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Heute morgen um kurz vor acht Uhr blicken wir bereits in Richtung Tagesende und wollen uns einem der bekanntesten Abendlieder widmen: Paul Gerhardts „Nun ruhen alle Wälder“.
Musik 1:
Nun ruhen alle Wälder,
Vieh, Menschen, Städt und Felder,
es schläft die ganze Welt;
Ihr aber, meine Sinnen,
auf, auf, ihr sollt beginnen,
was eurem Schöpfer wohlgefällt.
„Nun ruhen alle Wälder“ hat eine besondere Strophenform, die für alle weiteren Abendlieder stilbildend geworden ist. Paul Gerhard hat sie erfunden: Erst sechs gereimte Zeilen, dann ein überlanger Schlussvers. Auch das berühmte Lied „Der Mond ist aufgegangen“ von Matthias Claudius folgt dieser Abendliedform.
Die ungewöhnliche Strophenform leitet sich aus der melodischen Vorlage ab: das im 16. Jahrhundert außerordentlich populäre Lied: „Innsbruck ich muss dich lassen“. Schon die erste Zeile dieses Renaissance-Liedchens nennt das zentrale Thema: Abschied. Wer die Melodie des Liedes in dieser Zeit hörte, der hörte auch immer die Abschiedsthematik mit.
Musik 2:
Innsbruck, ich muss dich lassen,
ich fahr dahin mein Straßen,
in fremde Land dahin.
Das Lied war im 16. Jahrhundert so populär, dass unzählige Nachdichtungen geschrieben wurden. Dabei hat man in den weltlichen Fassungen oft nur das Ziel des Abschieds ausgetauscht: „Leipzig, ich muss dich lassen“ oder „Mein Lieb, ich muss dich lassen“. Geistliche Dichter dagegen haben den Abschied selbst ins Zentrum gerückt. Aus dem Lied über den Abschied von Innsbruck wurde ein Lied über den Abschied von der Welt: „O Welt, ich muss dich lassen“.
Paul Gerhardt greift diesen Welt-Abschied metaphorisch auf und macht daraus einen Abschied vom Tag. Das Abendlied ist also mehr als nur ein Lied über den Tagesausklang. Der Abend und die Nacht stehen dafür, dass das Leben endlich ist.. Das Zubettgehen wird zum täglichen Bild für das Sterben.
Musik 3:
Wo bist du, Sonne, blieben?
Die Nacht hat dich vertrieben,
die Nacht, des Tages Feind.
Fahr hin! Ein andre Sonne,
mein Jesus, meine Wonne,
gar hell in meinem Herzen scheint.
Die Nacht und den Abend als Sinnbild für den Tod zu verstehen das hört sich fast schon etwas morbide an. Aber trotzdem finde ich den Gedanken sehr tröstlich. Denn was Paul Gerhardt nicht ausspricht, aber aus seiner christlichen Auferstehungshoffnung heraus voraussetzt: Keine Nacht bleibt ewig. Auf jede Nacht folgt ein neuer Morgen. Auf jeden Sonnenuntergang ein neuer Sonnenaufgang.
Musik 4:
Auch euch, ihr meine Lieben,
soll heute nicht betrüben
kein Unfall noch Gefahr.
Gott laß euch selig schlafen,
stell euch die güldnen Waffen
ums Bett und seiner Engel Schar.
Komponist: Paul Gerhardt / Heinrich Isaac
Musikquellen:
- Musik 1: Christian Gerhaher/Gerold Huber, Album Wiegenlieder Vol. 2, Carus 2010, Track 2 „Nun ruhen alle Wälder“ LC 3989
- Musik 2: Jordi Savall, Album Nell Tempo Di Lorenzo De’ Medici And Maximilian I, 1450 – 1519, Track 5 „Innsbruck ich muß dich lassen“, Alica Vox 2010, AVSA9922
Es gibt Tage, da fühle ich mich überfordert mit dem, was auf dieser Welt so los ist.
Gefühlt brennt es an allen Ecken gleichzeitig: Trockenheit, Kriege, politische Grabenkämpfe. Ich merke oft, wie mich das innerlich lähmt. Es macht mich hilflos. Und wütend. Manchmal möchte ich mich einfach nur unter der Bettdecke verkriechen und die Welt da draußen ausschalten.
In dieses Gefühl der Erschöpfung hinein klingt heute ein Lied.
Es ist ein Chorsatz aus dem Oratorium Elias von Felix Mendelssohn Bartholdy.
„Wohl dem, der den Herren fürchtet und auf seinen Wegen geht“, singen die Stimmen da. Ganz sanft streicheln sie meine Seele. Und trösten mich.
Wohl dem der den Herren fürchtet und auf seinen Wegen geht.
Wenn ich aber auf die Worte und nicht nur auf die Musik höre, dann zucke ich innerlich zusammen: „Wohl dem, der den Herrn fürchtet?“ In einer Welt voller Bedrohungen brauche ich nicht auch noch einen Gott, vor dem ich zittern soll. Ich will mich nicht fürchten müssen. Schon gar nicht vor Gott. Bei ihm will ich halt finden; Trost und Zuversicht.
