Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

01OKT2026
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Ich sitze mit meinen Kindern im Wohnzimmer vor einem riesigen Haufen von Holzbausteinen. Während ich noch überlege, was ich damit bauen könnte, stapeln die Kinder schon drauflos. Mich fasziniert das immer wieder – dass Kinder einfach loslegen, ohne schon zu wissen, was dabei rauskommt. Sie legen einen Stein auf den anderen, nach und nach wird daraus eine Form. Eine Burg, erklärt meine Tochter. Und während sie weiterbaut, entsteht in ihrem Kopf eine ganze Geschichte rund um diese Burg.

Mir fällt das nicht so leicht. Manchmal kommt es mir vor, als hätte ich als Erwachsene verlernt, was für Kinder so einfach ist: diesen spielerischen Zugang zur Welt. Statt einfach mal anzufangen, hätte ich gerne vorab eine klare Idee, einen Plan, der mir hilft, möglichst wenig Fehler zu machen. Das kann für bestimmte Aufgaben ja auch wichtig sein, beim Bausteine stapeln mit meinen Kindern hilft es aber meistens nicht.

Da haben die Holzbausteine für mich ziemlich viel mit dem Beten gemeinsam: Viele denken, es braucht dafür Regeln und Anleitungen, wie bei einem komplizierten Brettspiel. Aber ich glaube, es ist genau anders: Es gibt da nicht den einen Plan, der zum Ziel führt. Auch kein fertiges Endergebnis, das schon vorher feststeht. Beten hat für mich viel mehr damit zu tun, anzufangen; und dann nach und nach zu entdecken, wohin es mich führt.

Beten, das passiert bei mir oft so nebenbei – wenn ich aus dem Fenster schaue, wenn meine Gedanken abschweifen. Wenn mich etwas berührt, wenn ich spüre, wie dankbar ich bin. Manchmal ist es nur ein Seufzer, wenn ich mir Sorgen mache. Mein Herz betet dann oft schon, noch bevor mein Kopf klare Gedanken dazu fassen kann. Manchmal wird daraus mehr. Die Dankbarkeit bekommt ein Du, ein Gegenüber. Die flüchtigen Gedanken sortieren sich, bekommen eine Form, und werden zum Gebet.

Diese Erfahrung, die ich beim Beten und Spielen mache, die ermutigt mich: Wenn ich in meinem Leben manchmal vor einem ganzen Haufen voller Aufgaben oder Probleme stehe, dann warte ich nicht mehr auf den perfekten Plan.  Ich denke daran, wie ich mit den Kindern Bausteine staple und fange einfach an. Stein um Stein, Aufgabe für Aufgabe. Und ich kann darauf vertrauen, dass die guten Ideen dann unterwegs kommen - wie beim Spielen und Beten.

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