 Begegnungen

07APR2024
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Dr. Peter Kottlorz Copyrigt: Privatfoto

Ein runder Geburtstag: 100 Jahre Kirche im Radio. An Karfreitag 1924 lief die allererste kirchliche Radiosendung. Grund genug mit einem zu sprechen, der fast ein Drittel dieser Zeit selbst Verkündigung im Radio, im SWR gemacht hat. Dr. Peter Kottlorz war bis zu seinem Ruhestand Leiter der Katholischen Rundfunkarbeit am SWR. Die Rundfunkarbeit macht die religiösen Sendungen, wie hier auf SWR1 die Anstöße oder 3vor8 oder diese Begegnungen. Das gibt es natürlich auch auf allen anderen SWR-Wellen.
Peter Kottlorz ist seit zwei Jahren im Ruhestand und seitdem nicht mehr auf Sendung. Umso größer ist die Freude, dass wir beide jetzt diese Begegnung zusammen gestalten, wir haben nämlich auch mal zusammengearbeitet. Jetzt sitzt er wieder in seinem „Heimatstudio“ beim SWR in Tübingen und ich will gerne von ihm wissen, worum es Radioverkündigung grundsätzlich geht.

 

Den Menschen gut zu tun. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und das kann man, indem man mit diesen täglichen Sendungen, die auch eine Alltagsstabilisierung für Menschen bieten, Trost, Hoffnung und Lebensorientierung vermittelt.
Wenn ich merke, dass ein Mensch über etwas spricht, das er selbst erlebt hat und jetzt natürlich aus dem Glaubensbereich, aber nicht nur. Es ist gut, wenn die Menschen, die aus der Religion heraus sprechen auch immer aus dem Leben heraus und nicht eben aus einer anderen Dimension sprechen. Also, dass Sie das selbst erlebt haben, mindestens gefühlt oder mitgefühlt haben, das spürt man, das hört man. Und dann geht die Botschaft bestenfalls wirklich von Herz zu Herz.

Dabei ist ihm das Thema Augenhöhe zwischen Sprechenden und Hörenden ganz wichtig.

Und deswegen war mir war mir Glaubwürdigkeit wichtig und ich wollte auf gar keinen Fall irgendwie über irgendwelche Köpfe hinweg predigen. Ich war auch Zeit meines Berufslebens nie auf einer Kanzel. Allein die Position ist für mich ein No Go, weil ich da über den Menschen stehe und das ist nicht mein Ort.

Mehr als 30 Jahre lang hat Peter Kottlorz Menschen über das Radio seinen Glauben, seine Erfahrungen und sein Leben angeboten. Er wird dann auch ganz persönlich, wenn er erzählt, was für ihn religiöse Sendungen im Radio bedeuten:

Hörbares und damit spürbares Wohlwollen für die Menschen. Also, es ist für mich eine Form, meine Liebe zu den Menschen auszudrücken und zwar auf Augenhöhe. Das ist auch das einzige, was mir bisher in den zwei Jahren, seit ich das nicht mehr mache, fehlt. Das habe ich so gern gemacht und da muss ich jetzt eben andere Formen finden, meine Liebe zu den Menschen auszudrücken.

Worum es in Peter Kottlorz allererstem Radiobeitrag ging und wie viel Gott so eine religiöse Sendung braucht, das hören Sie nach der Musik.

… und mit Peter Kottlorz. Er ist Doktor der Theologie und mehr als 30 Jahre lang hat er christliche Verkündigung im Radio gemacht. Und war Leiter der Kath. Rundfunkarbeit am SWR. Seit zwei Jahren ist er im Ruhestand. Kann er sich noch an seinen allerersten Beitrag erinnern?

Ja, das war auch mein Letzter. Und zwar hieß der „This day is the first day of the rest of your life“. Das ist ein Kalenderspruch. Ein klassischer geradezu, der mir aber damals wie auch vor zwei Jahren, als ich meinen letzten Beitrag gemacht hab, sehr gut gefallen hat. Und weil ich das auch lebe. Und zwar geht es darum, dass man das Leben als Geschenk sieht. Und dass man es nicht nur deshalb auch bewusst lebt, so bewusst wie eben möglich. Und das habe ich also in meiner ersten SWF 3 Randnotiz als Beitrag gehabt und in meinem letzten SWR 3 Gedanken auch.

