Begegnungen

30AUG2026
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Emilia Mappes (links) und Sabine Winkler copyright: Sabine Winkler

Guten Morgen, ich bin Sabine Winkler (atmosphärische Schritte und Kinderstimmen) und hier mit meiner Familie im Wildparadies Tripsdrill bei Heilbronn unterwegs (eine Begrüßung ist im Hintergrund zu hören) und das ist Emilia Mappes, sie arbeitet für das ökumenische Kirchen-Projekt „Bibeltiere“. D.h. sie und ihr Team bieten Führungen zu Tieren an, die in der Bibel vorkommen:

„Also es geht eigentlich darum, dass wir die Tierwelt oder die Tierinformationen altersgerecht vermitteln, damit sich eben eine Art Verantwortung für die Tiere als Mitgeschöpfe herausbildet.“

Heute begleitet sie meine Familie und mich. Wir sind schnell per „Du“. Doch kaum angekommen, werden wir ganz neugierig begrüßt: Ein Damhirsch will wissen, ob wir was zu futtern dabeihaben.

(atmosphärischer Tier-Schnaufer, dann Emilia Mappes:) „Du bist jetzt aber schüchtern! - (eine Kinderstimme) Schau mal, Spucke hat der gemacht! - (eine andere Kinderstimme) Wieso gehen die immer weg von uns? (Emilia Mappes spricht) Hirsche und Rehe sind relativ scheue Tiere. Also, die leben zwar unter sich, meistens in Rudeln, aber bei Menschen sind sie relativ scheu.“

Wir sind plötzlich mitten auf Tuchfühlung mit den Tieren, lassen uns beschnuppern und streicheln sogar ein paar.

Emilia verrät mir dann, dass sie das mit einer Kindergruppe normalerweise erst am Ende einer Führung macht. Verständlich. Ihre Führungen beginnt sie stattdessen mit einem Impuls, um die Kinder zum Nachdenken anzuregen.

„Entweder ein Spiel oder mit so Tierkarten und Fotokarten. Welches Tier ist euer Lieblingstier? Was verbindet ihr mit dem Tier? Bei den Erwachsenen fragen wir auch oft: In welchem Tier seht ihr Gott oder versteht ihr Gott? Welche Eigenschaften erinnern euch an Gott?“

Und dann geht’s los zu den Tieren der Bibel. Jede Station ist ähnlich aufgebaut:

„Bei den Schafen, reden wir zum Beispiel darüber, dass Schafe sehr soziale Tiere sind, dass sie Freundschaften schließen., (…) Wir gehen dann auf die biblische Bedeutung des Tieres ein. Beim Schaf ist es zum Beispiel das am häufigsten erwähnte Tier in der Bibel mit ganzen 193 Malen, wenn ich mich recht erinnere [redaktionelle Anmerkung: 196 ist korrekt] und wird halt auch als besonderes reines Tier beschrieben.“

Schafe - sind die kleinen Superstars der Bibel, verrät Emilia:

„Das Mähen finden die Kids halt super, wenn die dann anfangen zu blöken.“

Das oft weiße Fell und die sanfte, ruhige Art von Schafen haben den Menschen schon früh das Gefühl von Reinheit und Frieden vermittelt. In der Bibel wird dieses Bild aufgegriffen. Schaf und Wolf stehen für das Gute und das Böse. 

„Wölfe fressen das Schaf oder reißen das Schaf. Auf der anderen Seite gibt es auch Hoffnungsbilder mit dem Schaf und dem Wolf, wo die friedlich koexistieren. Was halt auch so ein Hoffnungsbild für die Zukunft sein soll, um eben noch mal einen anderen Zugang zu den Gefühlen des Menschen zu erlangen. Das finde ich voll spannend.“

Eine Führung dauert so zwischen ein und zwei Stunden und entdeckt werden können knapp 15 biblische Tiere. Das Wildparadies hat da einiges zu bieten. Plötzlich klappert es:

