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SWR4 Abendgedanken
Das Feuer lodert ruhig vor sich hin. Mal raucht es stark, dann wieder große Flammen. Gemeinsam sitzen mein Mann und ich um die Feuerschale auf unserer Terrasse und beobachten das Züngeln der Flammen. Der Geruch von verbranntem Holz lässt mich dabei immer an mein Auslandsjahr vor knapp 20 Jahren in Schweden denken. Bei meinen Gasteltern hat das ganze Haus immer nach verbranntem Holz gerochen – kein Wunder, denn der offene Kamin brannte gefühlt die Hälfte des Jahres. Ich verbinde diesen Geruch deshalb mit nach Hause kommen, Gemütlichkeit und Wohlig-Sein.
Doch Feuer kann auch bedrohlich sein und Leben zerstören, wie der Prophet Joel zu Beginn des Prophetenbuches beschreibt. Dort schreibt Joel: Zu dir rufe ich, HERR; denn Feuer hat das Gras der Steppe gefressen. Die Flammen haben alle Bäume auf dem Feld verbrannt. Auch die Tiere auf dem Feld schreien lechzend zu dir; denn die Bäche sind vertrocknet.“ (Joel 1,19-20)
Diese Worte lassen mich an diverse Waldbrände denken, die auch in diesem Jahr wieder verschiedene Regionen in der Welt niedergebrannt haben. Es ist die erschreckende andere Seite des Feuers. Die verzehrende Seite.
Auch bei Joel geht es um diese zerstörerische Seite des Feuers: Das Buch beginnt mit dem Rückblick auf eine wirtschaftliche Notsituation. Doch Joel hat eine Idee, wie man gemeinsam diese Misere beenden kann. Joel ist ein Prophet. Das heißt er vermittelt zwischen Gott und den Menschen. Er ist eine Art Botschafter und für ihn ist klar: Die Menschen sollen sich in ihrer Not an Gott wenden. Joel ist sich sicher: sobald die Menschen wieder auf Gott vertrauen und zu ihm beten, wird alles gut werden. Und tatsächlich: Gott sieht die Not der Menschen.
Der Prophet Joel behält also recht: Das Volk kehrt um und Gott wendet die Not zum Guten. Er schenkt Regen, um die Brände zu löschen. Das Volk feiert und jubelt daraufhin über Gottes Wirken. Gemeinsam singen sie: „Juble vor Freude, denn der Herr hat Großes getan! Denn er sorgte für Regen im richtigen Maß.“ (Joel 2,23)
In dieser biblischen Geschichte findet also alles ein gutes Ende. Das Feuer wird gelöscht. Die große Not abgewandt, weil Gott durch Regen im richtigen Maß hilft.
Die Worte des Propheten Joel ermutigen mich. Sie erinnern mich daran, dass Gott die Nöte der Welt sieht. Nicht immer erkenne ich direkt, wie er hilft, doch ich weiß, dass ich mich jederzeit an ihn wenden kann. Dass er niemanden in der Not alleine lässt. Selbst wenn alles hoffnungslos erscheint.
Mareike Nix, Leinfelden-Echterdingen, Evangelisch-methodistische Kirche
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Es gibt Momente im Leben, da schaut man zurück: Ich frage mich, was ist mir in meinem Leben bisher gelungen? Was misslungen? Wo sind Lebensträume in Erfüllung gegangen und wo sind sie wie Seifenblasen geplatzt? Für mich ist dieses Revuepassieren lassen eine Art inneres Aufräumen. Zurückzuschauen hilft, um Gegenwärtiges besser zu verstehen oder einordnen zu können. Auch der Apostel Paulus schaut immer mal wieder auf sein Leben zurück.
Paulus hatte ein sehr bewegtes Leben. Als junger Mann hat er die Christen verfolgt. Doch dann ändert sich sein Leben komplett. Bei der Stadt Damaskus hat er eine Vision. Jesus begegnet ihm. Er wird Christ. In einem seiner Briefe schreibt er, was das für ihn bedeutet hat, den christlichen Glauben kennenzulernen. Er fällt ein hartes Urteil: „Alles, was mir damals als Vorteil erschien, sehe ich jetzt – von Christus her – als Nachteil.“
Wie kommt Paulus zu solch einer negativen Lebensbilanz? Liegt es daran, dass er gerade mal wieder im Gefängnis sitzt und nicht weiß, wie lange er noch zu Leben hat? Oder liegt es an der krassen Lebenswende, die er vollzogen hat? Holt ihn das jetzt ein? Sozusagen zwischen zwei Glaubenstraditionen zu leben?
