Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Ich muss gestehen, ein bisschen mulmig war mir schon zumute. Der Rucksack stand bereit, die Schuhe geputzt und die Zugfahrkarte war gebucht. Eigentlich alles bestens. Ich wollte zu einer Pilgertour aufbrechen. Das erste Mal. Ob ich das schaffe? Durchhalte, wenn die Füße weh tun, die nächsten Höhenmeter anstehen, mich verlaufe und kein Schatten in Sicht ist? „Das klappt schon“, meint meine Tochter. „Du wirst sehen“.
Das Wort Pilgern kommt aus dem Lateinischen und bedeutet übersetzt „in der Fremde sein“. Ja genau das macht mir so ein mulmiges Gefühl. Die Fremde, die reizt und gleichzeitig ist es das Unbekannte, das mir Angst macht. Beides rumort in mir und heute bin ich heilfroh, dass die Ängste ich nicht gebremst haben. Die Fremde, die unbekannten Wege, die Menschen, die mir zufällig begegnen, die Stille, die einfachen Unterkünfte – alles Erfahrungen, die mich bereichert haben. Und über all das, was mir scheinbar zufällig auf den fremden Wegen begegnet ist und sich ergeben hat, kann ich im Nachhinein nur staunen: Der Trinkbrunnen, der genau dann auftaucht, wenn die Wasserflasche fast leer ist. Die helfende Hand über den wackligen Steg. Und weil mir die Sprache fremd war, hab ich mich gefreut, wenn ich mich trotzdem mit Händen und Füßen und ein bisschen Englisch verständigen konnte und meist alles in ein herzhaftes Lachen mündete.
Die Bilder und Eindrücke der Pilgertour bleiben in mir. Und ich hoffe, dass sie mich stärken, wenn ich mich wieder mal fremd fühle. Dann kann ich mich erinnern, wie bereichernd das Fremde sein kann. Mit ein bisschen Mut und ganz viel Gottvertrauen.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=45246