Für Peter Kottlorz und für mich war und ist es nicht immer leicht für die katholische Kirche zu arbeiten. Mit der Institution hadern wir immer wieder. Aber wir haben eine großartige Botschaft. Für mich ist die: Du bist grundsätzlich gut und von Gott geliebt. Und für die lohnt es sich, jeden Tag zu arbeiten und sie auch über das Radio zu erzählen. Dabei ist für uns alle in der Verkündigung das Wort Angebot wichtig:

Ja, ich teile Leben mit. Ich lege es auf ein Silbertablett wie einen blank geputzten, appetitlichen Apfel, und die Menschen können den sehen, vielleicht sogar schon riechen, oder er gefällt ihnen und sie können ihn nehmen oder auch liegen lassen.

Was würde fehlen, wenn es solche christlichen Sendungen wie diese hier nicht gäbe?


Es geht darum, dass in dem Konzert der gesellschaftlichen Meinungen auch diese eine Meinung möglich ist. Eine Meinung aus christlicher Perspektive und das würde fehlen, wenn es das nicht gäbe.
Es geht bei unseren Beiträgen um die Horizontale und um die Vertikale. Horizontale heißt um Menschlichkeit und Mitmenschlichkeit. Und die Konflikte, die damit verbunden sind. Und es geht um die Vertikale. Und es geht um Spiritualität, es geht um die Frage nach Gott und es geht immer um die Knotenpunkte des Lebens: Geburt
, Krankheit, Tod, Sterben, Freude, Heirat, Liebe.

Peter Kottlorz spricht von unserem Job als wunderbare Brücke zwischen Gesellschaft und Kirche. Das hat er immer wieder erlebt, wenn ihn z.B. Menschen angesprochen haben, weil sie ihn an seiner Stimme erkannt haben.

Wie ist das denn mit Gott in der Radioverkündigung? Um den geht es ja. Wie viel Gott verträgt ein Beitrag? Für Peter Kottlorz muss Gott nicht direkt genannt sein. Er benutzt ein Bild und spricht von…

Einer Jalousie. An einem strahlenden Sommertag kann man, wenn es richtig grell ist, die Sonne durch ein großes Fenster scheinen lassen. Das ist dann aber fast zu grell oder man kann die Jalousie auf so halb klappen und wo das Licht dann ganz sanft durchstrahlt. Das ist für mich das schönste Licht und es ist für mich auch so ein Bild, wie man vielleicht dieses unbeschreibliche Wesen, Gott durchscheinen lassen könnte.

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SWR1 Begegnungen

22OKT2023
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Ralf Knoblauch Foto: Johanna Vering

… und mit Ralf Knoblauch. Der aus einem Hobby ein besonderes Lebensprojekt aufgebaut hat: er haut aus alten Eichenholzblöcken Königsfiguren. Die sehen nicht aus wie die Royals, mit schicken Klamotten und Juwelen. Es sind schlichte, freundliche Königinnen und Könige aus Holz.
Warum eigentlich Könige?

Dieses Motiv des Königs oder der Königin hat mich immer schon angesprochen. Ich hab im Urlaub mal vor vielen Jahren ein schweres Stück Treibholz gefunden in Kroatien und da war für mich ein König drin. Ich hab mir gesagt, den holst du jetzt in drei Wochen einfach da raus.

Ralf Knoblauch geht’s um das Thema Würde! Er arbeitet als Diakon in einem sozialen Brennpunkt in Bonn und erlebt dort tagtäglich, wie die Würde von Menschen mit Füßen getreten wird. Er trifft immer viele Leute, die auf der Straße leben. Wie kann jetzt so ein Holzkönig Menschen zeigen, dass es um ihre eigene Würde geht?

Ganz konkret, indem ich diesen Menschen den König oder die Königin einfach in die Hand drücke und gucke, was passiert. Und in dieser Berührung allein schon und in diesem offen herzlichen Gesichtsausdruck entsteht relativ schnell bei den vielen Menschen eine Kommunikation. Ja, letztlich spiegeln sie dann in diesem Augenblick: du bist auch ein König oder eine Königin wie ich, wie jeder.
Das verändert natürlich nicht seine Lebenssituation von jetzt auf gleich, aber es lässt sich Rausbrechen für einen Augenblick in eine andere Wahrnehmung. Und da setze ich dann natürlich auch in meiner Rolle als Seelsorger an. Zu gucken, was kann ich dir tun oder wo möchtest du vielleicht, dass ich dir helfe.

