SWR Kultur Wort zum Tag

25SEP2026
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Vor 800 Jahren starb Franz von Assisi. Zu den schönsten Bildern, die sich mit seinem Namen verbinden, gehört jenes von Giotto, wo er den Vögeln predigt. Wach und aufmerksam sitzen sie da und lauschen dem Prediger in der braunen Kutte. Franz von Assisi verkörpert wie kein anderer die biblische Vorstellung vom universalen Schöpfungsfrieden, von der Geschwisterlichkeit aller Lebewesen, ja aller Dinge. Mitgeschöpflichkeit sagen wir heute, also gedeihliches Miteinander und Abschied von aller Unterdrückung. Franziskus ist zur Leitfigur, ja zum Anwalt jener ökologischen Wende geworden, die dringend geboten ist. Wenn da nicht diese dunkle Schattengeschichte wäre, diese ständige Ausbeutung des Irdischen, diese Bedrohung und Zerstörung natürlicher Balancen und Ressourcen. In der Lebenszeit des Franz von Assisi fing dieses Verhalten an, das man mit guten Gründen kapitalistisch nennt – die alles bestimmende Orientierung am maximalem Gewinn und an extremer Wert- und Machtsteigerung in Kirche und Staat, bei Papst und Kaiser.

Just da entscheidet sich Franz für eine Haltung radikaler Solidarität: geschwisterlich soll es zugehen, im freien Austausch aller mit allen, ohne arm und reich, ohne unten und oben. Bald nach seinem Ausstieg aus der Geschäftswelt seines Vaters, noch in den Anfängen der neuen Bewegung, erkundigte sich der besorgte  Bischof bei Franziskus, ob solch ein Leben im radikalen Besitzverzicht nicht viel zu stressig sei. Darauf antwortet ihm der noch nicht 30-jährige: „Herr, wenn wir irgendwelche Besitztümer hätten, wären uns auch Waffen nötig zu ihrem Schutz. Denn dann entstehen Rechtsstreite und viele Zänkereien. Und die Gottes- und Nächstenliebe wird dadurch gewöhnlich verhindert.“ Unglaublich diese Antwort, ein Volltreffer.

Ja, und der Reichtum der Schöpfung wird verraten. Denn da wäre für alle genug, würden wir nur teilen und nicht raffen und kriegen. Der sogenannte Sonnengesang von Bruder Franz, dieses wunderbare Loblied auf die Schöpfung, ist auch ein Protestlied gegen den Egoismus. Nicht der Geldpreis möge unser Leben bestimmen, sondern der Lobpreis, die Freude am Dasein, das Lob der Schöpfung und ihres Reichtums. Deshalb die Vogelpredigt, deshalb der Sonnengesang, auch heute morgen.

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