Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

25AUG2026
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Es fängt an mit: auf die Zehenspitzen gehen – alle zusammen. Dann die Arme ausstrecken und sich dehnen – erst rechts, dann die linke Seite. Und wenn dann noch alle in der Gruppe zusammen herzhaft gähnen und seufzen und anfangen gemeinsam auf demselben Ton zu simmen – dann ist die Wahrscheinlichkeit relativ hoch, dass man in einem Chor gelandet ist.

Für mich ist das Chorsingen eine große Konstante in meinem Leben, auch wenn ich sehr oft umgezogen bin. Einer meiner ersten Wege am neuen Wohnort: In einen Chor. Ich bin dabei noch nie enttäuscht worden.

Denn eines habe ich überall gefunden: Eine Chorgemeinschaft. Und oft eine Chorgemeinschaft, die vielfältig war: Junge und alte Menschen haben da zusammen gesungen. Menschen mit engem Bezug zur Kirchengemeinde gemeinsam mit Menschen, die vor allem wegen des Gesangs waren.

Im Chor ist es wichtig, seine eigene Stimme so in den Gesamtklang einzufügen, dass ich die anderen nicht übertöne, aber meine Stimmgruppe trotzdem gut hörbar bleibt. Das funktioniert nur, wenn alle Stimmen mitziehen – und ganz ehrlich: auch nach über 30 Jahren Chorerfahrung muss man immer wieder daran erinnert werden.

Aber erst, als ich vor Kurzem einen internationalen Chor gehört habe,  da ist mir aufgefallen: in den normalen Chören auf dem Dorf oder bei mir in der Stadtgemeinde, da singen nur wenige Leute mit Einwanderungsgeschichte mit. Anscheinend ist das nicht ansprechend für sie.

Woran das liegt, habe ich noch nicht herausgefunden. Aber genau das habe ich mir vorgenommen.

Wenn wir bewusst Menschen einladen, dann entstehen vielleicht ganz neue Chöre – und es tun sich Leute zusammen die neugierig sind auf Musik aus der ganzen Welt. Es gibt schließlich noch viel mehr Musik außer Beethoven, Mozart und Mendelssohn. Denn  Gemeinschaft entsteht schließlich nicht von allein. Sie wächst dort, wo Menschen das Gefühl bekommen: Hier ist auch meine Stimme willkommen.

Denn Chorsingen lebt nicht davon, dass alle gleich sind. Im Gegenteil. Ein Chor klingt gerade dann schön, wenn unterschiedliche Stimmen zusammenkommen, aufeinander hören und ihren Platz finden. Vielleicht gilt das nicht nur für die Musik. Sondern auch für das Zusammenleben.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=45086
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