Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP
Die Sommerferien liegen bereits einige Wochen hinter uns. Der Herbst winkt am Horizont. Es wird kühler und dunkler. Im September ist auch die Tag-Nacht-Gleiche. Das heißt: rund um den 23. September sind Nacht und Tag gleich lang. Auf dieses Datum fällt der Herbstanfang.
Untersuchungen von Psychologen haben gezeigt, dass Tiere und auch Menschen auf diesen Wechsel in den Jahreszeiten reagieren. Im September macht sich eine nachdenklichere Stimmung breit. Man kehrt sich mehr nach innen. Das kann dich auf der eine Seite melancholisch stimmen. Auf der anderen Seite liegt darin eine Chance, die man auch „September-Reset“, also September-Neustart, nennt.
Etwas auf Reset, also auf Neustart setzten, ist hilfreich, „wenn wir es lernen Bilanz zu ziehen, über unser Leben nachzudenken und die Zukunft zu entwerfen.“
Im Leben eines Christenmenschen gibt sowieso einen Reset. Dieser Neustart heißt Taufe. Denn mit der Taufe ist die Idee verbunden, dass der Mensch ein neues Leben mit Gott beginnt. Weil es aber die Taufe nur einmal im Leben gibt, darum hat der Kirchenreformer Martin Luther gesagt: du sollst dich immer wieder in deine Taufe hineinversetzen. Luther hat für hineinversetzen, das Wort hineinkriechen benutzt – wahrscheinlich, weil er es inniger fand, oder weil er sagen wollte, dass du schon gar nicht mehr aufrecht gehen kannst und mit letzter Kraft in die Taufe kriechst. Und dann: Reset. Frage dich: Was war? Was solltest du möglicherweise verändern? Und dann: neu anfangen. Erfrischt und belebt.
Gerade jetzt, sechs Wochen nach den Sommerferien, ist mein Alltag wieder turbulenter denn je. Einen September-Reset könnte ich gut gebrauchen, um neu ausgerichtet in die letzten vier Monate des Jahres zu gehen. Auch wenn die Arbeit das gerade nicht so will, der Herbst wird mich schon dahin bringen.
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