Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

01SEP2026
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Heute am Anti-Kriegstag erinnert der DGB an den Überfall Hitler-Deutschlands auf unser Nachbarland Polen – vor nunmehr 87Jahren. Ich sehe vor mir jenes bekannte Presse-Foto mit den frechen Gesichtern deutscher Soldaten, die feixend den Schlagbaum aus der Verankerung reißen, denn: „Räder müssen rollen für den Sieg!“, so die Parole. Doch sie rollten geradewegs ins Verderben. Über 70 Millionen Menschen kamen im Zweiten Weltkrieg ums Leben.

Doch der Wahnsinn hat noch kein Ende. Wieder Kriegsgerassel auch mitten in Europa. Ich fasse es nicht: Da glauben doch viele allen Ernstes, man könne eine Atommacht militärisch zum Frieden nötigen und Verhandlungsbereitschaft erzwingen. Das kann nicht gut gehen!

Im Lukas-Evangelium konfrontiert Jesus einmal seine Hörerschaft mit der Frage: Welcher König, der Krieg führen will, setzt sich zuvor nicht hin und hält Rat, ob er seinem Feind wirklich gewachsen ist? „Wenn nicht“, so fährt Jesus fort, „schickt er eine Gesandtschaft und bittet um Frieden“ (Lukas-Evangelium 14,31-32).

Auf eine solche „Gesandtschaft“ wartet man im Ukraine-, im Gaza- und im Iran-Krieg zurzeit vergeblich. Deutschland und die EU haben nicht einmal einen Plan, wie diese Kriege zu beenden sind. Stattdessen verlängern sie diese noch mit Waffenlieferungen und riskieren einen atomaren Gegenschlag.

In jedem Konflikt braucht`s Vermittler, nicht Sekundanten, Büchsenspanner und Waffenlieferanten, sondern neutrale Vertrauensleute, die geduldig zuhören, nachfragen und analysieren. Das ist die hohe Kunst der Diplomatie. Für Papst Leo ist sie kein bloßes Handwerk, sondern eine „pastorale Berufung“ zur „denkenden Nächstenliebe“.1) Denn Diplomatie will immer auch die Herzen gewinnen.

Das wissen erfahrene Erzieherinnen schon lange, wenn sie mit Herz und Hirn Konflikte ihrer jungen Streithähne schlichten. Ich wünschte mir, man könnte die Kriegstreiber mit ihren breiten Hintern auf Kinderschemeln in einen solchen Stuhlkreis setzen. Sie kämen erst wieder hoch, wenn sie sich die Hand zur Verständigung reichen.

Was Kinder kapieren, müssten doch auch Politiker begreifen, nämlich: Wer Frieden will, muss mit dem Feind reden.

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  • Schreiben Leo XIV. an die Diplomaten-Akademie (21. 11. 2025)

https://www.vaticannews.va/de/papst/news/2026-01/papst-leo-xiv-diplomatenakademie-brief-jubilaeum-naechstenliebe.html

https://www.kirche-im-swr.de/?m=45132
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