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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Hoffen ist wichtig. Gerade wenn man enttäuscht worden ist. Das stimmt für viele Situationen im Leben. Stellen Sie sich vor, Sie hätten jedes Mal sofort die Hoffnung aufgegeben, wenn sie einmal enttäuscht worden sind. Von Ihren Kindern. Von ihrer Fußballmannschaft. Oder von sich selber.
Mit der Kirche ist das nicht anders. Mit der Ökumene z.B. Da waren die Hoffnungen schon mal größer als heute. Und wenn Sie, wie ich, in der Kirche engagiert sind oder Anteil nehmen an ihr, dann kennen Sie das sicher auch: Enttäuschte ökumenische Hoffnung.
Heute Abend beginnt in München der 2. Ökumenische Kirchentag. Bis Sonntag treffen sich Katholiken, Evangelische, Orthodoxe und andere Christen aus vielen Ländern. Vielleicht werden es 200.000. Wäre schön. Das Motto heißt: „Damit ihr Hoffnung habt." Ein gutes Motto.
Ich vermute, die meisten werden nicht in ökumenischer Euphorie nach München fahren. Und die daheim bleiben werden nicht euphorisch nach München schauen. Aber ich glaube, es ist nicht nötig, dass man euphorisch hofft im Leben, sondern zäh. Immer wieder. Neu. Auch wenn man enttäuscht worden ist. Immer wieder das Risiko der Hoffnung eingehen. Wie ein Fußballfan, dessen Mannschaft abgestiegen ist. Wie ein Schulabgänger, der die 15. Stellenabsage bekommen hat. Und trotzdem auch die 16. noch losschickt.
Vielleicht ist die wichtigste Hoffnung für die Ökumene ja auch gar nicht, dass sich die Kirchen äußerlich näher kommen. Viel wichtiger ist, glaube ich, dass sie mehr miteinander hoffen. Auf Gott und seine neue bessere Welt, die Jesus angefangen hat. Er ist da, hat er versprochen, und lässt seine Welt nicht im Stich. Er hat gutes vor mit seiner Welt. Und so schlecht steht es doch auch nicht mit ihr und mit der Ökumene auch nicht. Wenn wir uns an diese große Hoffnung erinnern, das kann Mut machen. Die Hoffnung auf Gott spornt mich und die Kirchen insgesamt an, Dinge zu entwickeln und zu tun, die Menschen gut tun.
Ich erhoffe mir auch etwas von Ihnen, auch wenn Sie nicht in der Kirche engagiert sind oder ihr nah stehen. Oder wenn Sie schon enttäuscht worden sind: Lassen Sie uns bitte nicht in Ruhe und sagen Sie, was Sie von Christen erwarten, erhoffen. Das ist wichtig für uns. Man braucht solche hoffende Erwartung von anderen, die einem noch etwas zutraut. Sie wissen das sicher aus eigener Erfahrung. Es inspiriert und setzt Kräfte frei, wenn man weiß, es setzt noch jemand Hoffnung in mich.

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