Mendelssohn hat für seine Vertonung Worte aus dem 112. Psalm genutzt. Das ist der Wochenpsalm, der heute in vielen Gottesdiensten gebetet wird. Und wenn man den ganzen Psalm liest, entdeckt man, dass diese biblische Furcht das genaue Gegenteil von Angst bedeutet. Es ist vielmehr eine tiefe Ehrfurcht vor dem Leben. Ein Gespür dafür: Die Krisen dieser Welt haben nicht das letzte Wort. Da ist eine Kraft, die größer ist als alle Despoten, alle Katastrophen und alle unsere Ängste zusammen. Und wie zur Bestätigung brechen die Töne plötzlich auf. Die Stimmen fliegen nach oben, machen mir den Himmel weit.
Der Chor singt:
„Den Frommen geht das Licht auf in der Finsternis.“
Den Frommen geht das Licht auf in der Finsternis.
Den Frommen geht das Licht auf von dem Gnädigen, Barmherzigen und Gerechten.
Für mich ist das eine wunderschöne, radikale Liebeserklärung an das Leben. Ein Dagegenhalten gegen die Ohnmacht. Ein heiliger Trotz. Die Finsternis um mich herum ist zwar weiterhin real. Die Angst auch. Aber Gott schickt mir in Tönen ein Licht mitten hinein in diese Dunkelheit.
Dieses Licht gibt mir den Boden unter den Füßen zurück. Es weitet den Blick: Du bist nicht allein im Chaos. Es löst mich aus der Starre. Mein Herz geht auf. Und aus der Lähmung wird wieder Mitgefühl.
Mein Vertrauen auf Gott macht mich nicht blind für die Welt.
Es gibt mir stattdessen die Kraft, der Dunkelheit zu widerstehen.
Und heute vielleicht selbst für jemanden ein kleines Licht zu sein.
Einen gesegneten, lichten Sonntag wünscht Ihnen Ihr Martin Groß aus Kandel in der Südpfalz von der evangelischen Kirche.
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Angaben zur Musik:
Text: Julius Schubring nach Psalm 112
Musik: Felix Mendelssohn Bartholdy (aus dem Oratorium „Elias“ von 1846)
Aufnahme: Frieder Bernius 2007
Krieg ist für mich das Schlimmste, was ich mir vorstellen kann. Weil dabei Menschen sterben. Direkt durch Waffengewalt; indirekt, weil Geld in immer weiter steigenden Rüstungsausgaben sinnlos verpulvert wird; Geld, das woanders gebraucht würde, damit Menschen überleben. Das Leben eines Menschen zu nehmen ist im Wortsinn eine Tod-Sünde. Es trennt von dem Gott, den Jesus als einen verkündet hat, der Leben schenkt.
Krieg ist böse. Als Christ muss ich das aussprechen. Immer wieder. Wer andere überfällt, wer Menschenleben opfert, ist böse. So auch der erste Weltkrieg, in dessen Kontext das Lied dieses Sonntags entstanden ist.
Zogen einst fünf wilde Schwäne,
Schwäne leuchtend weiß und schön.
„Sing, sing, was geschah?“
Keiner ward mehr gesehn.
Ich habe dieses Lied in der Schule kennen gelernt. Mein Geschichtslehrer hatte zum Krieg eine klare Meinung: Er hat ihn verachtet wie nichts anderes. Und hat sich deshalb viel Zeit genommen, um uns die Hintergründe zu erklären, die zu den beiden Weltkriegen im 20. Jahrhundert geführt haben. Er hat uns regelrecht eingebläut: So etwas darf nie wieder geschehen! Und wir Deutschen haben dabei eine besondere Verantwortung. Wir Jungen, die nachkommen, müssen das zu einer Lebensaufgabe machen. Mein Lehrer lebt nicht mehr, aber ich stelle mir zuweilen vor, was es in ihm ausgelöst hätte: dass wir wieder aufrüsten, dass der Krieg so zum Alltag gehört, wie er und ich das nie für möglich gehalten hätten.
Zogen einst fünf junge Burschen
stolz und kühn zum Kampf hinaus.
„Sing, sing, was geschah?“
Keiner kehrt nach Haus.
Weder der Dichter des Textes noch der Melodie sind bekannt. Irgendjemand soll es 1908 einem Lehrer in Westpreußen vorgesungen haben, der Volkslieder sammelte. Nach dem Ersten Weltkrieg ist es dann im Druck erschienen und hat bald einen Platz als Anti-Kriegslied eingenommen. Die Menschen waren ernüchtert, und das Lied hat ihre Stimmung getroffen.