In verschiedenen Briefen schreibt Paulus begeistert und engagiert darüber, was dieses Erlebnis bei Damaskus für ihn bedeutet: „Christus ist mein ganzer Gewinn.“ Was für eine starke Aussage. Klar und prägnant. Scheinbar kein Funke des Zweifels. Oder findet Paulus hier gerade so deutliche Worte, um sich selbst zu überzeugen? Will er sich ganz sicher sein, dass er in seinem Leben für die richtige Sache gekämpft hat?
Alles andere ist zum Nachteil und wertlos geworden. Ich könnte auch sagen: es ist Paulus verloren gegangen. Und dann schwingt da auf einmal ein wenig Melancholie mit. Kein Wunder: Vermutlich hat Paulus ab und zu seinen Wurzeln nachgetrauert – oder versucht ihnen weiterhin treu zu bleiben. Gleichzeitig hat er viel aufgeben müssen, durch seine Bekehrung zum Christen. Seine alten jüdischen Freunde wollten sicherlich nichts mehr von ihm wissen. Liebgewonnenes musste er loslassen. Sowas tut weh. Auch wenn man „innen drin“ weiß, dass es nicht mehr passt. Dass es gut so ist, weil man sich selbst eben verändert hat. Doch es ist und bleibt eben ein Abschied vom Gewohnten. Trotz aller Melancholie bleibt Paulus aber seinem neuen Weg treu. Er baut auf Christus und bekennt: „Zu ihm will ich gehören.“ Ich finde das bewundernswert.
Mareike Nix, Leinfelden-Echterdingen, Evangelisch-methodistische Kirche
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Seite für Seite blättere ich durch mein erstes Fotoalbum. Meine Eltern haben es für mich gestaltet und es zeigt grob mein gesamtes erstes Lebensjahr: Es beginnt bei meiner Geburt, zeigt erste Entdeckungen in der Welt und Bilder von meiner Taufe… Daneben ist meine Taufpredigt eingeklebt.
Als Teenagerin habe ich auch mal durch dieses Album geblättert Ich erinnere mich noch sehr gut daran. Und ich war damals sehr erstaunt, als ich dort meinen Taufspruch las: „Gott ist die Liebe und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“ Bis dahin war mir nicht klar, dass ausgerechnet dieser Vers aus der Bibel mein Taufspruch ist.
Ich habe mich gefreut, denn dieser Bibelspruch gehört auf jeden Fall zu meinen Favoriten aus der Bibel. Schon als Teenie habe ich mich gefragt, ob das Zufall ist. Ich weiß es nicht. Für mich ist es schlicht eine gute Fügung, dass, mir mein Taufspruch so gut gefällt. Er begleitet mich bis heute:
Wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. Für mich heißt das: immer, wenn ich liebe, ist Gott mit mir verbunden, denn Gott ist die Liebe. Ist. Kein „könnte sein“ oder „teilweise“, sondern schlicht und klar: er ist Liebe. Gott verkörpert selbst die Liebe. Er legt damit die Grundlage dafür, dass wir Menschen uns gegenseitig lieben können. Dadurch verbindet er uns Menschen miteinander.
Und mehr noch: aus der Liebe zweier Menschen kann neues Leben entstehen. Das ist ein Wunder. Ein Geschenk Gottes.
Für mich heißt das: Wir Menschen sind also „Handlanger und Multiplikatoren, Umsetzer und Transformatoren der Liebe Gottes.“ Und zwar unabhängig davon, ob wir Kinder haben oder nicht. Lieben kann schließlich jede und jeder. Alt und Jung. Menschen, die selber Kinder haben oder Menschen, die keine Kinder haben.
Mir gefällt das. Denn immer, wenn ich einen anderen Menschen liebe, begegnet mir dabei Gott. Auf ganz wundersame Weise. Tolle Begegnungen können daraus entstehen. Ich finde, da lohnt es sich gleich doppelt, zu lieben und respektvoll miteinander umzugehen.
