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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Der Oktober ist Erntedankzeit. Das weiß man nicht erst seit jenem Gedicht über den „Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland", das man einst in der Schule auswendig lernte. Dieser Herr verschenkte gern eine seiner leuchtend-gelben  Birnen und nahm sogar noch eine Birne mit ins Grab. Dass der Oktober Erntedankzeit ist, weiß man auch deshalb, weil Erntedankfeste gefeiert werden.

Um ernten zu können, braucht es das Zusammenspiel unterschiedlichster „Kräfte". Äcker, Bäume und Sträucher sollen Früchte tragen. Wachstumsgrundlagen müssen vorhanden sein! Früchte wachsen nicht im luftleeren Raum. Sie brauchen die Umgebung, in der sie reifen, wachsen, gedeihen können.  

Und Früchte brauchen auch den Menschen, der die Lebensgrundlagen bearbeitet. Wer einmal gesehen hat, wieviel Arbeit ein Landwirt in seine Äcker und Obstwiesen oder ein Winzer in seinen Weinberg investiert, kann sich nur dankbar über deren Arbeit freuen. Bäume, Sträucher und Reben müssen gehegt und gepflegt, beschnitten und veredelt werden, um ein gutes Ernteergebnis zu erzielen. Böden müssen gepflügt, geeggt, gedüngt und eingesät werden, bevor Pflanzen treiben und wachsen. Ein oft schwierig-zeitintensives Geschäft legt die Grundlage für unsere Erntedankfeiern.

Dennoch liegt es nicht nur am Einsatz des Landeswirts oder Winzers, ob seine Arbeit Früchte trägt. Niemand kann von sich aus Früchte wachsen lassen. Dazu reicht unser Wollen nicht aus. Jeder Landwirt ist immer auch davon abhängig, ob das Wetter das Wachstum fördert. Die „Arbeiter in Gottes freier Natur" sind von Faktoren abhängig, die sie nicht selbst in der Hand haben. Wer so lebt, muss sich und seinen Lebenserfolg aus der Hand geben können.

Dieses Abgeben-Können ist auch ein Symbol für mein Leben. Auch da kann ich nicht alles selbst regeln. Ich kann nicht für jede einzelne Situation meinen Lebenserfolg vorausplanen. Ich bin abhängig von Wohlwollen oder Missgunst anderer. Ich bin manchmal in Umständen gefangen, die mir nicht gut tun; ich erlebe aber auch Situationen, die mich schier übermütig werden lassen.

Um hier realistisch und bescheiden zu bleiben, ist es sinnvoll, Gott in die eigene Lebensplanung mit einzubeziehen. Gott ist dabei kein Wunscherfüllungsautomat. Gott ist vielmehr jemand, der mich immer wieder - manchmal sehr bestimmt - darauf hinweist, dass ich mein Leben mit allem, was ich bin und habe aus Seiner Hand empfange. Er kann mein Leben in sagenhaft-unglaublicher Weise gelingen lassen - und ich hoffe, dass ich nicht übermütig werde. Es kann aber auch sein, dass mein Leben von einer Not in die nächste schlittert; auch da lässt Gott mich nicht allein. In der größten Not hält Er zu mir und bleibt an meiner Seite. Besser noch: Er hält Seine geöffnete Hand unter mein Leben - fallend kann ich dessen gewiss sein, dass ich nicht tiefer als in Gottes Hand hinein falle

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