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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW


Das Schlimmste ist die Angst, anzufangen. Wenn man Morgenandachten fürs Radio schreibt, zum Beispiel. Da kriegt man Angst vor dem leeren Blatt Papier. Das gibt es nicht, sagen Sie? Doch das gibt es und ich kenne viele, die diese Angst vor dem Anfan-gen haben. Mir fällt diesmal nichts Gescheites ein, wen interessiert das schon, was ich zu sagen habe. Und dann drückt man sich drum herum, fängt an mit Fensterputzen oder er-ledigt noch allerlei, was eigentlich warten könnte. Je länger das dauert, desto schwieriger scheint einem die Sache, bis dann irgendwann der Groschen fällt und es doch geht. Sol-che Angst vor dem Anfangen haben nicht bloß Leute, die etwas aufschreiben müssen. Auch beim Lernen ist das so: Ich kapier das sowieso nicht. Es interessiert mich auch nicht. Das ist zu viel, bis morgen schaffe ich das nie. Wenn Sie Kinder haben, werden Sie das kennen. Und wenn Sie selbst irgendwas anfangen wollen oder anfangen müssen, ha-ben Sie das vielleicht auch schon erlebt.
Was hilft gegen die Angst, anzufangen? Ich glaube, dagegen hilft ein Ziel. Das kann man, meine ich, von den 3 Weisen aus dem Morgenland lernen. Sie kennen die Geschichte ja wahrscheinlich. Die hatten sich vorgenommen, diesem Stern nachzugehen, den sie ent-deckt hatten. Und sie gehen los. Anscheinend haben sie keine Angst vor dem Anfang. Dabei hätten sie allen Grund. Die weite Reise. Wer weiß, was da auf sie zukommt. Wer weiß, was am Ende aus ihrem Unternehmen wird. Und wahrscheinlich müssen sie aller-hand zurücklassen, was ihnen wichtig ist und auf Dinge verzichten, die ihnen lieb sind.
Aber sie haben ein Ziel. Sie wollen diesem Stern auf den Grund gehen, wissen, was er zu bedeuten hat. Sie ahnen, dass das wichtig sein könnte für sie. Sie hoffen, dass es sie weiter bringt und sie glücklich macht, was sie dort finden werden. Deshalb haben sie kei-ne Angst vor dem ersten Schritt. Sie gehen los. Und kommen an. Das Ziel ist es, das sie beflügelt.
Ihr Ziel hatte vermutlich auch zusammen geführt. Und miteinander fiel es ihnen leichter. Sie haben überlegt, was sie brauchen für die Reise. Der eine hatte eine Idee, der andere hat sie weiter entwickelt, der dritte wusste, wie man das am besten umsetzt. Gemeinsam geht es immer besser. Gemeinsam fällt einem das Anfangen leichter.
Aber das Wichtigste ist das Ziel. Dass man etwas begreifen will. Etwas erreichen. Etwas zustande bringen. Wer ein Ziel hat, hat keine Angst anzufangen. Wäre ja auch unlogisch. Denn wenn man gleich anfängt, ist man schneller am Ziel.
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