Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW
Baustelle auf dem Hochschul-Gelände in Ludwigsburg: Seit Monaten verschwindet die einsturzgefährdete Hochschul-Sporthalle. Fenster, Wände und Decken reißen und transportieren die Bauarbeiter ab. Zuvor ist die Halle ausgeräumt worden. Doch etwas ist stehengeblieben - ein Stuhl im 1. Stock! Gut von außen zu sehen, denn die Wände sind schon weg.
Doch der Sporthallenstuhl steht, fast ein bisschen trotzig, als wollte er sagen: Moment mal, hier war doch eben noch richtig Leben. Da hat einer seinen Fuß auf mir abgestellt, um seine Turnschuhe zu binden. Da hat eine ihre Sportjacke über meine Lehne gehängt, bevor sie trainiert. Und manche haben nach dem Sport auf mir Platz genommen, um neu zu Kräften zu kommen.
Der Stuhl auf der Baustelle gefällt mir. Klar, auch er wird weggeräumt. Aber ich will ihn nicht vergessen, wie er dasteht, obwohl sich um ihn herum alles verändert. Denn auch bei uns im Leben verändert sich ja immer wieder etwas.
Ich bin in meinem Leben oft umgezogen, da kann ich ein Lied davon singen, wie alles in Bewegung kommt. Wie es ist, wenn man seinen Platz neu suchen und sich im Leben neu einrichten muss. Das Leben ist manchmal echt wie eine Baustelle; voller Unsicherheit, wie es weitergehen wird. Wie gut, wenn ich dann einen Platz habe, an dem ich mich getragen fühle.
Für mich sind Familie oder Freunde so ein sicherer Platz. Wenn ich umgezogen bin, dann konnte kommen was wollte, Hauptsache meine Familie war dabei.
Für mich und viele ist auch der Glaube so ein sicherer Ort. Wenn es im Leben drunter und drüber geht, auf eins kann ich mich verlassen: Bei Gott habe ich sicher einen Platz. Jesus hat das bei einem Abschied richtig schön gesagt: „Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Ich gehe jetzt hin, um dort einen Platz für euch bereit zu machen.“
Ein Platz für jeden und jede von uns, daran erinnert mich der Baustellenstuhl. Mein Leben ist und bleibt eine Baustelle. In allem, das sich verändert, kann ich aber die Augen offen halten nach dem nächsten Platz. Und ich will darauf achten, dass auch andere einen guten Platz haben auf der Baustelle Leben. Und dann: Gemeinsam schauen, wie es weitergeht, Schritt für Schritt, von Stuhl zu Stuhl.
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