SWR4 Abendgedanken

02OKT2026
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Vor ein paar Wochen waren acht junge Menschen aus Ghana  in unserer Kirchengemeinde zu Besuch,. Seit fast zwanzig Jahren haben wir eine Partnerschaft dorthin. Damals als die Partnerschaft entstanden ist, war klar, worum es geht: Wir sammeln hier Geld, um dort Gutes zu tun. Heute geht es um etwas anderes. Es geht um Begegnung: Darum, sich gegenseitig besser kennen zu lernen und darum, zu verstehen, wie man in einem anderen Teil der Welt lebt.

Nun waren unsere Freunde aus Ghana hier und wollten unser Land kennenlernen. Deshalb haben wir  mit ihnen Betriebe besucht und über die aktuelle wirtschaftliche Lage gesprochen. Unsere Gäste waren erstaunt, wie viel Urlaub es bei uns gibt und dass manche Betriebe sogar eine Kantine für ihre Mitarbeiter haben. Wir haben auch mit Vertretern der Politik gesprochen und unsere Gäste haben ganz offen gefragt, wie es denn mit der Korruption in unserem Land aussieht, denn bei ihnen sei das ein sehr  großes Problem. Mit dieser Frage hatte keiner gerechnet und die Diskussion war spannend.

Und wir haben zusammen eingekauft und gekocht. Das klingt nicht besonders aufregend. Aber für unsere Gäste war es ein riesengroßes Abenteuer. In ihrer Heimat werden die meisten Lebensmittel auf dem Markt verkauft. Dazu gibt es viele Stände am Straßenrand. In Deutschland gibt es zwar auch Wochenmärkte – aber vor allem Supermärkte! Dort hat dann das große Staunen begonnen: Allein wie viele Buttersorten es gibt! gesalzen, ungesalzen, Bio, Handgeschöpft, leicht, fettarm. Als ein Gast vermutete „Da braucht ihr aber jedes Mal sehr, sehr lange zum Auswählen, oder?“ musste ich lachen und gleichzeitig hat mich sein Satz getroffen. Denn wie oft ärgere ich mich, wenn meine Lieblingssorte mal nicht im Regal steht. Mir ist neu klar geworden: Auswahl ist purer Luxus. Viele Menschen auf der Welt fragen sich nicht: Welche Sorte möchte ich? Sondern: bekomme ich heute überhaupt, was ich brauche?

Am kommenden Sonntag wird in vielen Kirchengemeinden das Erntedankfest gefeiert. In meiner Kindheit war das ein besonderes Fest. Der Altar war prächtig geschmückt und im Mittelpunkt stand die Dankbarkeit für die Ernte. “Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn. “ wurde laut und dankbar gesungen. Dank unserer Gäste aus Ghana ist mir unsere Fülle noch einmal bewusst geworden. Das lässt mich in diesem Jahr mit neuer Dankbarkeit auf all das blicken, was uns in unserem Land geschenkt ist.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=45276
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