Mareike Nix, Leinfelden-Echterdingen, Evangelisch-methodistische Kirche
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„Es wird schon wieder richtig früh dunkel. Daran habe ich mich noch nicht gewöhnt“ – das hat letztens eine Freundin zu mir gesagt und ich versteh sie so gut. Mir geht es genauso. Ich bin ein echter Licht-Mensch. Ich brauche Licht, um gut drauf zu sein. Dunkelheit dagegen bedrückt mich. Macht mich manchmal auch traurig oder depri. Ich kenne viele, denen es genauso geht. Vielleicht heißt es gerade deshalb in der Bibel: Jesus ist das Licht der Welt.
Wie das genau gemeint ist, zeigt mir die Geschichte von Zacharias. Neun Monate war er verstummt, weil er dem Engel Gabriel nicht glaubte, dass er Vater werden würde. Doch jetzt kann er endlich wieder sprechen. Die Worte brechen nur so aus ihm heraus: „Unser Gott hat ein Herz voll Erbarmen. Darum kommt uns das Licht aus der Höhe zur Hilfe. Es leuchtet denen, die im Dunkel und im Schatten des Todes leben. Es lenkt unsere Füße auf den Weg des Friedens.“(Lukas 1,78+79)
Zacharias erlebt hier gerade sein ganz persönliches Wunder: Gott hat sich ihm ganz persönlich zugewandt. Sein Leid erkannt und sein Gebet erhört. Ihm wirklich einen Sohn geschenkt. Zacharias ist glücklich und dankbar. Er lobt Gott dafür. Neun Monate war er notgedrungen in sich gekehrt. Schweigen war angesagt. Ich stell mir das echt herausfordernd vor. Ich selbst war vor einigen Jahren mal in einem Schweigekloster. Schon fünf Tage haben ausgereicht, um die Welt mit ganz neuen Augen zu sehen. Wie das wohl nach neun Monaten war?
Zacharias jedenfalls erkennt in dieser Wartezeit, dass den Menschen das Licht aus der Höhe zur Hilfe kommt. Für Zacharias ist das eine Freudenbotschaft, denn es zeigt ihm: „unser Gott hat ein Herz voll Erbarmen“. Gott erbarmt sich. Er wendet sich den Menschen zu: Alle sind ihm wichtig. Er macht sich auf den Weg und kommt als Licht auf die Erde, um das Dunkel zu erhellen. Und mehr noch: er lenkt unsere Füße auf den Weg des Friedens.
Licht und Frieden. Genau das braucht die Welt gerade, wo eine Krise, die nächste jagt und so vieles im Umbruch ist. Mich spricht diese Nachricht deshalb total an: Gott kommt als Licht aus der Höhe auf die Erde. In Jesus wurde er Mensch. Er macht sozusagen das Licht auf der Erde an. Geht mit mir in allem Auf und Ab. Ich find das super.
Mareike Nix, Leinfelden-Echterdingen, Evangelisch-methodistische Kirche
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Mir fällt es aktuell schwer die Nachrichten zu verfolgen. Egal, auf welchem Sender, ob im Fernsehen, im Radio oder in der Zeitung: überall sind die zentralen Themen der Nachrichten momentan: Krieg, Aufrüstung oder die Einweihung neuer Standorte für Kriegsmaschinerie. Mich verunsichert und ängstigt das. Krieg will keiner und doch wird aufgerüstet – auch in Deutschland.
„Wir rüsten nur zur Abschreckung auf.“ Das sagen die Verantwortlichen in Politik zu ihrer Verteidigung für diese Maßnahmen. Aufrüstung zur Abschreckung? Das soll funktionieren? Ich glaube das nicht. Gerade als Christin will ich mich für den Frieden einsetzen und nicht für Aufrüstung. Oder wie sagte Margot Käßmann einmal trefflich: „Mir ist kein Krieg bekannt, der durch mehr Waffenlieferungen gestoppt wurde.“
Mir auch nicht und deshalb setze ich lieber auf andere Hilfe: auf Gott. So wie es der Psalmbeter in Psalm 46 tut, wenn er betet: „Gott ist unsre Zuversicht und Stärke.“
Vielleicht klingt das utopisch oder zu blauäugig, auf Gott zu setzen. Aber ich bin überzeugt, dass wir Menschen andere Wege wagen müssen, um Frieden in die Welt zu bringen. Warum also nicht auf Gott setzen? Mal wieder beten. Gott all mein Leid sagen und was mich ängstigt? Ihn um Frieden bitten und um Weisheit für die Menschen in Regierungen und Politik?
Gott verspricht den Menschen in der Bibel allumfassenden Frieden. Es geht also nicht nur darum, dass Völker in Frieden zusammenleben. Es geht darum, dass Menschen ganz von Frieden erfüllt sind.