Und dann kann Ralf Knoblauch was tun. Er ist von der Kirche ganz konkret da und hilft: er hört zu, macht Kontakte oder geht mit auf Wohnungssuche. Die Königsfiguren sind dafür oft Gesprächsöffner. Auch weil sie nicht aussehen, wie ich mir eine Königin so klassisch vorstelle.

Die Könige von mir, die haben keine Macht, die wollen auch nicht im Mittelpunkt stehen, die wollen nicht regieren, die sind alle zurückgenommen, ein gerades Rückgrat. Sie sind sehr stark bei sich selber, in sich gekehrt.
Die Gesichtsmimik ist eigentlich das entscheidende: Auge, Nase, Mund. Deswegen immer dieses leichte Grinsen, Schmunzeln im Gesicht. Aus einer Begegnung mit einem König muss man immer positiv gestimmt herausgehen.
Ja, und dann spiele ich halt mit der Symbolik der Krone. Die muss nicht immer auf dem Haupt sein, die kann auch schon mal danebenliegen, zu groß sein, zu klein sein. Die Königinnen und die Könige tragen immer ein weißes Hemd und eine schwarze Hose. Das ist meinerseits eine Anspielung auf die Taufwürde. Dem Täufling, der Priesterin, der Königin, wird in der Tradition das weiße Kleid übergezogen.

Mit den Figuren ist eine richtige Bewegung entstanden. Viele nehmen sie mit an besondere Orte – schöne und schreckliche.

Es kann natürlich so sein, dass mit dem König gewandert wird. Dass der König bei kranken Menschen in Hospizen am Sterbebett steht, dass der König bei Exerzitien, bei geistlichen Tagen mit unterwegs ist, dass der König nach Santiago pilgert.

Ein großes Projekt waren die Königinnen und Könige am Frankfurter Flughafen. Überall waren sie ausgestellt und haben auf die Menschenwürde aufmerksam gemacht. Tolle Idee an diesem Ort, wo es um Abschied, um Wiedersehen, aber auch um Flucht, Vertreibung und Abschiebung geht.
Die Könige sind auch im Krieg: kurz nachdem der Ukrainekrieg ausgebrochen ist, waren Könige in Kiew und auch nach dem Erdbeben in Syrien waren schnell welche dort. Irgendwer meldet sich immer und nimmt eine Figur mit.
Manche Figuren kann Ralf Knoblauch übrigens auch nicht aus den Händen geben. Er ist zu stark mit ihnen verbunden. Ralf Knoblauch hat eine feste Routine, wie die Könige entstehen…

…von montags bis freitags in einer Zeit von 5 bis 06:00 Uhr, wo ich mich eine Stunde dem Thema aussetze. Um 06:00 Uhr lasse ich alles stehen und liegen und mein Berufs- und mein Familienalltag beginnt. Und am darauffolgenden Morgen setze ich letztlich genau da an, wo ich aufgehört habe. So dass das ein kontinuierlicher Prozess ist, der im Grunde nie unterbrochen wird.
Diese Stunde ist für mich auch im weitesten Sinne eine Form des Gebetes.

Die Königsfiguren sind politisch. Er drückt mit ihnen sehr klar aus, worum es ihm geht: alle Menschen sind gleichwertig! Das ist gerade in meiner katholischen Kirche ein Riesenthema, wenn es zum Beispiel um Frauen oder queere Menschen geht.

Letztlich sind alle aus dem gleichen Holz geschnitzt.
Ich weiß, dass viele, viele Kollegen, Kolleginnen aus solchen Königen und Königinnen viel Kraft schöpfen, um überhaupt noch in dieser Kirche arbeiten zu können.
Innerkirchlich habe ich mich auch mit diesen Königen sehr klar positioniert. Also sie sind sehr stark mit der Maria 2.0 Bewegung unterwegs. Sie sind
auch bei vielen Menschen von out in church dabei. Also das ist mir einfach wichtig, die Gleichwürdigkeit aller Menschen.

Menschenwürdig leben: dafür schnitzt und arbeitet Ralf Knoblauch jeden Tag. Das geht für ihn nicht ohne seinen Glauben. Gott begegnet ihm in jedem Menschen - davon ist er überzeugt. Dazu passt auch seine persönliche frohe Botschaft zum Schluss.

Meine Botschaft ist, die den Menschen zu spiegeln -da meine ich jetzt auch wirklich jeden Menschen: du hast Würde. Du hast Würde, die dir keiner nehmen kann. Wie gut und schlecht es dir auch immer geht im Moment. Werd dir dessen immer wieder neu bewusst!