Wilde Schwäne, junge Birken, Mädchen und Burschen – sie sind voller Hoffnung und Kraft. Aber was geschieht? Die Schwäne kommen nicht mehr zurück, genauso wenig wie die Burschen, die Birken blühen nicht, die Mädchen heiraten nicht. Etwas Schreckliches muss geschehen sein, das aber nicht ausgesprochen wird. Jede Strophe endet mit derselben lakonischen und offenen Anmerkung: „Sing, sing, was geschah…!“ Alle Erwartungen werden enttäuscht. Die sonst so schlichte Melodie vollführt an dieser Stelle einen außergewöhnlichen Sprung. Eine kleine Septime. Ein Intervall, das so nicht stehen bleiben kann, ohne dass es weh tut. Ein Klang, der danach schreit, sich aufzulösen. Der Krieg zerstört alles. Die Jugend, die Natur, die Zukunft eines Landes. Davon darf man nicht schweigen. Das muss weitererzählt werden. Ich meine, es hätte auch einen Platz in den kirchlichen Gesangbüchern verdient. Weil doch einem Gott, der Mensch wird, nichts Menschliches fremd ist.
Wuchsen einst fünf junge Mädchen
schlank und schön am Memelstrand.
„Sing, sing, was geschah?“
Keins den Brautkranz wand.
M0056018 01-005 3‘22
Zogen einst fünf wilde Schwäne
Kein schöner Land N. N.; Plenzat, Karl; ... Zupfgeigenhansel
AMS M0609151(AMS) 01-015 3'16
Zogen einst fünf wilde Schwäne
Die LingoBarden
Deutsche. Lieder.
AMS M0357138(AMS) 01-002 4'29 4'29
Zogen einst fünf wilde Schwäne
Kultursommer 1997: Franz Josef Degenhardt und seine Freunde auf der Burg Waldeck:
Hannes Wader, Chris Jones
Traditional
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44929„Jesus liebt dich. Jesus kennt dich.“ Als Jugendliche habe ich solche Sätze oft gehört. Sie haben zum festen Vokabular der charismatisch-evangelikalen Frömmigkeit gehört, die mich in meiner Heimatgemeinde umgeben hat. Es klang gut. Unverdächtig. Und hat mir das wohlige Gefühl vermittelt, gut aufgehoben zu sein. Was kann dir schon passieren, wenn Jesus dich liebt, wenn Jesus dich kennt? Wenn Jesus immer auf deiner Seite ist?
Ein Lied der britischen Band Genesis aus dem Jahr 1991 schlägt ganz ähnliche Töne an: „Jesus he knows me and He knows I‘m right.“ Jesus kennt mich und er findet mich auch ganz okay.”
'Cause Jesus, He knows me and He knows I'm right
I've been talkin' to Jesus all my life
Oh, yes He knows me and He knows I'm right
And He's been tellin' me everything is alright.
Weil Jesus mich kennt und weiß, dass ich Recht habe.
O ja, er kennt mich und er weiß, dass ich Recht habe.
Ich habe mein ganzes Leben lang mit Jesus gesprochen
und er hat mir gesagt, dass alles gut wird.
In diesem Lied ist es allerdings nicht die Stimme von Jesus, die um Vertrauen wirbt, sondern die eines Predigers, der sich dadurch empfiehlt, dass Jesus ihn gecheckt und für gut befunden hat und ihn durch und durch kennt. Im Fernsehen und über Videos inszeniert er sich wie ein Popstar und verspricht seinen Zuhörern das Blaue vom Himmel. Was auch immer du willst: Du kannst es kriegen! Vertrauen in Jesus braucht es dafür nicht. Er selbst ist der Gewährsmann für Glück und Wohlstand seiner Gläubigen.
Do you see the face on the TV screen
Comin' at you every sunday?
See the face on the billboard?
Well, that man is me
On the cover of the magazine
There's no question why I'm smilin'
You buy a piece of paradise
You buy a piece of me
I'll get you everything you wanted
I'll get you everything you need
You don't need to believe in hereafter
Just believe in me
Siehst Du das Gesicht auf dem Fernsehbildschirm?
Jeden Sonntag taucht es dort auf.
Siehst Du das Gesicht auf der Werbetafel?
Nun, dieser Mann bin ich
auf der Titelseite des Magazins.
Keine Frage, warum ich lächle:
Du kaufst ein Stück vom Paradies
Du kaufst ein Stück von mir.
Ich besorge dir alles, was du jemals gewollt hast.
Ich besorge dir alles, was du brauchst.
Du brauchst nicht an das Jenseits glauben;
glaub einfach an mich!
Die Gruppe Genesis prangert mit ihrem Lied immer noch aktuelle US-amerikanische Realität und Religiositätan. Im dazu gedrehten Musikvideo legt sie den bitteren Kern dieses Wohlstandsevangeliums schonungslos offen: Am Ende regnet es da Geldscheine ins Studio, und Bühnenarbeiter gehen mit Körben und Schubkarren durchs Publikum, um den Leuten noch mehr davon aus der Tasche zu ziehen: Spenden, die unverhohlen dazu dienen, den Prediger reich und immer noch reicher zu machen. Denn, so hat er das Evangelium für sich zurechtgedreht: Wohlstand ist ein Segen. Ein Zeichen dafür, dass Jesus es gut mit ihm meint, auch wenn er’s mit dessen Botschaft nicht immer allzu genau nimmt …
Won't find me practisin' what I'm preachin'
Won't find me makin' no sacrifice
But I can get you a pocketful of miracles
If you promise to be good, try to be nice
God will take good care of you
Well, just do as I say, don't do as I do
Well, I'm countin' my blessings
'Cause I've found true happiness
'Cause I'm gettin' richer
Day by day
Du wirst nicht sehen, dass ich auch tue, was ich sage.