Ich weiß, dass wir davon aktuell meilenweit entfernt sind, doch ich will die Hoffnung darauf nicht aufgeben, denn ich bin überzeugt: wir brauchen Friedensvisionen. Und deshalb baue ich mein Leben gerne auf Gott und auf seine Friedensvision. Ich setze meine Zuversicht auf ihn, denn er gibt mir Kraft und Stärke für jeden neuen Tag: Ermutigt mich, wenn ich nicht mehr weiterweiß. Begleitet mich, wenn ich einsam bin, und lässt mich spüren, dass er das Beste für mich will.
Der Psalmbeter hat das bereits vor tausenden von Jahren ebenso erkannt. Auch er baut auf Gott. Vertraut ihm seine Wege an und wird mir so zum Vorbild. Ich weiß nicht, ob der Psalmbeter ein rundum gelungenes Leben geführt hat, doch ich bin überzeugt, dass Gott mit ihm ging. Jederzeit. In unruhigen Zeiten und im Frieden, denn Gott war seine Zuversicht und seine Stärke.
Mareike Nix, Leinfelden-Echterdingen, Evangelisch-methodistische Kirche
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Alles erlaubt, oder?
Manchen Eltern oder Großeltern stellen sich vermutlich gerade die Nackenhaare auf – nicht auszudenken, wenn den Kids alles erlaubt wäre. Manchmal braucht es doch Grenzen und Regeln, damit nicht völliges Chaos ausbricht…
Paulus hat zwar keine Kinder, aber seine Gemeindeglieder sind für ihn sowas wie Kinder. Er kennt das also. Er ist Apostel und schreibt diesen Satz in einem Brief an die Korinther: „Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist mir erlaubt, aber nichts soll Macht haben über mich.“ (1. Kor 6,12)
Als ich diese Briefzeilen das erste Mal gelesen habe, dachte ich spontan: „Wow, was für ein überraschender Satz, der hier in der Bibel steht.“, denn ganz ehrlich: Das klingt irgendwie so gar nicht nach Christ-Sein. Viele Menschen verbinden mit Christen und Kirche ja gerade, dass nicht alles erlaubt ist…
Als ich den Vers dann in einer anderen Bibelübersetzung gelesen habe, wurde ich enttäuscht. Da hieß es auf einmal: „Ihr sagt: ‚Ich darf alles!‘ – Aber das heißt doch nicht, dass auch alles gut für euch ist.“ Das klingt jetzt völlig anders. Und doch ist diese Übersetzung viel näher am Urtext und damit die richtige…
Also doch wieder alles verboten? Typisch langweiliges Christ-Sein eben?
Nein. Ich glaube, Paulus geht es hier um das richtige Maß und Ziel. Und dazu zählt er zunächst erstmal ausführlich sämtliche Missstände in der Gemeinde auf. Diese Zeilen entstehen im damaligen Kontext. Manches erscheint mir heute dabei fremd. Doch ich bin überzeugt: Paulus schreibt diese Worte nicht, um alles zu verbieten, sondern um klarzumachen: Als gläubige Menschen soll euer gesamtes Leben dem Herrn dienen. Und dafür müsst ihr euch entsprechend verhalten…
Für mich als Christin heißt das, dass ich mich zukünftig immer mal wieder frage: Dient mein Handeln zum Guten oder lass ich mich von falschen Überzeugungen leiten? Und dann will ich entsprechend handeln. Denn alles ist mir erlaubt. Vorausgesetzt, es dient zum Guten.
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„Auch große Fußstapfen haben mal klein angefangen.“ Dieser Satz stammt aus einer Werbung, die ich letztens zufällig gelesen habe. Wie wahr – und doch vergisst man das allzu oft. „Auch große Fußstapfen haben mal klein angefangen.“ Diese Weisheit ist uralt. Schon in der Bibel gibt es Geschichten, die davon erzählen, wie schwer es sein kann, eine Nachfolge anzutreten, also in große Fußstapfen zu treten.
Ich denke da zum Beispiel an Josua. Josua soll Mose in seinem Amt beerben. Mose hat das Volk aus der Sklaverei in Ägypten geführt. Danach ist das Volk 40 Jahre mit ihm an der Spitze durch die Wüste gewandert. Mose ist in der Bibel also ein wichtiger Mann. Doch jetzt ist er tot.
