Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Haben Sie einen Organspendeausweis? Aus irgendwelchen Gründen habe ich die Entscheidung immer wieder beiseite gelegt.
Bloß: wenn man sie immer wieder vor sich her schiebt, dann könnte es passieren, dass man damit seine Angehörigen in eine ganz ganz schwierige Situation bringt. Dass sie nämlich im Ernstfall gefragt werden, ob sie einer Organentnahme zustimmen. Und diese Entscheidung kann man niemand anderem zumuten. Mir ist klar geworden. Ich muss da jetzt selber dran.
Will ich das oder will ich das nicht? Bestimmen, dass mir im Fall meines Todes, meine Niere oder mein Herz, oder meine Hornhaut entnommen werden kann?
Vorschreiben kann einem diese Entscheidung niemand. Oder Druck machen: Etwa so, ‚wenn Du dich gegen die Organspende entscheidest, dann bist Du nicht menschlich oder christlich.' Ob ich meine Organe spenden will oder nicht, bleibt meine und Ihre Entscheidung
Und sie ist nicht leicht. Habe ich gespürt.
Auch für mich als Christenmensch liegt die Antwort nicht einfach auf der Hand: Ich muss Gedanken abwägen, die auch miteinander streiten. Mal abgesehen von den Gefühlen, die bei so einer Entscheidung auch stark mitreden.
Auf der einen Seite: Darf ich Organe von mir frei geben? Soll ich über meinen Körper einfach so verfügen? Ich habe ihn mir nicht selber gegeben. Gott hat mich als ganzen Menschen geschaffen. Mit Leib und Seele. Mein Körper ist ja kein Ersatzteillager. Und mancher fragt sich vielleicht auch: Wie ist das bei der Auferstehung? Werden dann die Organe fehlen? Ich glaube, darum brauchen wir uns nicht sorgen. Auferstehung bedeutet: Gott wird etwas Neues aus mir machen. Mich verwandeln. Dazu braucht er meinen irdischen Körper nicht.
Auf der anderen Seite ist es großartig, dass ich als Mensch anderen Menschen helfen kann. Wir können etwas von uns geben und damit anderen gut tun. Das gilt im Kleinen und im Großen. Wir können Leben teilen. Und das etwas sehr Schönes, was sehr Menschliches und vor allem auch etwas zutiefst Christliches. Und wenn das im Leben so ist, dann gilt das doch auch im Tod. Jesus hat mal gesagt: „Es gibt nichts Größeres als sein Leben zu geben für seine Freunde". Von daher: Wenn ich mit meinen Organen anderen Menschen etwas geben kann, das ihnen Leid erspart, ihr Leben verlängert, neue Lebensqualität schenkt. Dann darf ich das und sollte es vielleicht auch.
Aber wie gesagt: Niemand kann und darf Ihnen und mir diese Entscheidung vorschreiben. Aber abnehmen kann sie uns auch niemand. Ich glaube, es ist wichtig, dass man sie trifft.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=9467