Du wirst mich keine Ofer bringen sehn.
Aber ich kann Dir eine Handvoll Wunder bescheren
Wenn Du versprichst, gut und nett zu sein.
Gott wird gut auf Dich aufpassen.
Nun, tu einfach, was ich sage, und tu nicht, was ich tue.
Nun, ich zähle meine Segenszuwendungen,
weil ich das wahre Glück gefunden habe,
weil ich reicher werde Tag für Tag.
“Jesus liebt dich. Jesus kennt dich. Du bist ganz okay.“ Heute versetzen mich solche Sätze auch in Alarmbereitschaft. Denn allzu oft werden sie missbraucht, um ihre Adressaten einzulullen. Deshalb höre ich genau hin, was für eine Botschaft da zwischen den Zeilen verkündet wird und wem sie am Ende dient.
'Cause Jesus, He knows me and He knows I'm right
I've been talkin' to Jesus all my life
Oh, yes He knows me and He knows I'm right
And He's been tellin' me everything is alright.
Weil Jesus mich kennt und weiß, dass ich Recht habe.
O ja, er kennt mich und er weiß, dass ich Recht habe.
Ich habe mein ganzes Leben lang mit Jesus gesprochen
Und er hat mir gesagt, dass alles gut wird.
Text und Musik: Phillip David Charles Collins, Michael Rutherford, Anthony George Banks
Aufnahme: Genesis, We Can‘t Dance (1991), Virgin Records
Intro
Der rockige Beat zieht einen direkt hinein in das Gute-Laune-Stück „Es ist Sommer“ von Eugen Eckert und Alejandro Veciana. Da bekomme ich sofort Lust mitzugrooven und mich dazu zu bewegen. Die Musik hat etwas Leichtes und Beschwingtes und erinnert mich an die Stimmung bei einem Open-Air-Festival.
„Es ist Sommer und ich atme, atme durch und atme auf,
will genießen, will mich freuen, geb der Sehnsucht freien Lauf.
Es ist Sommer, das beflügelt. Und ich fliege, fliege aus.
Such mir Orte, auszuspannen – mal weit weg und mal zuhaus.“
Der Sommer steht hier für Freiheit. Raus aus dem Alltag. Neues entdecken. Oder einfach einmal nichts müssen. Mir gefällt auch die Zeile: „Such mir Orte, auszuspannen – mal weit weg und mal zuhaus.“ Erholung hängt eben nicht davon ab, wie weit ich reise. Manchmal finde ich sie direkt vor meiner Haustür.
„Es ist Sommer und ich liebe, lieb das Leben, bin verliebt.
Staune, dass es so viel Schönes um mich her und in mir gibt.
Es ist Sommer und ich denke, denke nach auch über mich.
Werd mir klar, dass dieses Leben halb nur schön wär ohne dich.“
Neben der zweiten Stimme in der Strophe kommt nun eine zweite Perspektive dazu.
Ich frage mich beim Hören immer wieder: Wer ist dieses „Du“, ohne das das Leben nur halb so schön wäre? Ein geliebter Mensch? Oder Gott?
Für mich muss ich das gar nicht entscheiden. Das Lied lässt beides zu. Es erzählt davon, dass Leben erst in Beziehung ganz wird – zu den Menschen, die ich liebe und mit denen zusammen es noch mehr Spaß macht, den Sommer zu genießen, und zu Gott. Lebensfreude wächst dort, wo sie geteilt wird.
„Es ist Sommer. Gott sei Dank!“
Mit dem Refrain wird aus dem Sommerlied auch ein Danklied. Nicht mit großen Worten. Kein großes theologisches Programm. Einfach mit einem Satz: „Gott sei Dank.“ Gott ist mitten in all dem Schönen gegenwärtig. Die Musik unterstützt das Ganze. Der Rhythmus trägt nach vorn, die Melodie wirkt leicht und unbeschwert. Und wenn im Refrain alle einstimmen: „Es ist Sommer. Gott sei Dank!“, dann klingt das nicht wie eine Pflichtübung, sondern wie ein spontaner Ausruf. Als könnte man gar nicht anders, als dankbar zu sein.
In der dritten Strophe bekommt das Lied noch eine überraschende Wendung.
„Es ist Sommer und ich sammle, sammle Farben, Töne, Kraft.
Nur ein Vorrat gibt die Aussicht, dass man's durch den Winter schafft.
Es ist Sommer und ich lebe aus dem Koffer in den Tag,
lass die Seele einfach baumeln, heute mach ich was ich mag.“
Eugen Eckert erzählt, dass ihn dabei das Bilderbuch Frederick von Leo Lionni inspiriert hat. Während die anderen Mäuse Körner sammeln, sammelt Frederick Sonnenstrahlen, Farben und Geschichten. Erst im Winter zeigt sich, wie kostbar diese Schätze sind.
