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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Feste muss man feiern wie sie fallen. Und im Sommer fallen sie ständig.
Wer mal ein paar Feste hintereinander erlebt hat merkt schnell: zu einem gelungenen Fest, gehört ganz entscheidend ein guter Gastgeber. Einer, der sich wirklich um seine Gäste kümmert, der auch im größten Gewühle noch den Überblick behält: hat jeder genug zu trinken, zu essen, fühlen sich alle wohl? Je nachdem wie viele Gäste man hat, kann das ein richtig anstrengender Job werden. Aber deshalb feiert man ja auch nicht täglich. Außer man heißt Gott. Ich habe neulich eine nagelneue Bibelübersetzung geschenkt bekommen und darin stand: „Gott ist mein Dauergastgeber, er führt mich zu einer All-you-can-eat-Bar". Also zu einem Büffet, von dem ich essen kann, so viel ich will. Sie kennen die Bibelstelle vielleicht in einer klassischeren Übersetzung: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser..."Das ist eine der bekanntesten Bibelstellen überhaupt, der Psalm 23 von König David. Auch wenn die zweite Version vielleicht die geläufigere ist, sie meint eigentlich nichts anderes als die Sache mit dem Dauergastgeber. David hat die Erfahrung gemacht: Gott will sich um mich kümmern, nicht nur dann, wenn gar nichts mehr geht, sondern einfach immer! Er speist mich nicht mit einem Schnellimbiss zwischen Tür und Angel ab, sondern nimmt sich Zeit für mich, er schenkt mir seine volle Aufmerksamkeit. Als wäre ich sein einziger Gast. Dazu gehört auch Großzügigkeit. „Du schenkst mir voll ein", schwärmt David. Ich sehe ein Glas vor mir, das fast überschwappt. Gott spart nicht an uns, im Gegenteil. Er hat Freude daran, uns zu verwöhnen. Und offensichtlich keine Angst davor, dass seine Gäste zu einem überkandidelten, dekadenten Partyvolk werden. Die Lösung ist relativ einfach: Wer einmal gemerkt hat: „Gott versorgt mich wirklich mit allem, was ich brauche!" Der gewinnt Sicherheit und verliert die Angst, selbst zu kurz zu kommen. So kann er selbst zu einem großzügigen Gastgeber für andere werden. Und für sich selbst entdecken: Mein Leben ist in Gottes Augen ein Fest. Ich darf mir trotz aller Arbeit, allem was mich vorwärts drängt, auch mal Zeit für Genuss und Muße lassen. Mich bewusst hinsetzen für einen Kaffee, einen Bus vorbeifahren lassen, statt ihm nachzurennen. Gott ist ein perfekter Gastgeber. Sein Büffet findet sich immer irgendwo in meinem Alltag.

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