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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Was ist eine gute Mutter? Viele Frauen arbeiten sich daran ab, eine zu sein. Sie wenden viel Zeit auf und Engagement für ihre Kinder, sie tun, was sie können. Vieles machen sie ganz toll. Heute am Muttertag wird es Millionen von großen und kleinen Kindern geben, die sagen: Meine Mama ist die beste Mutter der Welt. Aber klar: Mütter machen auch Fehler, oft gerade dann, wenn sie es besonders gut machen wollen. Wie oft haben Mütter deswegen ein schlechtes Gewissen.
Was ist eine gute Mutter? Aus der Bibel lerne ich: Mit das Wichtigste ist, dass sie trösten können. Sogar Gott, von dem es doch sonst immer heißt, er sei ein guter Vater, nimmt sich darin die Mütter zum Vorbild. „Ich will euch trösten, wie euch eine Mutter tröstet" (Jes 66,13) verspricht in seinem Namen ein Prophet den verzagten und verzweifelten Menschen. Trösten: das ist das Besondere, was Mütter tun können.

Wie kann man trösten? Wie tröstet einen eine Mutter? Bei den ganz kleinen Kindern kann man es beobachten, die ihren Kummer noch ganz ungebremst heraus lassen. Die Mutter nimmt sie in den Arm. Hält sie fest. Sie unterbricht, was sie gerade vorhatte. Sie lässt sich von den kleinen Rotznasen das T-Shirt verkleckern, sie lässt sich in Mitleidenschaft ziehen. Das ist eigentlich ein gutes Wort dafür: Mitleidenschaft! Die Mutter macht ihrem kleinen Kind (hoffentlich) keine Vorwürfe, sie versucht auch nicht, es abzulenken. Sie nimmt den Kummer ernst. Sie ist da und leidet mit. Das ist das Besondere. Dass sie einfach da ist. Dass ein Kind nicht allein fertig werden muss mit seinem Kummer.
Und ich glaube, dass ist bei den großen Kindern nicht anders. Wenn sie Kummer haben, ist es gut, zu wissen: Mutter ist da. Zu ihr kann ich kommen. Sie wird mir keine Vorwürfe machen. Sie wird mich nicht mit ihren eigenen Ängsten überschütten. Sie hört zu. Sie lässt mich nicht allein.
Trost, habe ich im Lexikon nachgelesen, Trost kommt von „treu sein".
Aber wie kann man das, als Mutter? Ich bin auch Mutter, und wie oft brauche ich selber Trost. „Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet." Ich glaube, dass Gott das gerade auch zu uns Müttern sagt. Und dass er viele Wege dafür hat. - Die Väter zum Beispiel, vor allem aber wohl: die Kinder selbst. Die Bilder, die sie heute zum Muttertag gemalt haben - zeigen die nicht auch, wie sehr sie uns Mütter brauchen? Oder die Anrufe, bei Liebeskummer oder Enttäuschungen, aber auch, wenn sie jemanden brauchen, der sich mit ihnen freut. Ich glaube: so tröstet Gott die Mütter.

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