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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Eigentlich kann man es nicht fassen: Wir Menschen können gewalttätig sein. Gewalt kann sogar einen starken Reiz ausüben. Man kann es aufregend finden, Gewalt über andere zu haben und auszuüben. Ich vermute, fast jeder Junge hat schon mal einem Tier Gewalt angetan. Und was es gegenüber Tieren gibt, gibt es auch gegen Menschen. Wie weh sie dem anderen tut, man blendet es aus.
Manchmal glauben wir auch, Gewalt sei nötig. Etwas Gutes. Weil man mit ihr durchsetzen kann, was mit Geduld und guten Worten nicht mehr zu gehen scheint. Gewalt verspricht Erfolg. In vielen Religionen gab und gibt es deshalb wohl auch gewaltsame Götter.
In der Bibel steht eine Geschichte, in der deutlich wird, dass Gewalt eine dunkle Macht ist. Und sie erzählt, dass der Gott der Bibel auf Gewaltmacht verzichtet hat. Die Geschichte erzählt von Abraham und seinem Jungen. Abraham glaubt, dass er seinem Sohn sehr weh tun soll. ‚Gott will es von mir', glaubt er. Bis ihm endlich klar wird, dass er so keinem Lebensgott folgt, sondern einem Gewaltgott. Die Gewalt ist nicht göttlich, sie ist eine Fratze Gottes. Abraham begreift das. Er war in seiner Verblendung schon nahe dran, seinem eigenen Kind Gewalt anzutun. Im letzten Moment geht ihm das Licht auf. Der lebendige Gott fällt ihm in den Arm. ‚Lass das, tu es nicht', sagt ein Engel zu Abraham. ‚Lass ab von Deinem Kind. Keine Gewalt.' Zum Glück hört Abraham auf den Engel. Wacht auf aus seiner Verblendung. Und ist sehr erleichtert, dass der Reiz der Gewalt damit für ihn endgültig vorbei ist. Dass er nicht schuldig geworden ist an seinem Sohn. Gewalt ist eine Macht, die Menschen faszinieren kann.
Kann ich von dieser Geschichte etwas lernen?
Ich glaube, ich darf mir nicht zu sicher sein, dass ich nicht auch verführbar sein könnte, obwohl ich doch eigentlich gegen Gewalt bin. Ich habe das Gefühl, dass wir alle der Gewalt noch zu viel zutrauen. Dabei bringt sie vor allem Leid. Trotzdem glauben wir in politischen Krisen, dass Gewalt gegen Gewalt helfen kann. Vielleicht stimmt es sogar. In Afghanistan zB. Vielleicht kann man Gewalt manchmal nur mit Gewalt stoppen.
Aber sie kann kein Leben schaffen.
Darum auf jeden Fall: Im normalen Leben, zwischen Eltern und Kindern, zwischen Partnern, in der Schule, im Stadion, im Fernsehen. Da darf sie mich nicht faszinieren. Ich hoffe, sehr, dass Sie und ich immer auf den Engel Gottes hören, wenn er sagt: Keine Gewalt!

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