Vielleicht ist das der eigentliche Gedanke dieses Liedes. Sommer und Winter sind mehr als Jahreszeiten. Sie stehen für die hellen und die dunklen Zeiten unseres Lebens. Niemand bleibt immer im Sommer. Umso wichtiger ist es, die guten Tage bewusst wahrzunehmen. Farben zu sammeln. Klänge. Kraft. Erinnerungen an Menschen, Begegnungen und Augenblicke, von denen wir zehren können, wenn das Leben kälter wird.
Dann wird aus einem fröhlichen Sommerlied eine Einladung, heute schon von dem zu leben, was morgen Hoffnung schenkt.
„Es ist Sommer. Gott sei Dank!“
Komponist
Text: Eugen Eckert
Musik: Alejandro Veciana
Musikquelle
- Band Habakuk: Einfach so, 2001, CD 1, Track 14, LC .
Melancholische Melodien, ein Bandoneon und Rhythmen, die zum Tanzen einladen: diese Musik entstand am Ende des 19. Jahrhunderts in Buenos Aires unter den vielen oft männlichen Einwanderern, die dort unter schlechten Bedingungen in den Vororten lebten; arm und einsam, die großen Träume zerplatzt. Sie entwickelten neue Formen der Musik und der Poesie. Und einen neuen Tanz: den Tango. „Wir tanzen die Einsamkeit in uns, die wir durch nichts kompensieren können. Diese Lücke, in deren Leere wir Bewegung bringen, ist der Tango“, sagt der argentinische Tänzer Carlos Gavito. Und das Lied „Tenemos esperanza, wir haben Hoffnung“, ist ein Tango.
Tenemos esperanza …
Mit dem Tango bringe ich Bewegung in die Lücke. In die Lücke zwischen meinen Träumen und der Wirklichkeit, in die Lücke zwischen mir und den anderen, in die Lücke zwischen Mutlosigkeit und Hoffnung. Frederico Pagura schrieb 1979 das Lied „Tenemos esperanza“, „Wir haben Hoffnung“. Er war Bischof der methodistischen Kirche in Argentinien während der Militärdiktatur, einer Zeit brutaler Gewaltherrschaft. Pagura wollte den Menschen Mut machen. In Zusammenarbeit mit dem Komponisten Homero Perera aus Uruguay wurde aus seinem Text ein Tango. Ein argentinischer Tango, der von Jesus erzählt: Weil Jesus in unsere Geschichte kam, weil Jesus die Liebe ausgesät hat, weil Jesus auf der Seite der Machtlosen ist, darum sind wir heute voller Hoffnung. Darum blicken wir heut voll Vertrauen in eine neue Zukunft für uns alle.
In unser Leben, in unsre Geschichte
ist er gekommen, sie mit uns zu teilen,
und hat das Schweigen, hat die Angst zerbrochen
und unsre Dunkelheit in Licht verwandelt.
In einem unbekannten Stall geboren,
um Liebe auszusäen und neues Leben,
erstarrte Herzen endlich zu erweichen
und die zu stützen, die am Boden liegen.
Und darum sind wir heute voller Hoffnung
und darum kämpfen wir heut‘ ohne Zittern
und darum blicken wir heut‘ voll Vertrauen
in eine neue Zukunft für uns alle.
Und darum sind wir heute voller Hoffnung
und darum kämpfen wir heut‘ ohne Zittern
und darum blicken wir heut‘ voll Vertrauen
auf das, was kommt.
Dieses Tango-Lied bringt Bewegung in die Lücke. In die Lücke zwischen Angst und Mut, in die vielen Lücken zwischen Willkür und Gerechtigkeit, zwischen den verpassten Chancen und dem großen Glück. Das Lied lässt auch eine Lücke, eine formale Lücke. Die dritte Strophe ist nur halb so lang wie die ersten beiden. Ich höre sie als Bitte an mich: Bring diese Lücke in Bewegung. Füll sie mit deinem Leben. Mit deinen Ideen. Mit deiner Hoffnung.
Weil unsre Welt die Zeichen seiner Macht sah
über den Tod, die Angst und alle Lügen,
ist heute schon sein Wirken unaufhaltsam
und wird auf Dauer niemals unterliegen.
Und darum sind wir heute voller Hoffnung
und darum kämpfen wir heut‘ ohne Zittern
und darum blicken wir heut‘ voll Vertrauen
auf das, was kommt.
Musikangaben
Text: Frederico J. Pagura, 1979, Melodie: Homero R. Perera, 1979
Aufnahmen: Astor Piazolla, Libertango, Mailand 1974
Tenemos Esperanza
aus: 50 Anos Disco Conmemorativo (2013)
Interpreten: Grupo Evangélico Universitario (GEU)
Tenemos Esperanza, dt. Text: ÖRK
Durlacher Kantorei, Leitung und Klavier: Johannes Blomenkamp

Ein Sonntagnachmittag im Jahr 1958. Ein junger Mann macht eine Fahrradtour durch Holland, an Feldern und Obstwiesen vorbei – und wird dabei zu einem Lied inspiriert.
