SWR4 Abendgedanken
Der Mond ist aufgegangen, die goldnen Sternlein prangen am Himmel hell und klar… – ich finde, das ist ein wundervolles Abendlied. Ich habe es früher meinen Kindern vorgesungen, wenn ich sie ins Bett gebracht habe. Und ich singe es heute immer noch gerne. Das Lied strahlt für mich Frieden und Geborgenheit aus. Und es lässt mich glauben, dass Gott diese Welt und auch mich in seinen Händen hält.
Wenn ich am Abend ins Bett gehe, dann tut es mir gut, wenn ich alle meine Gedanken und Sorgen, die mich den ganzen Tag umgetrieben haben, ablegen kann. Das ist oft gar nicht so leicht. Manchmal lassen mich meine Gedanken nicht zur Ruhe kommen, sondern kreisen immer weiter in meinem Kopf herum. Wenn ich mir Sorgen um meine Kinder mache oder nicht weiß, wie ich meine Arbeit erledigen soll, dann wälze ich mich unruhig und schlaflos im Bett herum. Und so geht es vielen Menschen. Manche greifen dann abends nach Alkohol oder Schlaftabeltten, um endlich zur Ruhe zu finden.
Ich jedoch versuche dann Worte zu beten, die aus dem Lied von Matthias Clauius stammen: „Wie ist die Welt so stille und in der Dämm’rung Hülle so traulich und so hold als eine stille Kammer, wo ihr des Tages Jammer verschlafen und vergessen sollt.“ Ich gebe zu: Diese Worte klingen sehr altertümlich. Aber ich verstehe, was Matthias Claudius sagt: Er lenkt meinen Blick auf Gott. Er gibt mir das Vertrauen, dass mein Leben, mein Nachtschlaf, ja sogar einst mein Sterben in Gottes Hand geborgen liegen. Gott kann meine aufgescheuchte Seele zur Ruhe bringen.
Vielleicht ist das die eigentliche Botschaft dieses alten Abendliedes „Der Mond ist aufgegangen“: Ich darf loslassen. Ich muss nicht alles kontrollieren. Ich muss nicht für alles eine Lösung haben. Der Tag geht zu Ende. Die Nacht bricht herein. Der Mond geht auf. Und über allem steht die Zusage Gottes: Du bist nicht allein. Du bist gehalten. Ich, Gott, bin bei dir. Das hilft mir zur Ruhe zu kommen und von Gott geborgen einzuschlafen.
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