(Kinderstimme:) „Was macht hier so?“ - (Emilia Mappes:) „Das ist der Storch, der klappert. Das klingt cool, ne?“ 

Störche gelten als Symbol der Fürsorge, weil sie sich sowohl um die Jungtiere als auch um die Alten kümmern. Sie sind sehr treu und zuverlässig. „Selbst der Storch am Himmel kennt seine Zeiten“, so steht es bei Jeremia (Jer 8,7). Erinnert wird an die Zugzeiten der Vögel, die vorbildlich eingehalten werden, während die Menschen Gottes Gebote immer mal wieder ignorieren. (Erneutes klappern.) Und jetzt klappert der Storch direkt über uns!

Emilia ist Teil eines 4-köpfigen ökumenischen Kirchen-Teams, das Führungen im Wildparadies von Tripsdrill anbietet.

Eine biblische Tierführung können Familien oder Klassen kostenlos zum Eintritt dazubuchen und dann die Tiere hautnah kennenlernen.

Das Projekt-Team will damit eine Brücke zur Bibel schlagen:

Wir haben die Verantwortung für die ganze Schöpfung. Also, dass wir Tiere als Mitgeschöpfe erfahrbar machen, das ist ja der Punkt.  

Wir kommen aus dem Wald heraus und sehen Greifvögel, wie sie die Sonne genießen. Meine Kinder staunen, denn da ist kein Käfig. Lediglich eine unscheinbare Flugleine bindet die Vögel an ihre Arena. Ein Weißkopfseeadler sitzt auf einem Baumstumpf und präsentiert sich uns.

„Guck mal, jetzt hat er seine Flügel ausgebreitet. Als ob er sich dir zeigen möchte. (…)Und jetzt kann man auch gut sehen, wieso der Adler als Wappentier benutzt wird. Wenn er seine Flügel ausbreitet, sieht er richtig majestätisch aus. Aus diesem Grund nennt man ihn auch König der Lüfte.“

In der Bibel steht der Adler für Gottes Schutz und Fürsorge. Gott trägt uns, wie ein Adler seine Jungen auf seinen Flügeln trägt (Ex 19,4) und zum anderen werden wir Menschen auch mit einem Adler verglichen, der seine Schwingen ausbreitet, um zu fliegen (Jes 40,31). Man muss wissen, Adler sind Segelflieger und nutzen gezielt die Thermik, ohne sich selbst anzustrengen. Was für ein tolles Bild für die Beziehung zwischen Gott und Mensch! Mit so einem biblischen Tiefgang bin ich einem Adler noch nie begegnet!

Aber wie ist das denn mit den Kids will ich von Emilia wissen, welche Erfahrungen macht sie da?  

„Also ich finde das richtig interessant und schön zu sehen, wie motiviert und wie clever Kinder dann eigentlich doch sind. (…) und dann stellen die auch Rückfragen und können Verknüpfungen erstellen. (...) Also ich finde insbesondere menschliche Verhaltensweisen werden von Kindern sehr viel öfter in Tiere und in ihre Verhaltensweisen reininterpretiert. So eine Art Faszination von wegen wir sind gar nicht so verschieden. Die hat einen Freund, ich habe Freund…“

So eine Bibeltier-Führung vermittelt nicht trockene Fakten rund ums Tier, sondern ermöglicht eine lebendige Begegnung. Dazu gehört beobachten, staunen, anfassen und auch füttern.

„Mama, fass mal das Geweih an, das ist mega pelzig!“

Wer die Infos zu den Tieren nachlesen will, kann es gerne unter bibeltiere.de tun. Die Kirchen stellen die Infos kostenlos zur Verfügung. Emilia Mappes und ihrem Team ist eines dabei wichtig:

„Es geht nicht darum, irgendwie den Glauben zu verkünden, sondern es geht wirklich nur darum, die Tierwelt näher zu bringen. Und wir bedienen uns zusätzlich eben dieser religiösen Komponente, weil wir aus dem Bereich kommen.“ 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=45130
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