SWR Kultur Wort zum Tag
Ich mag es, in neuen Städten unterwegs zu sein und mir das Leben in ihnen vorzustellen. Viele Eindrücke und Anregungen nehme ich da mit.
Erholung aber finde ich in der Natur. Mindestens eine Woche will ich im Urlaub draußen sein und Wind, Sonne und Wasser direkt auf der Haut spüren, und die Erde unter meinen Füßen. So mit der Natur verbunden geht es mir gut.
In diesem Sommer war ich in Schweden, in einem roten Holzhaus auf Felsen am See zwischen Birken und Heidelbeeren. Jeden Morgen und jeden Abend war ich im Wasser. Oft war der See genauso warm wie die Luft, und weich und anschmiegsam. Die Minuten im See haben mir am Morgen Energie gebracht und am Abend Ruhe. Es ist nicht viel passiert in diesen Tagen. Das war wunderbar. Sehr einfach. Sehr elementar. Im wahrsten Sinn des Wortes: Nah an den Elementen, an dreien von ihnen: Erde, Luft und Wasser.
Eine ideale kleine Welt. So anders als an vielen anderen Orten in Europa in diesem Sommer. Ich konnte einfach leben. Ich habe einfach gelebt. Spürbar verbunden mit der Natur, die an diesem Fleck der Welt im Gleichgewicht schien.
„Merkwürdig, dass wir in Zeiten leben, in denen ‚naturverbunden‘ als Charaktereigenschaft gilt, nicht als Existenzbedingung“, sagt der Schriftsteller John von Düffel. Als Student war er oft einsam. Das Wandern hat ihn gerettet. Er beschreibt es so: „Die Isolation hört in dem Moment auf, in dem ich mich ins Verhältnis setze, und sei es zu einem Stein am Wegrand, einem Baum auf einem Hügel, einer Landschaft, einem Tier. Ich werde nicht vergessen, dass es die Relation ist, die rettet“.
Das ist auch die Überzeugung der kirchlichen Initiative „Schöpfungszeit“ vom 1. September bis 4. Oktober. Mit vielen Kolleginnen und Kollegen schreibe ich seit vier Jahren die „Impulse für die Schöpfungszeit“: ein kurzer Gedanke, ein praktischer Hinweis für jeden Tag. Wer sich bei der evangelischen Erwachsenenbildung in Freiburg per E-Mail anmeldet, findet ihn frühmorgens im Postfach, mit einem Link zum Anhören. Mir helfen die „Impulse für die Schöpfungszeit“, meine Naturverbundenheit theologisch zu reflektieren und praktisch zu leben. Auch nach dem Urlaub.
Denn mein Alltag in der Stadt ist weit entfernt vom schwedischen Haus am See. Was aber auch zuhause geht: ich mache morgens erstmal weit das Fenster auf und schaue in den Himmel. Ich gehe barfuß nach draußen.
Vor den Nachrichten im Radio und vor den Neuigkeiten auf meinem Smartphone sagen mir die Nase in der Luft und die Füße auf der Erde, wie es um meine Welt heute bestellt ist. Naturverbunden beginne ich den Tag.
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Di. 01.09.2026 - So. 04.10.2026 - Tägliche Anregungen zur Selbstbesinnung
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