Anstöße SWR1 RP / Morgengedanken SWR4 RP

26AUG2026
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Vor kurzem bin ich in Stuttgart in der Innenstadt auf Parkplatzsuche gewesen. Ich habe – gegen jede Wahrscheinlichkeit – tatsächlich auch einen gefunden; und musste deswegen kurz meinen Glauben hinterfragen.

An dem Abend hatte ich eine Freundin von außerhalb besucht. Und als ich aufgebrochen bin, da habe ich noch gesagt: Jetzt kommt der schlimmste Teil des Abends: die Parkplatzsuche in Stuttgart. Da hat meine Freundin nur gegrinst und gemeint: Meine Oma hat, wenn sie mit ihren sieben Enkeln unterwegs war immer für einen freien Parkplatz gebetet. „Wirf dein Anliegen auf den Herrn“ heißt es in der Bibel, also hat sie das gemacht. Soll ich das für Dich jetzt auch machen? Dafür beten, dass du einen Parkplatz findest?

„Kann ja nicht schaden“ oder so etwas ähnliches habe ich beim Losfahren gemurmelt – obwohl ich eigentlich fest die Meinung vertrete, das Gebet so nicht funktioniert. Auch meinen Konfis oder in meinen Predigten am Sonntag sage ich das: dass das Gebet nicht einfach eine Wunschmaschine ist, die unser Leben leichter macht.

Ich bin also losgefahren, die Freundin hat für den Parkplatz gebetet – und tatsächlich: als ich in meine Heimatstraße eingebogen bin, war der perfekte Parkplatz frei, direkt vor meiner Haustür. Sonst suche ich um diese Uhrzeit schon einmal eine halbe Stunde.

Und trotzdem bleibe ich dabei: Gebete sind keine Wunscherfüller. Und ich glaube, dass so eine Gebetspraxis auch gefährlich ist. Weil man schnell an die Frage kommt: Wenn ich das nächste Mal keinen Parkplatz finde – habe ich dann nicht genug gebetet? Oder sonst etwas falsch gemacht? Dann hängt meine Beziehung zu Gott auf einmal davon ab, wie oft ich einen freien Parkplatz finde. Und es würde wichtige Fragen offenlassen: Warum kümmert sich Gott um freie Parkplätze für mich, aber nicht um zum Beispiel ausreichend Essen für Menschen, die auf der Straße leben?

Die Frage kann ich nun mal nicht beantworten - und werde gleichzeitig trotzdem für Menschen in Not oder Obdachlosigkeit beten – und manchmal auch für einen freien Parkplatz. Ich finde darin kommt ein Grundvertrauen zum Ausdruck, das mir und meiner Beziehung zu Gott guttut. Was Gott draus macht, das überlass ich ihm.

Zwei Tage später habe ich es noch einmal versucht. Wieder Parkplatzsuche, wieder ein kurzes Gebet. Diesmal ohne Erfolg. Ich bin lange um die Häuser gefahren. Seltsamerweise war ich danach nicht enttäuscht von Gott. Vielleicht brauchte einfach jemand anderes den Parkplatz dringender. Vielleicht auch nicht. Aber es tut mir gut, dass ich Gott sagen kann, was mich belastet. Und genau wie die Oma meiner Freundin nehme ich den Satz ernst: „Wirf dein Anliegen auf den Herrn“.

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