Solang es Menschen gibt auf Erden,
solang die Erde Früchte trägt,
solang bist du uns allen Vater;
wir danken dir für das, was lebt.
Der junge Mann ist Jesuit und auf dem Weg, Priester werden. Zu dieser Zeit kurz vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil bedeutete das noch, die Messe in einer feierlichen Liturgie auf Latein zu zelebrieren. Doch Huub Osterhuis, so heißt der junge Mann, sucht nach Worten, die die Menschen unmittelbar ansprechen – und die zugleich in der Bibel verwurzelt sind. „Solange die Erde besteht“, heißt es dort, „werden Aussaat und Ernte, Kälte und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht nicht aufhören“. Dieses Versprechen gibt Gott Noah nach der verheerenden Sintflut. Das Lied von Osterhuis lädt dazu ein diesem Gott des Lebens zu vertrauen. Das ist die elementare Botschaft der Bibel: Gott ist wie ein Vater für uns Menschen da. Mit seinem Wort möchte er mit den Menschen in Kontakt kommen, um seine Liebe und seinen Frieden mit ihnen zu teilen.
Solang die Menschen Worte sprechen,
solang dein Wort zum Frieden ruft.
Solang hast du uns nicht verlassen.
In Jesu Namen danken wir.
Das Lied ist schwungvoll, ein echtes Sommerlied. Diese Vertonung von Tera de Marez Oyen hat sicherlich zu der raschen Verbreitung dieses Liedes beigetragen wie auch die Übertragung ins Deutsche, die Dieter Trautwein, ein Freund von Osterhuis, gemacht hat.
Das Anliegen von Osterhuis, Menschen unmittelbar anzusprechen und zu erreichen, wurde durch das Zweite Vatikanische Konzil aufgegriffen. Die Messe wurde nun in der deutschen Sprache gefeiert, der Altar zu den Gläubigen hin ausgerichtet. Osterhuis hat mit seinen Liedern und anderen Texten zu einer verständlichen, ansprechenden und zugleich poetischen Sprache für den Glauben beigetragen. In seinen Liedern, die heute in evangelischen wie katholischen Gottesdiensten gerne gesungen werden, können sich viele wiederfinden. Osterhuis war es wichtig, dass die Menschen in der Liturgie Gott näherkommen und sie im Sakrament der Eucharistie die Verbundenheit mit Jesus und untereinander spüren können.
Du bist das Licht, schenkst uns das Leben,
du holst die Welt aus ihrem Tod,
gibst deinen Sohn in unsre Hände,
er ist das Brot, das uns vereint. (gesprochen + instrumental)
Osterhuis hat mit seiner Studentengemeinde in Amsterdam die Liturgie in sehr freier Weise gefeiert über die Grenzen der Konfessionen hinweg im gleichberechtigten Miteinander von Priester und Laien. Er träumte nicht nur von einer anderen, erneuerten Kirche. Er setze sie um. Doch das führte zum Konflikt mit seiner Kirche, die darin eine Preisgabe der Tradition sah. Als er den Zölibat in Frage stellte, kam es dann zum Bruch. Er wurde von seinem Orden ausgeschlossen und 1970 trat er schließlich aus der römisch-katholischen Kirche aus. Doch er blieb seiner Gemeinde verbunden, die sich als unabhängige, ökumenische Personalgemeinde gründete – die Ekklesia Amsterdam, die bis heute existiert.
Liturgie hat die Aufgabe, einen Raum zu schaffen, in dem wir Gottes Nähe erfahren können. Die Auseinandersetzungen darüber, welche Formen dem dienen, dauern bis heute an. Für mich gehören die Lieder, die im Gottesdienst gesungen werden, ganz wesentlich dazu. Gerade auch die Lieder von Osterhuis, die mir oft aus der Seele sprechen.
Osterhuis ist 2023 gestorben. So höre ich dieses Lied auch als Vermächtnis eines großen Theologen und Dichters, der zeitlebens darum gerungen hat, in unserer Sprache Gott einen Ort zu geben.
Darum muss jeder zu dir rufen,
den deine Liebe leben lässt.
Du Vater bist in unsrer Mitte,
machst deinem Wesen uns verwandt.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44779„Ach, wär jeder Odem ein Gesang!“ So heißt es an einer Stelle in dem bekannten Kirchenlied „O dass ich tausend Zungen hätte!“ In jedem Atemzug, bei jeder Gelegenheit ein Lied!
Vor 200 Jahren tauschten sich zwei Geschwister ständig über die Lieder und anderen Stücke aus, die beide komponierten. Der Unterschied: Felix Mendelssohn wurde ein bekannter Komponist. Aber dass seine ältere und ebenso begabte Schwester Fanny die Musik zum Beruf machen könnte – das konnte sich außer ihr selbst niemand vorstellen. Das kam damals für eine Frau einfach nicht in Frage. Erst heute werden ihre Werke immer häufiger aufgeführt. Damals blieben ihr nur die Gelegenheiten, die Familie und Gesellschaft ihr einräumten.
