SWR Kultur Wort zum Tag

30SEP2026
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Biblische Worte klingen manchmal ziemlich altertümlich. Aus dem täglichen Sprachgebrauch sind sie verschwunden. Barmherzigkeit ist so ein biblisches Wort. Und im Lukasevangelium steht dieser Satz:  „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!“ (Lukas 6,36)

Interessant finde ich, dass in dem Ausdruck Barmherzigkeit die Worte Erbarmen und Herz drinstecken. Wer barmherzig ist, öffnet sein Herz für die Not von anderen, lässt sich davon berühren und tut was. Ist empathisch, wie es auf neudeutsch heißt. Leider wird genau diese Empathie zurzeit von vielen Autokraten, Tech-Milliardären und anderen verpönt und schlecht geredet. Dabei ist das Wort Barmherzigkeit im Christentum zentral. Das zeigt vor allem die Geschichte vom barmherzigen Samariter aus der Bibel (Lukas 10). Der barmherzige Samariter ist ein Ausländer und Außenseiter der damaligen Gesellschaft. Doch ausgerechnet er sieht auf seinem Weg einen verletzten Mann am Boden liegen. Andere haben den Mann übersehen und links liegen lassen. Ohne zu überlegen, leistet der Samariter erste Hilfe, transportiert den Verwundeten auf einem Esel zu einer naheliegenden Herberge und bringt ihn dort unter. Er gibt dem Wirt Geld für die weitere Pflege des Fremden und kündigt seine Rückkehr an, um sich später selbst über den Zustand des Verletzten zu informieren.

Das nenne ich barmherzig. Also, mit dem Herzen zugewandt sein, da sein und helfen, wenn es drauf ankommt. Nicht die Risikoabwägung, nicht Pläne und Termine waren das entscheidende für den Mann, sondern die intuitive Überzeugung helfen zu müssen. Er hat´s einfach gemacht. Und dabei ist er pragmatisch, effizient und lösungsorientiert. Nicht mehr, nicht weniger. Er hat sich mit seinem Herzen anrühren lassen, ohne sich zu überfordern. Für so ein umsichtiges Handeln braucht man Herz, Kopf und Hand. Denn das eine schließt das andere nicht aus. Es gehört zusammen: Die Situation mit allen Sinnen wahrnehmen, das Nötige tun und andere dazu holen. Für die aktuelle gesellschaftspolitische Situation brauchen wir alle verfügbaren Herzen, Köpfe und Hände, um rücksichtsvoll zu bleiben, aufeinander aufzupassen und umsichtig zu handeln. Für ein lebenswertes und friedliches Zusammenleben für alle. Für mehr Barmherzigkeit.

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