 Weitere Infos unter www.ralfknoblauch.de

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SWR3 Worte

30SEP2023
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Ich mag die Bibel so, weil sie für jede Situation was zu bieten hat. Hier ein Genuss-Zitat zum Wochenende aus Alten Testament:

„Iss freudig dein Brot und trink vergnügt deinen Wein; denn das, was du tust, hat Gott längst so festgelegt, wie es ihm gefiel.
Trag jederzeit frische Kleider und nie fehle duftendes Öl auf deinem Haupt! Mit einem Menschen, den du liebst, genieß das Leben alle Tage deines Lebens, die Gott dir unter der Sonne geschenkt hat. Denn das ist dein Anteil am Leben und an dem Besitz, für den du dich unter der Sonne anstrengst. Alles, was deine Hand, solange du Kraft hast, zu tun vorfindet, das tu!“

 

Aus: Die Bibel, Einheitsübersetzung 2016, Kohelet 9,7-12

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SWR3 Worte

28SEP2023
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Der Mensch ist ein zerbrechliches Wesen. Und das ist es, was uns stark macht, findet der Journalist Nils Minkmar. Er sagt:

„Deine heimliche Superkraft ist, keine zu haben.
Dass wir verwundbar sind, verbindet uns mit jedem anderen Menschen, lässt uns erkunden und spielen und steht am Anfang auch unserer eigenen Geschichte. Der Mensch startet nun mal als Säugling. Und jeder Säugling ist zerbrechlich. Das wandelt sich, aber es verlässt uns nie, und das zählt zu unseren guten Seiten.“

 

Aus: Süddeutsche Zeitung Magazin Nummer 33, 18. August 2023, Artikel: Vorsicht, zerbrechlich.

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SWR3 Worte

27SEP2023
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Mit dem Begriff „Sünde“, konnte die Schauspielerin Sophie Rois lange nichts anfangen. Aber irgendwann hat sie sich an ihren Beichtunterricht erinnert und ist im Nachhinein froh darüber. Sie sagt:

„Die ersten Beichten sind völlig uninteressant. Was hat man da schon zu beichten? Dass man frech zu seiner Mutter war? Inzwischen hätte ich eine Beichte nötig - damals, mit sieben, natürlich nicht.
Ich habe einen Begriff von Sünde. Und ich habe was zu bereuen. Man kann sich versündigen, das weiß ich jetzt, das habe ich inzwischen erfahren. Es gibt falsches Handeln, das man bereut, das etwas Schlechtes in die Welt setzt.“

 

Aus: Süddeutsche Zeitung, 02.06.2023, Feuilleton, Artikel 2/11,

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SWR3 Worte

26SEP2023
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Wenn man sich ohnmächtig fühlt, ist man noch lange nicht hilflos, sagt die Theologin Melanie Wolfers. Und weiter:

„Sich ohnmächtig zu fühlen, heißt noch lange nicht, tatsächlich ohnmächtig zu sein. Meine Erfahrung ist: Die Menschen fühlen sich oft schwächer, als sie sind. Ich bin da ganz klar: Glaub nicht alles, was du fühlst, schalte deinen Verstand ein und schaue auf das Gefühl von Ohnmacht. Mach den Realitätscheck: Bist du wirklich hilflos? Oder hast Du Handlungsspielraum?

Wichtig ist, etwas zu tun, denn Handeln weckt Hoffnung. Ganz konkret am Beispiel des Ukrainekriegs: Viele haben gespürt: dass ich was tue, bewirkt was Gutes für andere. Dass ich da bin, macht einen Unterschied! Die Ohnmacht wird eingedämmt. Es bleibt: Ich kann was tun.“

 

Aus: junia - Frau und Mutter hat jetzt einen Namen, Juli/August 2023, kfd (Hrsg.)

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SWR3 Worte

25SEP2023
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Vermutlich sage ich manchmal rassistische Dinge, ohne dass es mir bewusst ist. Darauf macht die Antirassismustrainerin Tupoka Ogette aufmerksam. Sie sagt:

„Wir sind alle rassistisch sozialisiert. Wir alle können nichts für die Welt, in die wir hineingeboren wurden. Aber jede und jeder kann Verantwortung übernehmen und diese Welt mitgestalten.“

 

Aus: Süddeutsche Zeitung Magazin Nummer 22, 2. Juni 2023, Sagen Sie jetzt nichts

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