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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Auferstanden aus Ruinen. Daran musste ich denken, als ich vor einer Woche in Leipzig war. Der Platz vor der Leipziger Nicolaikirche war voller Leben: Blumenstände, Straßencafes, Kinderlachen.
Und genau hier wurden vor 20 Jahren Menschen von der Polizei brutal zusammengeknüppelt und weggefahren, um am nächsten Tag wieder dort zu stehen. Über 70 000 waren es am Ende, die hier standen. Mit Kerze in der Hand, Gebeten auf den Lippen und den Worten: keine Gewalt. Es war, sagte der Leipziger Pfarrer Christian Führer, ein Wunder biblischen Ausmaßes. Die erste und einzige friedliche Revolution auf deutschem Boden.
Heute, zwanzig Jahre danach, haben wir allen Grund, das voll Dankbarkeit und Stolz zu feiern.

Heute aber und jetzt gleich wieder in den Nachrichten werden Sie auch von Menschen erfahren, die noch in Trümmern liegen. Die alles verloren haben: ihr Haus, ihr Hab und Gut, ihre Liebsten. Samoa und Sumatra, diese Trauminseln in Indonesien- ein gewaltiger Tsunami und Erdbeben ist über sie hinweg gefegt. Über 1000 Menschen sind bisher umgekommen, Tausende werden noch vermisst.

Samoa und Sumatra- heute sind die Menschen auf diesen Inseln ganz nah gerückt. Denn wie das ist, wenn man von jetzt auf gleich einen lieben Menschen verliert, das wissen viele von uns hier. Wenn Hab und Gut weggeschwemmt werden, wenn man angewiesen ist auf die Hilfe Anderer, wer kann das nicht nachempfinden. Deshalb gilt ihnen heute auch unser Mitgefühl unsere praktische Hilfe und Solidarität.

Geschenktes Leben- wie vor 20 Jahren- und zerstörtes Leben- wie heute in Sumatra. Freude und Trauer. Paradies und Zerstörung. Manchmal liegt beides verwirrend nah beieinander. In der Bibel gehört immer beides zusammen. Tod und Leben. Fest und Trauer. Verzweiflung und Hoffnung.

Der Apostel Petrus meint: wir brauchen keine Angst zu haben. Vor dem neuen Leben nicht und vor dem Tod nicht. Vor dem Fest nicht und vor der Arbeit, die nach dem Fest kommt, nicht. Denn was immer auch kommt: Gott wird mit uns sein. Gott wird bei denen sein, die jetzt am anderen Ende der Erde um ihre Lieben trauern. Gott wird bei denen sein, die ihr Hab und Gut verloren haben. Denn der Tod wird nicht das letzte Wort haben. Gelobt sei Gott, schreibt der Apostel Paulus, denn Gott hat uns erfüllt hat mit einer Hoffnung auf neues Leben.

Lassen Sie uns das feiern- heute am Tag der Deutschen Einheit, verbunden mit den Menschen dort auf der anderen Seite unserer Erde. https://www.kirche-im-swr.de/?m=6892