SWR4 Abendgedanken

27AUG2026
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Ich komme völlig schweiß gebadet auf dem Friedhof an. Ich habe dort gleich eine Trauerfeier. Es ist einer der heißesten Tage im Jahr und ich bin superspät dran. Auf der Straße war die Hölle los und dann hab ich vor dem Friedhof ewig nach einem Parkplatz gesucht. Ich bin völlig gestresst. Vor der Trauerhalle steht schon der Friedhofsbeamte. Als er mich sieht, kommt er mir entgegnen.

Ich begrüße ihn und sage sofort: „Es tut mir sehr leid, dass ich so knapp komme...“ und möchte ihm erklären, warum. Doch soweit komme ich gar nicht. Er lächelt mich an und sagt: „Gar kein Problem. Es reicht noch gut. Kommen sie erst mal in Ruhe rein, da ist es auch ein bisschen kühler.“ Ich atme gleich ein wenig durch. Trotzdem. Es sind nur noch fünf Minuten. Als wir in der Sakristei sind, ziehe ich die Liedblätter aus meiner Tasche, die noch gefaltet werden müssen. Ich möchte damit anfangen, aber der Friedhofsbeamte nimmt sie mir sofort ab und kümmert sich darum. Ich bedanke mich. Das entlastete mich in dieser Situation wirklich sehr.

In der Trauerhalle steht die Luft. Bevor die Feier beginnt, begrüßt der Beamte die Trauergäste und sagt, dass für alle noch Wasser bereitsteht und dass wir nachher draußen ganz in Ruhe zum Grab laufen werden. Jeder in seinem Tempo.

Und dann beginnen wir.

Nach der Feier reden wir noch miteinander. Und ich merke, dass es dem Friedhofsbeamten wirklich wichtig ist, dass hier Menschen würdig verabschiedet werden und die Trauenden dafür hier einen guten Ort haben.

Ich bin so beeindruckt von ihm. Grade bei dieser Hitze, bei der gefühlt alle Menschen, denen ich begegne, entweder in den Seilen hängen oder total gereizt sind. Ich würde gut verstehen, wenn er in dieser Situation einfach nur seinen Job machen und sich nicht auch noch um meine Liedzettel und Wasser für die Angehörigen kümmern würde. Aber, das kam für ihn nicht in Frage.

Mir hat das so gutgetan. Weil er so ruhig und bedacht geblieben ist.

Solche Menschen sind so wichtig. Die Ruhe bewahren. Die mir ihre Ruhe leihen oder schenken. Gerade dann, wenn es stressig und hektisch wird. Diese Menschen sorgen nicht nur für Ruhe, sondern auf ihre Weise auch für Frieden. Weil in einer angespannten Atmosphäre auch schnell ein Streit aufkommt. Ich habe an diesem Tag die Erfahrung gemacht, dass Frieden da beginnt, wo jemand sagt: „Kein Problem. Es reicht noch gut.“

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