Vermutlich zum Erstaunen vieler beruft Gott den jungen Mann, Josua, als Nachfolger. Keine leichte Sache für ihn. Sicherlich war es damals nicht anders als heute… Die einen waren dankbar, dass endlich mal wer jüngeres ran darf. Sie haben auf einen moderneren Leitungsstil oder schlicht neue Impulse gehofft. Vielleicht haben sie auch gehofft, dass es endlich mal wieder vorwärtsgeht. Und andere haben vielleicht eher noch an das gedacht, was passiert war, was Mose alles geleistet hatte und haben um ihn und die guten alten Zeiten getrauert.
Wie gut, dass Josua sich nicht allein gegen das Volk durchsetzen muss. Gott ist an seiner Seite und er gibt Josua einen Segen mit auf den Weg: „Sei mutig und entschlossen! Hab keine Angst und lass dich durch nichts erschrecken; denn ich, der Herr, dein Gott, bin bei dir, wohin du auch gehst!“
Was für ein genialer Zuspruch! Kein Wunder, dass auch heute viele Menschen diesen Vers als Tauf- oder Trauspruch wählen. Es sind starke Worte.
Vor tausenden Jahren haben sie Josua Kraft gegeben und heute, wenn ich diese Worte in der Bibel lese, ermutigen sie mich. Sie motivieren mich, mir Großes zuzutrauen. Denn ich bin überzeugt: so wie Gott Josua beistand, steht er jedem Menschen bei. Vielleicht bin ich mir dessen nicht immer bewusst, aber glauben will ich es: Gott geht mit. Jeden Tag. In diesem Wissen gehe ich mutig und entschlossen meinen Weg.
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„Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ In großen Lettern stehen diese Worte auf der Fassade an einem Mehrfamilienhaus in Echterdingen. Bei einem Abendspaziergang bin ich letztens mal wieder an diesem Haus vorbeigekommen. Ich kenne dieses Haus. Bin schon unzählige Male daran vorbeigelaufen. Trotzdem spricht mich dieser Vers auf der Fassade immer wieder aufs Neue an. Und jedes Mal frage ich mich: Warum haben die Hausbesitzer wohl ausgerechnet diesen Bibelvers gewählt? Was hat ihnen an diesen Worten so gut gefallen, dass sie ihn an die Hausfassade geschrieben haben?
„Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Jesus sagt dieses Wort in der Bibel zu einem Gelehrten, der sich in der Schrift sehr gut auskennt. Er will von Jesus wissen, was er tun muss, um richtig nachzufolgen. Jesus antwortet ihm mit Worten aus der Tora: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft und deinem ganzen Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst“. Der Gesetzeslehrer ist damit im ersten Moment nicht zufrieden, denn wer ist denn mein Nächster?
Es folgt die Beispielgeschichte des barmherzigen Samariters. Einem Mann, der unabhängig von gesellschaftlichen Normen einem überfallenen Mann hilft. Geld gibt, damit er gepflegt werden kann. Sich für ihn einsetzt. Die Geschichte macht klar: Mein Nächster ist immer die Person, die gerade meine Hilfe am nötigsten hat. Und damit wird jeder Mensch zu meinem Nächsten.
Ich finde es mutig von den Hausbesitzern, dass sie dieses Bekenntnis so klar und deutlich an die Hauswand schreiben. Sie zeigen damit eindeutig, was sie glauben und dass jeder Mensch wertvoll ist.
„Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ – der Satz ist kurz. Die Botschaft eindeutig. Damit kann jeder etwas anfangen. Egal ob Christ oder nicht – und damit haben diese Hausbesitzer genau die richtigen Worte gewählt. Worte, die die Kraft haben, die Welt ein bisschen besser zu machen. Mir gefällt das.
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Die Trommelschläge schlagen beständig ihren Rhythmus. Das Klavier setzt mit ein und die Posaunen strahlen mit ihrem Klang darüber. Der Sänger singt voller Leidenschaft auf Spanisch. Langsam beginne ich mich im Rhythmus zu bewegen. Bei Salsa-Musik kann ich gar nicht anders. Ich muss einfach tanzen. Egal ob bei einem Live-Konzert oder aus der Konserve. Mit Partner oder allein. Schritt vor. Schritt zurück. Eine Drehung…
Tanzen gehört zu meinem Leben dazu. Begonnen habe ich in der dritten Klasse. Mit modern dance, jazz-Dance und HipHop. Später folgten die Klassiker: Walzer, ChaCha, Jive und schließlich Salsa. Salsa bin ich treu geblieben – bis nach meinem Studium eine vollkommen tanzlose Zeit folgte. Erst Jahre später habe ich gemerkt: Mir fehlt das Tanzen.
