SWR Kultur Wort zum Tag
Erst wenige Wochen ist es her, da schlendere ich mit meiner Frau entspannt über den Markt in St. Peter-Ording. Es ist Urlaub. Wir haben Zeit. Stände mit Obst und Gemüse. Brot und Käse. Auch ein paar Gebrauchsartikel. Hemden. Schuhe. Getöpfertes. Dazwischen - ein Schild: „Heilung durch Handauflegung! Keine Erfolgsgarantie!“ Hinter dem Stand sitzt ein Mann. Auf seinem Schild steht nichts darüber, was ihn auszeichnet oder legitimiert. Ich war irritiert. Wusste nicht, was ich davon halten sollte. Das Wort Handauflegung kenne ich. In der Bibel wird von Heilungen durch Handauflegung berichtet. Und ich finde es auch gut, wenn es so ein Angebot in einem geschützten Rahmen auch heute wieder gibt. Aber auf dem Markt?
Heilende Hände zwischen Obst und Gemüse. Ein sehr intimes Versprechen. Inmitten der Angebote auf einem Wochenmarkt. Ich habe mich gefragt: ist das nicht ein unverantwortlicher Umgang mit der Sehnsucht von Menschen, gesund und heil zu werden? Denn nicht einfach ein Segen wurde angeboten. Damit hätte ich besser umgehen können. Versprochen wurde Heilung – mit Rücktrittsversicherung. Ob der Mann, der hinter dem Schild gesessen hat, auch Geld verlangt hat, weiß ich nicht. Aber mir war nicht klar, mit wem er in Verbindung steht und mit welchem Hintergrund er seine Hände auflegt. Und ob er selbst sensibel genug ist, mit den Erwartungen der Menschen, die zu ihm kommen, umzugehen. Vielleicht hätte ich ihn einfach ansprechen sollen.
Die Jünger Jesu haben auch einmal eine ähnliche Erfahrung gemacht. Da hat ein Mensch böse Geister ausgetrieben. Sie wussten nicht, wer ihn beauftragt und legitimiert hat und haben Jesus gefragt, was sie davon halten sollen. Die Antwort, die Jesus ihnen gegeben hat, imponiert mir. Er hat nämlich gesagt: „Wer nicht gegen uns ist, ist für uns!“ Das heißt doch: Lasst ihn ruhig machen. Wenn er ein Scharlatan ist, wird sich Unmut regen. Und wenn er im Namen Gottes handelt – umso besser. Wer bin ich, ihn deswegen anzugehen oder ihm gar das Handwerk zu legen. Diese Geschichte hat mich schließlich gelassen gemacht. Ganz beruhigt war ich ehrlich gesagt nicht. Aber es war gut, meine Unruhe dem lieben Gott zu überlassen. Mit dieser Haltung habe ich schließlich schon oft gute Erfahrungen gemacht.
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