SWR3 Gedanken
Ich liebe Livekonzerte - eines meiner Highlights war in diesem Sommer das Open-Air von Michael Patrick Kelly auf der Loreley. 50 Jahre gibt es hier schon die Freilichtbühne hoch über dem Rhein - oder zumindest über dem, was von dem Fluss in diesem Sommer noch übrig ist. Gerade deshalb packt mich ein Lied, das Michael Patrick an dem Abend singt, ganz besonders. Da heißt es im Text, der dem indigenen Volk der Cree zugeschrieben wird: “Wenn der letzte Baum gerodet und der letzte Fluss vergiftet, wenn der letzte Fisch gefangen werdet ihr verstehen - dass man Geld nicht essen kann.” Trifft in diesem Hitzesommer mitten in mein Herz und hallt lange nach. Kurz darauf dann noch ein tiefgründiger Text: Michael Patrick singt in seinem neuen Song “Calcutta Angel” über seine Zeit bei Mutter Theresa, wie ihn das geprägt hat. Und knapp zehntausend Menschen stimmen im Refrain ins “Halleluja” ein, ich auch. Was für ein Konzertsommerabend: Nachdenkliches, Besinnliches, Gebet, Musik. Das alles ist für mich auch eine Form von Gottesdienst. Auch bei anderen Künstlern: Gänsehaut hatte ich bei Joris als er singt: “Du bist nicht alleine, weil dich jemand liebt. Das Leben wirft Steine, mal große, mal kleine, doch ich lass dich nicht los.” Oder bei Tom Gregory: “I found heaven in a world so cold”. Ja, ich brauche in dieser oft kalten Welt diese himmlischen Momente umso mehr. Und Musik ist eine Sprache, die mehr ausdrückt als Worte - und die mich beim Zuhören und beim Mitsingen auch immer wieder mit meinem Schöpfer verbindet. Mal fragend, mal suchend, mal voller Dankbarkeit. Dem Heiligen Augustinus wird ein Wort zugeschrieben, das ich nur unterschreiben kann: “Wer singt, betet doppelt.”
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