Zusammen mit meinem Mann habe ich deshalb wieder angefangen zu tanzen. Natürlich Salsa. Und es macht einfach Spaß! Es tut mir gut. Sich im Rhythmus zu bewegen – das ist für mich Lebensfreude pur. Und ich verstehe, warum in der Bibel die Leute immer vor Freude tanzen. Sie loben dadurch Gott und freuen sich ihres Lebens. Wenn sie tanzen, zeigen sie damit allen Menschen, wie glücklich und hoffnungsvoll sie sind.
So wie bei Jeremia. Er ist ein Prophet und meistens muss er dem Volk vor allem Unheil ankündigen. Doch dann nach sehr viel Leid verspricht er dem Volk Gottes auf einmal: „Gott, der Herr befreit Euch. (…) Nie mehr wird es Euch an etwas fehlen. Die Mädchen werden vor Freude tanzen. Jung und Alt werden miteinander lachen. Ich werde ihre Trauer in Freude verwandeln. Ich werde sie trösten und sie von ihrem Kummer befreien.“ (vgl. Jeremia 31, 12+13)
Was für ein tolles Bild: Menschen tanzen und vergessen dabei ihr Leid. All ihr Kummer verfliegt. Mit jeder Drehung. Mit jedem Tanzschritt. Durch das Tanzen werden sie glücklich. Und weil sie glücklich sind, tanzen sie. Es funktioniert in beide Richtungen.
Für mich heißt das, dass es sich immer mal wieder lohnt zu tanzen. Es tut mir gut und ich diene Gott. Tanze ich voller Hingabe, freue ich mich über mein Leben. Ich glaube: Besser kann ich Gott gar nicht danken…
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Langsam tritt mein Fuß das Pedal durch und ich höre das beständige Geknatter und Surren meiner Nähmaschine. Ich liebe es zu nähen und es fasziniert mich zu sehen, wie Schritt für Schritt ein neues Kleidungsstück entsteht.
„Kleider machen Leute“, sagt der Volksmund. Vermutlich kannten weder der Apostel Paulus noch seine Schüler diesen Spruch – trotzdem verwenden sie das Bild eines Kleides in einem ihrer Briefe. Für Paulus steht fest: nicht nur Kleider machen Leute, sondern als Menschen kleiden wir uns im übertragenen Sinne mit verschiedenen Eigenschaften. Das imaginäre Kleid besteht für ihn aus Erbarmen, Güte, Demut, Freundlichkeit und Geduld. Diese Eigenschaften sind sozusagen die verschiedenen Stofflagen des Kleides.
Ich finde das einen schönen Gedanken, Freundlichkeit oder Geduld anzuziehen. Mich damit zu bekleiden. Mich ganz von diesen „Stofflagen“ umhüllen zu lassen. Es verändert mich. Genau wie echte Kleidung Menschen verändern kann. Läuft eine zum Beispiel immer in Jeans und T-Shirt herum, sieht sie ganz anders aus, wenn sie auf einmal ein Abendkleid mit High Heels trägt.
Paulus kennt sowas auch. Deshalb ist es ihm so wichtig, sich mit guten Eigenschaften zu bekleiden. Er ist überzeugt: so verändere ich mein Umfeld. Ich wirke positiv auf meine Mitmenschen ein. Und vielleicht ermutige ich sie sogar dazu, sich selber mit guten Eigenschaften zu kleiden. Deshalb sagt er: Kol 3,13-14 Ertragt euch gegenseitig und vergebt einander, wenn einer dem anderen etwas vorwirft. Vor allem aber bekleidet Euch mit der Liebe.
Denn auf die Liebe kommt es an: Als Paulus diesen Brief schreibt, gab es keine Maßanfertigungen. Kleider waren weite Gewänder aus verschiedenen Stofflagen. Passend gemacht wurden sie durch einen Gürtel, der über alle Schichten zuletzt angelegt wurde. Erst dadurch bekam das Gewand eine Form. Die Liebe ist dieser Gürtel. Erst mit der Liebe wird es möglich sich zu verbinden, sich gegenseitig anzunehmen – und manchmal eben auch sich zu ertragen.
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