SWR Kultur Wort zum Tag
Im Sommer habe ich in meinem Urlaub in Schweden einen Nachmittag lang im Wald Heidelbeeren gepflückt. Ich war allein, und es war sehr still, dabei rauschte der Wind in den Bäumen. Fröhlich-verspielt klang das und hat große Leichtigkeit und Ruhe verbreitet.
Alle Farben sind da um mich herum. Alle Farben des Regenbogens, ganz unspektakulär, fast unscheinbar. Und ganz selbstverständlich.
„Erinnert euch an den Regenbogen
An diesem Nachmittag im Heidelbeerwald habe ich zwischen all den Farben darüber nachgedacht, worin dieser Unterschied besteht, von dem Dorothee Sölle spricht: Denn „es macht einen Unterschied, ob in unserem Leben ein Regenbogen vorkommt“. Es macht einen Unterschied gerade in diesem Sommer – weil er mich daran erinnert, dass eine Katastrophe nicht das Ende ist. Und es hat ja Katastrophen gegeben im Sommer: Waldbrände und die Sturzflut in Nepal … In der Bibel macht Gott den Regenbogen zum Zeichen für den Neuanfang des Lebens nach der Sintflut. Der Regenbogen erinnert uns: zerstörerische Kräfte sind beherrschbar. Es gibt eine Verbindung zwischen Himmel und Erde, die das Leben erhalten will. Die Elemente der Erde, das commitment der Menschen und die Lebenskraft Gottes sind ein starker Bund gegen alles Lebensfeindliche.
In die Dürre und Dunkelheit von Herbst und Winter nehme ich vom sommerlichen Heidelbeerpflücken mit: Die Erinnerung an den Regenbogen mit seinen sieben Farben des Lichts, ein süßes Glas Marmelade und eine erstaunliche Kraft im Herzen.
https://www.kirche-im-swr.de/?m=45139