SWR4 Abendgedanken

24AUG2026
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Ich bin auf dem Weg zur Arbeit. Auf einer Treppe kommt mir eine Frau entgegen. Wir schauen uns ins Gesicht und sie lächelt mich an. Das Ergebnis: Ich lächle zurück und sie lächelt noch mehr und geht weiter. Auch ich gehe lächelnd weiter.

Wir haben kein Wort gewechselt. Es war nur ein Augenblick. Doch diese kurze Begegnung hat zur Folge, dass ich lächelnd ins Büro komme und gut gelaunt zu arbeiten beginne.

Es gibt ein psychologisches Phänomen, das nennt sich emotionale Ansteckung: Stimmungen springen von einem Menschen auf den anderen über. Oft ohne, dass wir es merken. Wenn jemand schlecht gelaunt zur Arbeit kommt und einen Kollegen anpflaumt, dann setzt sich diese Laune häufig weiter fort.

Es gibt Menschen, bei denen bin ich darauf vorbereitet, dass sie schlecht gelaunt sind. Bei diesem einen Kollegen z.B. weiß ich: Bei ihm ist das Glas immer halb leer. Und inzwischen weiß ich auch: Er ist nicht wegen mir schlecht gelaunt. Das ist einfach seine Grundstimmung. Deshalb kann ich sie stehenlassen, anstatt sie anzunehmen und weiterzutragen.

Anders ist es allerdings, wenn jemand mir gegenüber unvermittelt und ohne erkennbaren Grund seine schlechte Laune zeigt, dann beeinflusst mich das schon. Und oft sinkt meine Laune dann auch in den Keller.

Aber, und das ist die gute Nachricht, nicht nur schlechte Laune steckt an. Lächeln auch.

Genau das habe ich bei dieser kurzen Begegnung auf der Treppe erlebt. Die Dame hat nicht „Hallo“ gesagt. Muss auch gar nicht sein, wir kennen uns nicht. Aber ihr Lächeln ist übergesprungen und meins auch. Es hat uns nichts gekostet. Nicht einmal Zeit, aber es hat unseren Tag besser gemacht.

In der Bibel gibt es viele Erzählungen, wie Jesus auf Menschen zugegangen oder ihnen im Vorbeigehen begegnet ist. Auch wenn nirgendwo explizit steht, dass Jesus diese Menschen zuerst angelächelt hat. Ich glaube das trotzdem. Es kann gar nicht anders gewesen sein. Er muss gelächelt haben! Denn die Leute haben gleich gemerkt: Er sieht mich, meint mich und er meint es gut mit mir.

Für mich ist Lächeln deshalb die kürzeste Form der frohen Botschaft. Und die sagt: Ich sehe dich und ich meine es gut mit Dir. Ich fände es toll, wenn wir uns mehr anlächeln würden. Denn das ist nicht nur eine kleine Geste, es ist eine bewusste Entscheidung, den anderen wahrzunehmen.

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