SWR3 Gedanken
Haben Sie den Herbst schon gerochen? Diesen regennassen, erdigen Geruch… Die sonnigen, warmen Tage haben sich noch lang gezogen, ein sehr warmer Spätsommer war das. Dabei hat kalendarisch und meteorologisch der Herbst schon begonnen. Unabhängig davon – ich finde, besonders den Herbst kann man als erstes riechen. Das fand auch der Schriftsteller Kurt Tucholsky – der meinte nämlich: „Eines Morgens riechst du den Herbst. Es ist noch nicht kalt; es ist nicht windig; es hat sich eigentlich gar nichts geändert – und doch alles.“ –
Wenn der Herbst beginnt, dann ist das immer eher eine Art Abschied. Ein erstes Loslassen, des Sommers, fast schon des Jahres... Der Frühling hat mehr von Aufbruch, Neuanfang, die Natur erwacht, alles wird neu. „Alles neu, macht der Mai“, heißt es ja auch… Aber der Herbst – der beginnt den Jahresbogen zu schließen, mit seiner Ernte, seinen bunten Farben… „Eigentlich hat sich noch gar nichts geändert – und doch alles“, meint Tucholsky. Und ja, das ist so – wenn man auf das Jahr schaut, dann schwinden der Sommer und nun auch die Wochen. Und lassen sich nicht aufhalten.
Aber der Herbst, der bietet, so finde ich, auch die Möglichkeit, vielleicht sogar mit allen Sinnen, ein erstes Abschiednehmen zu üben. Zu überlegen – was nehme ich mit, aus diesem Sommer, aus diesem bisherigen Jahr? Was ist meine „Ernte“, welche Früchte kann ich sammeln? Oder: Was möchte ich vielleicht noch angehen, noch anpacken in diesem Jahr, in diesen letzten Monaten?
In die kommenden Herbstwochen und in all diese Überlegungen nehme ich ein besonders schönes Segenswort mit:
Gott segnet dich und behütet dich, vom Kopf bis in die Zehenspitzen (ob du es glaubst, oder nicht). Gott lässt Liebe über dir leuchten und färbt auf dich ab (auch wenn du gerade schwarzsiehst).
Gott legt Frieden in dein Herz und bleibt nicht weiter als eine Armlänge von dir entfernt.
Segen für alle: Andreas Kasparek, Susanne Niemeyer, Edition Ahoi,
https://editionahoi.de/Segen-fuer-alle-Klappkarte-Postkarte/SW10091.1
