Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Nach einem Umzug, im Urlaub, an einer neuen Arbeitsstelle lässt sich diese Erfahrung machen: Fremd zu sein. Nicht zu wissen, wie man sich verhält, was üblich ist, wie man sich anzuziehen hat oder worüber man besser nicht spricht.
Solche Fremdheitserfahrungen machen auch die ersten Christinnen und Christen in der griechischen und römischen Welt. Sie gelten als Außenseiter. Werden isoliert. Oft auch diskriminiert. Es sind dunkle Zeiten für Glaubende.
Wie die frühen Gemeinden damit umgehen? Sie haben zwei Strategien. Zum einen rufen sie sich in Erinnerung, dass alle Menschen Gäste und Fremde auf der Erde sind. Dass alle nur für eine kurze Zeit da sind. Sie werden geboren, leben und sterben. Das menschliche Leben: Nur ein winziger Augenblick in der Geschichte der Menschheit. In der Geschichte des Universums erst recht.
Zum anderen sehen sie auf ihre Gemeinschaft. Sie erleben da, wie Menschen friedlich und in einem Geist miteinander leben können. Erleben ein Stück Himmel auf Erden. Natürlich gabs auch im frühen Christentum Streit und Konflikte. Aber auch die Erfahrung: Menschen können Licht füreinander sein, wenn sie füreinander einstehen, füreinander da sind, miteinander leben.
Mit diesen Erfahrungen der frühen Christinnen und Christen kann ich auf meine Gegenwart sehen. Ich frage mich, was es taugt, Menschen in Fremd und Nicht-Fremd zu unterteilen. Sicher: Es ist manchmal hilfreich, zu wissen, wer wo herkommt. Aber oft genug wird dabei übersehen, dass jeder Mensch immer irgendwo fremd ist. Dass jeder Mensch nur Gast auf dieser Erde ist. Ich bin fest davon überzeugt: Das verbindet uns viel mehr, als das, was uns möglicherweise trennt. Für mich ein Grund, immer wieder auf Menschen zuzugehen. Statt auf das Fremde auf das Verbindende zu sehen. Und mich so von den Menschen, denen ich begegne, beschenken und überraschen zu lassen.
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