Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW
Manchmal habe ich das Gefühl, wir möchten alles kontrollieren. Wir planen Wochen im Voraus, schauen aufs Wetter, auf Termine, auf Kontostände und Gesundheitswerte. Und doch genügt oft ein einziger Anruf, und der ganze Plan gerät ins Wanken. Im Judentum gibt es einen bemerkenswerten Satz. Die Rabbiner sagen: Nicht alles liegt in der Hand des Menschen – außer der Ehrfurcht vor Gott.
Das bedeutet: Vieles können wir nicht bestimmen. Wir können Krankheit nicht einfach wegwünschen. Wir können die Vergangenheit nicht ändern. Wir können andere Menschen nicht nach unserem Willen formen. Aber eines liegt immer in unserer Hand: Wie wir einem Menschen begegnen. Ob wir freundlich oder verletzend sprechen. Ob wir helfen oder wegsehen. Ob wir Hoffnung verbreiten oder Resignation. Gerade darin liegt unsere Freiheit. Wir überschätzen oft das, was wir nicht beeinflussen können, und unterschätzen das, was wir jeden Tag bewirken. Ein aufmunterndes Wort. Ein Anruf bei einem einsamen Menschen. Ein ehrliches Dankeschön. Eine Entschuldigung, die überfällig ist. Vielleicht sind das keine großen Taten. Aber sie können für den anderen den ganzen Tag verändern. Ein jüdisches Sprichwort sagt: Wer ein einziges Leben erhält, ist so, als hätte er eine ganze Welt erhalten. Vielleicht beginnt diese Welt nicht mit etwas Großem, sondern mit einer kleinen guten Tat – heute, gleich nach diesem Moment.
Ich wünsche Ihnen einen guten Tag mit offenen Augen und einem offenen Herzen.
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