So hat sie zum ersten Geburtstag ihres Sohnes aus dem alten Kirchenlied eine Arie gemacht:
Musik
Äußerlich passt hier alles in den biedermeierlichen Rahmen, den ihre Zeit Fanny Mendelssohn Hensel zugesteht. Eine junge Mutter besingt ihr Glück. Doch das Lied sprengt diesen engen Rahmen auch und bekommt, wo sie die Sonne besingt, plötzlich dramatische Tiefe. Die Sonne ist keine Deko fürs Familienfest – sie ist das beeindruckendste von Gottes Schöpfungswerken. Das Blut der Sängerin pulsiert von der Freude, die sie empfindet und voller Leidenschaft besingt.
Musik
Und nun verlässt die Sängerin sogar das Fest. Sie läuft allein in die Wälder und über die Felder, fordert Blumen und Blätter auf, in ihr Lob einzustimmen.
Das kleine familiäre Glück bietet den Anlass, aber nicht den Grund für das überschwängliche Gotteslob. Denn einfach alles weist auf Gottes Größe hin – auch die kleinsten Blumen und unscheinbarsten Blätter.
Musik
„O wäre jeder Puls ein Dank!“
So klingt ein Glaube, der nicht nur für den Sonntag oder fürs harmonische Familienfest taugt. Jede kleinste Lebensregung wird für Fanny Hensel zum Lob Gottes. Dabei kannte sie nicht nur Freude und Glück. Als Tochter einer jüdischen Familie hat sie auch Einschränkung und Verfolgung erlebt. Und als Frau wurde sie beständig zurückgesetzt und hatte nur wenig Gelegenheit, ihr großes Talent zu entfalten. Doch genutzt hat sie jede Gelegenheit! Täglich. Stündlich. Mit jedem Atemzug. „Ach, wär jeder Odem ein Gesang!“
Musik
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Titel / Lied: „O dass ich tausend Zungen hätte“ (Lobgesang, Fanny Mendelssohn Hensel)
Komponist:
T: Johann Mentzer
M: Fanny Mendelssohn Hensel
Musikquellen
Musik: Nr. 4: O daß ich tausend Zungen hätte. Aria aus: Lobgesang – Kantate für Sopran, Chor und Orchester; Kantaten – Orgelwerke; Hensel, Fanny; Mentzer, Johannes; Krämer, Michaela; Kammerchor der Universität Dortmund; Florilegium Musicum; Gundlach, Willi
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44820Musik: Amsel aus „Chants doiseaux“
Singvögel haben den französischen Komponisten Olivier Messiaen so sehr fasziniert, dass sie in vielen seiner Werke auftauchen. Er war davon überzeugt: "Der Gesang der Amsel übertrifft an Fantasie die menschliche Einbildungskraft". In den „Chants d’oiseaux“ (also: den „Gesängen der Vögel“) hat er die Amsel neben drei anderen Vögeln an der Orgel dargestellt, hier in einer Aufnahme von ihm selbst gespielt:
Musik: Amsel Teil 2
Messiaen hat das Stück inmitten der Vögel im Wald geschrieben. Er sagt: „Ich verwende den Gesang der Vögel, weil für mich diese Tiere auf Erden die größten Komponisten sind – sehr viel größer als die Menschen. Die Vögel haben alles erfunden: […] den Gregorianischen Gesang, die Vierteltöne […], sogar die Kollektivimprovisation […]. Ich war immer der Auffassung, dass sie die größten Lehrmeister sind.“
Und so verbringt der Komponist viele Stunden im Wald, ein Aufnahmegerät und Notenpapier unterm Arm. Er hört ihnen zu und komponiert ihre Gesänge nach. Hier sein Rotkehlchen:
Musik: Rotkehlchen
Für Messiaen war der Gesang der Vögel mehr als nur eine faszinierende Abfolge von Tönen. Sie bringen Leichtigkeit in seine Lebenszeit, die Messiaen oft als müde und traurig empfindet. Vögel aber, sagt er, sind wie „unser Wunsch nach Licht, Sternen, Regenbögen und jubilierenden Vokalisen!"
Musik: Rotkehlchen Teil 2
Olivier Messiaen hat gesagt, dass er gern aus zwei Büchern etwas über Gott liest: aus dem Buch der Bibel und aus dem Buch der Natur. In Psalm 148 kann man lesen, dass die Vögel mit ihren Stimmen Gott loben, und im Buch Hiob erzählen sie von Gottes Schöpfermacht. Messiaen ist so fasziniert von diesen Gedanken, dass er nach Israel reist, um dort die Vögel so zu hören, wie Jesus sie damals singen gehört haben mag, etwa so wie diese nachgeahmte Singdrossel:
Musik: Singdrossel
In der Bibel werden Vögel, die schützend ein Nest mit ihren Jungen umflattern, sogar zu einem Bild für Gott selbst, der sich um seine Menschen sorgt. Messiaen hat an den Vögeln, die eine solche Vielfalt an Klängen produzieren, abgelesen: Mindestens so kreativ ist der Schöpfergott selbst! Er schreibt: "Eine Amsel und eine einzelne Nachtigall improvisieren hoch oben in den Bäumen, umgeben von klingendem Blütenstaub und von einem Lichthof aus verlorenen Trillern. Übertragen Sie das auf die religiöse Ebene, und Sie werden die Stille der Himmelsharmonien vernehmen!"
