SWR3 Gedanken

04SEP2026
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Nächste Woche erfahre ich, welche Klassen ich im kommenden Schuljahr unterrichten werde. Wie immer werde ich auch wieder jede Menge selbst lernen. Immer wieder neu auch das Allerwichtigste, wie ich finde: „Lass dich nicht von dem ablenken, was du sehen kannst. Versuche, den Menschen hinter dem Sichtbaren zu sehen.“

Es ist schon ein paar Jahre her, da ist mir das zum ersten Mal aufgegangen: Da war das Kind, das ständig andere abgelenkt hat. Ich konnte sagen, was ich wollte. Dieses Kind hat weiter gequasselt. Irgendwann habe ich erfahren: Diesem Kind fällt Stillsein viel schwerer als anderen. Es lebt mit ADHS – das ist eine Störung der Impulskontrolle und der Konzentration.

Ein anderes Kind hat sich im Unterricht nie gemeldet. Habe ich es einfach so aufgerufen, hatte es tolle Antworten parat. Mich hatte das irritiert. Warum meldet sich das Kind nicht, wenn es so großartige Gedanken beitragen könnte? Inzwischen weiß ich, dass dieses Kind Angst hat, im Mittelpunkt zu stehen. Von anderen bewertet zu werden. Eine soziale Phobie.

So habe ich in dieser Schulklasse für das ganze Leben gelernt: „Lass dich nicht von dem ablenken, was du sehen kannst. Versuche, den Menschen hinter dem Sichtbaren zu sehen.“ Das ist mir nicht einfach so eingefallen. Ich habe mich dabei von etwas inspirieren lassen, das in der Bibel über Gott steht:

„Der Mensch sieht, was vor Augen ist. Gott aber sieht das Herz an“ (1. Samuel 16,7b).

Natürlich lenkt mich das Offensichtliche trotzdem immer noch ab. Noch heute ärgert es mich oft, wenn in einer Schulklasse jemand ständig quasselt. Auch wenn ich um eine ADHS-Diagnose weiß. Aber ich mach mir das immer wieder bewusst. Und bin mir sicher: Allein der Versuch, dahinter zu schauen, ist schon viel wert. Darum:

„Lass dich nicht von dem ablenken, was du sehen kannst. Versuche, den Menschen hinter dem Sichtbaren zu sehen.“

https://www.kirche-im-swr.de/?m=45078
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