Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW
Im Matthäus-Evangelium steht der Satz: „Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch!" (7,12). Sie wollen anrufen und sich beklagen? Sie sind verärgert – und sehen auch Gründe hierfür? Unser Alltag ist ja oft voller Misslichkeiten. Und schon nimmt man das Telefon oder schreibt eine Mail, um sich heftig zu beschweren.
Ich möchte einfach zu bedenken geben, ob es nicht auch anders gehen könnte: Greifen Sie zu Stift oder Tastatur nicht nur, um Ärger loszuwerden, sondern um sich zu bedanken. Melden Sie sich, um Lob, Wertschätzung und Anerkennung auszudrücken oder schlicht nochmals „Danke“ zu sagen. Ganz gleich, ob es ein Amt ist, mit dem Sie es zu tun hatten, ein Hotel, das Ihnen Unterkunft bot, eine Firma, die Sie beliefert hat, Handwerker, die Ihnen geholfen haben, eine Arztpraxis, ein Büro, ein Geschäft – verlassen Sie den Ort nicht ohne ein freundliches Wort, ein ehrlich gemeintes Kompliment, einen besonderen Gruß.
„Ein Mensch fühlt plötzlich sich verwandelt, sobald man menschlich ihn behandelt." Sie können die Wahrheit dieser Verszeile von Eugen Roth noch heute experimentell überprüfen.
"Ich rufe nur an, um mich bei Ihnen zu bedanken!" Nach solchen Worten denkt Ihr Gegenüber am Telefon jetzt vielleicht: Hab ich mich gerade verhört? Oder ist heute der Weltfreundlichkeitstag? Ich weiß nicht, ob es den gibt. Falls nicht, könnte man ihn erfinden und gleich für weitere 300 Tage patentieren lassen.
„Hier rufen die Leute in der Regel nur an, um sich zu beschweren", sagt mir die Mitarbeiterin eines Dienstleisters. Dass jemand einfach nur ein kurzes Dankeschön loswerden möchte, bloß so, ohne Berechnung und Hintergedanken, das kommt eher nicht vor. Schade eigentlich.
Denn ein freundliches Wort für einen andern fällt wie ein Lichtstrahl auf uns selbst zurück und erhellt unseren eigenen Alltag. Probieren Sie es aus!
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