Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Der Oktober ist Erntedankzeit. Das weiß man nicht erst seit jenem Gedicht über den „Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland", das man einst in der Schule auswendig lernte. Dieser Herr verschenkte gern eine seiner leuchtend-gelben  Birnen und nahm sogar noch eine Birne mit ins Grab. Dass der Oktober Erntedankzeit ist, weiß man auch deshalb, weil Erntedankfeste gefeiert werden.

Früchte sind geworden - und das oft ohne unser Zutun. Früchte reiften in den letzten Monaten heran. Diese Früchte können lecker-schmackhaft oder faulig-wurmstichig sein. Das ist auch im Leben so. Es gibt Lebensfrüchte, die nicht sonderlich gut schmecken. Solche Früchte sind „Neid, Eifersucht, Streitsucht". Das sind ungute gesellschaftliche oder persönliche Eigenschaften.

Aber es gibt auch positiv-angenehme, menschlich-soziale Eigenschaften: „Liebe, Freude, Friede, Geduld, Zufriedenheit" gehören dazu. Ein biblischer Autor nannte sie „Früchte des Gottesgeistes". Das bedeutet: Positive Eigenschaften entwickeln sich Schritt für Schritt. Aus einem Menschen, der an Gott glaubt, wird über Nacht kein christlicher Superstar. „Superchristen" sind nicht zu ‚casten'. Selbst ‚ideale Christen' können stolpern oder das Falsche tun.

Doch das ist das Geheimnis der Früchte, die wir auf Feldern und in Gärten sehen; ebenso wie der Früchte, die wir im eigenen Leben ernten: Früchte wachsen und brauchen Zeit! Früchte brauchen zudem die ständige Verbindung zu ihrem ‚Ernährer'. Der Apfel braucht den Baum, die Traube den Weinstock, die Ähren Ackerboden und Halm. Früchte gedeihen nur an ihrer ernährenden Quelle. Nur dann reifen sie und erfreuen nach der Ernte den Menschen.

Auch ich brauche einen Nährboden, der mich zu einem positiv-begabten Menschen werden lässt. Ich brauche in meinem Umfeld Menschen, die mir hilfreiche Lebenswerte vermitteln. Ich brauche Mitmenschen, die mich fordern und fördern. Es ist gut, Menschen an der Seite zu haben, die Positives verstärken und Schwächen annehmbar-freundlich ansprechen.

Und es ist wichtig an Gott glauben zu können. Ist mein Leben in Gott verwurzelt und verankert; spüre ich, dass Gott mir meinen Selbstwert gibt, kann ich zufrieden leben. Der Glaube bewirkt, dass Menschen zufrieden werden. Zufrieden-Sein meint einen Lebensstil, der darin gründet, dass der Friede mit Gott auf meine Beziehung zu mir selbst ebenso ausstrahlt wie auf meine Beziehung zu anderen. Wer erfahren hat, dass Gott ihn liebt, geht nicht zerstörerisch und lieblos mit anderen Menschen um, sondern lebt im Alltag die Früchte des Gottesgeistes aus: „Liebe, Friede, Freude, Geduld und Freundlichkeit" (nach Gal 5,16-26).

https://www.kirche-im-swr.de/?m=9240