Musik: Nachtigall
Wenn ich heute einen Sonntagsspaziergang mache, werde ich an diese Nachtigall von Messiaen denken und noch einmal viel tiefer hinhören auf den Gesang der Vögel. Ich will mich dabei mit meiner Sehnsucht verbinden: nach Licht, Sternen, Regenbögen und nach Gott selbst.
Musik: Nachtigall
Quelle: Olivier Messiaen, Chants d‘oiseaux
CD Olivier Messiaen, Livre d’orgue 7 Stücke für Orgel, Olivier Messiaen, Nr. 4: Chants d'oiseaux. Modéré
ARD Archiv-Nr: M0060583
T: / M: Olivier Messiaen
https://www.kirche-im-swr.de/?m=44703Noch bevor ich sie sehe, höre ich sie: die Bläserinnen und Bläser des Posaunenchores. Dann sehe ich auch das glänzende Messing ihrer Instrumente durch das Grün der Blätter schimmern. Eine bunte Gottesdienstgemeinde aus Jungen und Alten hat sich unter dem schützenden Blätterdach mächtiger Buchen versammelt und feiert einen Gottesdienst im Grünen.
Mir gefällt es, draußen in der Natur unter freiem Himmel Gottesdienst zu feiern. Statt fester Kirchenbänke: bewegliche, wetterfeste Sitzplätze. Statt eines stabilen Daches über den Köpfen: ein Blätterdach aus belaubten Baumkronen. Ganz vorne: ein improvisierter Altar mit einem Holzkreuz und zwei Kerzen. Dazu der morgendliche Gesang der Vögel. Die sanfte Bewegung der Blätter. Die Kühle eines Sommermorgens...
Der Theologe und Autor Jörg Zink hat diese besondere Morgenstimmung in Worte gefasst. Die Melodie hatte er in einem alten Tanzlied aus Italien gefunden und sich vom Schwung der Melodie inspirieren lassen zu einer eigenen Textfassung. So ist aus dem poetischen Zusammenspiel der Worte und dem Dreivierteltakt der Melodie ein beschwingtes Morgenlied geworden.
Dich rühmt der Morgen. Leise, verborgen
singt die Schöpfung Dir, Gott, ihr Lied.
Es will erklingen in allen Dingen
und in allem, was heut geschieht.
Du füllst mit Freude der Erden Weite,
gehst zum Geleite an unsrer Seite,
bist wie der Tau um uns, wie Luft und Wind.
Sonnen erfüllen Dir Deinen Willen,
sie geh´n und preisen mit ihren Kreisen
der Weisheit Überfluss, aus dem sie sind.
Darf man in Zeiten des überall spürbaren Klimawandels so poetisch von der Schöpfung sprechen? Ich glaube, man muss es! Um immer wieder daran zu erinnern, dass Menschen den Auftrag haben, die Schöpfung zu schonen, nicht zu plündern. Nicht an den kurzfristigen Vorteil zu denken, sondern an die Generationen, die nach uns kommen. Das kalte Kalkül, mit dem die Natur lediglich als Ressource für wirtschaftlichen Gewinn gesehen wird, führt in der Konsequenz zu dem überhitzen Planeten, wie wir ihn dieser Tag erleben.
Gottes gutes Wort aber, von dem in der nächsten Strophe des Liedes die Rede ist, sein Segen, der Mensch und Tier versprochen ist, bewährt sich gerade dort, wo Menschen mit Respekt und Dankbarkeit mit dem umgehen, was ihnen gegeben und anvertraut ist.
Du hast das Leben allen gegeben,
gib uns heute Dein gutes Wort.
So geht Dein Segen auf unsern Wegen,
bis die Sonne sinkt, mit uns for.t
Du bist der Anfang, dem wir vertrauen,
Du bist das Ende, auf das wir schauen,
was immer kommen mag, Du bist uns nah.
Wir aber gehen, von Dir gesehen,
in Dir geborgen, durch Nacht und Morgen
und singen ewig Dir: Halleluja
Unter einem Baum habe ich mir ein schattiges Plätzchen gesucht. Und habe mich mitnehmen lassen vom Schwung dieses Morgenliedes: „Leise, verborgen singt die Schöpfung Dir, Gott, ihr Lied. Es will erklingen in allen Dingen und in allem, was heut geschieht.“
Das wünsche ich Ihnen an diesem Sonntagmorgen, dass das Lied der Schöpfung Sie zuversichtlich hineintanzen lässt in die neue Woche.
CD: genesis brass, Choralfantasien, Track 14, In dir ist Freude, Gerth Medien 2009, LC13743
„Dich rühmt der Morgen“, Aufnahme beim Chorfest in Ettlingen, Achim Plagge
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