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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Unser tägliches Wasser gib uns heute.
Ich weiß, so heißt es nicht im Vater unser. Es heißt: unser täglich Brot gib uns heute. Und ich habe auch gelernt, dass in diesem täglich Brot alles mit-gemeint ist, was wir zum Leben brauchen. Auch das Wasser für jeden Tag.
Aber wenn ich mir vor Augen führe, wie wichtig das nasse Element ist und wie gefährdet, dann möchte ich diese Bitte ums täglich Wasser dazufügen – wenn nicht laut, dann eben leise in Gedanken. Ich finde, wir sollten das Recht auf Wasser zu den Grundrechten dazufügen, wie das auf Nahrung oder Bildung.

Wasser ist eine Schöpfungsgabe und kostbar. Wo Wasser fehlt, stirbt das Leben. Wo die Wüste sich ausbreitet und Flüsse austrocknen, sind Menschen gezwungen, vor der Dürre zu fliehen. Gott hat das Wasser für alle Menschen gemacht, auch für die Tiere und die Pflanzen. Er will, dass seine Geschöpfe haben, was sie zum Leben brauchen. In der Bibel ist Wasser ein Bild für Leben und Fülle.

Unser tägliches Wasser gib uns heute. Für viele Menschen ist diese Bitte ein Traum, ein Wunschtraum. Sie tragen das Wasser von weit her, holen es aus dem Fluss, schöpfen es aus dem Brunnen. In vielen Teilen der Erde ist Wasser, das man trinken kann, knapp, und die es sich leisten können, kaufen es in Flaschen oder füllen am großen Tankwagen ihre Kanister. Die anderen trinken verschmutztes Wasser, und viele Kinder sterben an diesem Mangel.

Wir sind keine Wasseringenieure und können das weltweite Wasserproblem nicht lösen.
Aber wir können anfangen, das Wasser als ein Geschenk des Schöpfers an alle Menschen zu entdecken. Weil wir das Wasser so leicht und unbegrenzt haben können, lassen wir uns oft verführen zum verschwenderischen Umgang. Wenn wir aber im Alltag, beim Händewaschen oder Kochen oder beim Schluck aus dem Hahn – das Wasser als kostbare, aber endliche Gabe sehen, dann können wir nicht zulassen, dass anderen Menschen diese Schöpfungsgabe vorenthalten oder verdorben wird. Wir werden an die Menschen denken, die durch Profitstreben und gedankenlosen Verbrauch nicht zu dem kommen, was ihnen gehört. Mahatma Gandhi soll gesagt haben: Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier. Das gilt auch für unser täglich Wasser.
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