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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW


Ich glaube nur, was ich sehe. So denken Naturwissenschaftler, hat ein Mann mir gesagt. Die fragen nach Beweisen. Nur, was man beobachten, sehen und messen kann, ist wahr. Deshalb sei mein Glaube an Jesus Christus nichts für ihn. Er sei nämlich Naturwissen-schaftler. Aber meinen Glauben könne man nicht beweisen. Man könne nichts sehen. Deshalb sei das nichts für einen Naturwissenschaftler.
Die heiligen drei Könige waren auch Naturwissenschaftler. Astronomen, genauer gesagt. Astrologen wohl auch, sie suchten auch nach der Bedeutung von dem, was sie am Him-mel beobachteten. Sternkundige eben. Von drei Weisen redet die Bibel. Dass sie Könige waren, hat man erst später gemeint, weil sie mit kostbaren Geschenken unterwegs wa-ren. Genau genommen waren sie Naturwissenschaftler.
Sie haben nach dem gefragt, was man sehen kann. Sie haben beobachtet, was am Him-mel vorgeht. Und sie haben daraus Schlüsse gezogen. Zum Beispiel aus der für ihre Zeit einmaligen Sternkonstellation, die sie beobachtet hatten: Jupiter und Saturn im Sternbild der Fische. Im Planetarium in Stuttgart kann man sich vorführen lassen, was es damit auf sich hatte. Nach den Unterlagen der damaligen Naturwissenschaft hieß das: Ein König wird geboren, wahrscheinlich in Israel. Und es muss wohl ein besonderer König sein, wenn die Sterne auf ihn hinweisen. Einer, mit dem eine neue Zeit anfängt.
Wenn Naturwissenschaftler nun eine Vermutung haben, dann machen sie Folgendes: sie suchen Beweise. Dabei gehen sie probehalber davon aus, dass es wahr ist. Und dann probieren sie es. So habe ich es jedenfalls im Matheunterricht gelernt, in Physik und in Chemie. Man hat eine Annahme, dann probiert man es aus. Und wenn man Glück hat, findet man den Beweis.
Genauso haben es die drei Weisen aus dem Morgenland gemacht. Sie wollten ihrer Beo-bachtung auf den Grund gehen. Deshalb machten sie sich auf den Weg. Dann würden sie ja sehen, was es damit auf sich hat. Wie die Geschichte ausging, wissen Sie wahrschein-lich: Die Weisen fanden im Zeichen ihres Sterns das Kind in der Krippe. Und irgendwie hat sie das überzeugt. Sie haben das Kind gesehen und geglaubt, dass Gott zur Welt ge-kommen ist.
Ich denke: nicht bloß die Naturwissenschaftler sollten es genauso machen. Probeweise davon ausgehen, dass es wahr ist. Davon ausgehen, dass man Gott findet, wenn man sich auf dieses Kind einlässt. Man wird ja sehen, was passiert, wenn man sich auf seinen Weg einlässt. Naturwissenschaftler, sagt man mir, machen das so.
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