Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW
Anfang Juli haben wir mit dem diesjährigen Konfi-Jahrgang eine WG-Woche gemacht. Eine Woche lang im Gemeindehaus wohnen – und der Rest des Lebens geht ganz normal weiter. Die Konfis sind zur Schule gegangen, die Erwachsenen zur Arbeit. Und zwischendrin ist eine richtig schöne Gemeinschaft entstanden. Wir haben viel gespielt, gemeinsam der Hitze getrotzt, gekocht, gegessen, abgewaschen... Und irgendwann wurde dann auch geschlafen. Und obwohl es so einfach war – wir hatten keine spektakulären Aktionen – wollte am Ende der Woche kaum jemand gehen, so gut war die Gemeinschaft.
Oder ein anderes Beispiel – aber viel weiter weg, letzten Sommer: die Jugendfreizeit in Kroatien. Direkt am Meer. Dreimal baden am Tag, Geländespiele. Es war also viel mehr geboten. Und trotzdem war am wichtigsten: Leben miteinander zu teilen. Wir haben gemeinsam gegessen, gewartet, bis alle da waren, und am Ende des Tages miteinander geteilt, was wir erlebt haben. Hier das gleiche: Am Ende viel Abschiedsschmerz, und alle sind sich einig: die Gemeinschaft wird fehlen.
Ob im Alltag in Deutschland oder über die Alpen hinweg in Kroatien: Was diese Gemeinschaft ausmacht, ist eigentlich gar nicht so viel. Es braucht Zeit füreinander. Und die Lust, das Leben miteinander zu teilen.
Natürlich leben solche Angebote auch davon, dass von vornherein klar ist: Das ist eine Gemeinschaft auf Zeit. Da blendet man manches aus, was einem vielleicht nach drei Wochen auf die Nerven gehen würde.
Ich mag es, dass diese Suche nach Gemeinschaft eine Grundlage meines Glaubens ist. Die Grundlage, um gemeinsam nach dem richtigen Weg zu suchen. Und gemeinsam zu fragen, was der Glaube an Gott eigentlich bedeutet. Jesus hat mit seinen Jüngern intensiv das Leben geteilt. In den ersten christlichen Gemeinden wurde Gemeinschaft zu einem zentralen Gut. Und sogar die Dreieinigkeit gehört hierher: Gott ist Gemeinschaft. Vater, Sohn und Heiliger Geist. Gemeinschaft gehört also nicht nur zum christlichen Leben. Sie steckt schon in Gott selbst. Und dieser Gott sucht die Gemeinschaft mit Menschen.
Ich will herausfinden, wie solche Inseln der Gemeinschaft, die ich im Sommer erlebe, auch für andere Altersgruppen möglich werden können – oder ob es sie vielleicht längst gibt. Eine Idee habe ich schon: Bei uns in der Gemeinde das Kaffeetrinken und Zusammensitzen nach dem Gottesdienst wieder stärker zu beleben. Das ist vielleicht nicht so intensiv wie eine Woche gemeinsam im Gemeindehaus. Aber mir ist bewusst geworden: Es braucht nicht viel dafür. Eine Tasse Kaffee und etwas Zeit könnte schon reichen.
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