SWR Kultur Wort zum Tag
Elia ist zum Extremisten geworden. Am Anfang hat er sich nur stark mit seinem Auftrag identifiziert. Alles will er richtig machen. Aber dann verrutscht etwas. Die Wirklichkeit gerät ihm aus dem Blick. Vor lauter religiösem Übereifer verrennt er sich und schießt weit über das Ziel hinaus. Seine Geschichte ist jetzt fast 3000 Jahre her. Elia ist ein Prophet aus dem Alten Testament. Gott hat ihn ausgewählt, den Leuten seinen Willen zu erklären: Keine anderen Götter, keine Zwietracht, keine Gewalt. Zunächst lehnt Elia diesen Auftrag ab. Er fühlt sich überfordert. Nach langem Hin und Her gibt er schließlich nach und verkündet von da an Gottes Wort. Im Laufe der Zeit wird er aber immer radikaler und krasser in seinen Ansichten. Er wird zum religiösen Fanatiker und schreckt nicht davor zurück, Andersgläubige zu verhöhnen und sogar zu ermorden. Sein Handeln ist arrogant, aggressiv und gefährlich. Es erinnert an religiöse und politische Extremisten von heute.
Nach der Ermordung von Andersgläubigen wird Elia von Soldaten des damaligen Königs verfolgt. Er flieht in die Wüste und fürchtet um sein Leben. Er ist allein, frustriert und völlig ausgelaugt. Er will nichts mehr hören, nichts mehr sehen. Eigentlich ist er fertig mit seinem Leben. Da findet er eine Höhle, legt sich hinein und schläft erschöpft ein. Zweimal wird er von einem Engel geweckt. Der sagt zu ihm: „Steh auf, iss und geh!“ Und tatsächlich steht da plötzlich Brot und Wasser für Elia bereit. Er isst und trinkt und marschiert gestärkt weiter durch die Wüste. 40 Tage lang sucht er in der Wüste nach Orientierung und einer Neuausrichtung für sein Leben. Gottes Stimme hört er erst wieder, als er den Berg Horeb erreicht. Dort begegnet ihm Gott nicht etwa in Donnergetöse oder im Sturm, sondern in einem sanften Sausen. Da begreift Elia, dass hasserfüllte und menschenfeindliche Reden und Taten nichts mit Gottes Botschaft zu tun haben. Weder damals noch heute.
Gott beschimpft nicht. Gott zerstört nicht. Gott ist einfach da, so wie der Engel in der Höhle mit Wasser und Brot für Elia da war. Und Gott gibt ihm einen nüchternen Auftrag: „Geh zurück in dein Leben - ohne Hass und Gewalt“ Und genau das macht er. Religiöser Übereifer ist kein unabwendbares Schicksal. Menschen können sich davon wieder abwenden, auch wenn das existenzbedrohend und schmerzvoll ist so wie bei Elia.
Verschlungene Wege durch innere und äußere Wüsten gehören dazu.
Und hoffentlich ein helfender Engel!
