SWR3 Gedanken
In meinem Garten stehen Figuren: Schafe, Vögel, Schmetterlinge und Igel. Nach und nach sind immer neue Tiere dazugekommen. Sie alle haben gemeinsam, dass sie als Label „Edelrost“ tragen: Gartendeko Edelrost. Für mich sehen diese Figuren schön aus. Und ich mag es, dass sie aussehen, als hätten sie schon etwas erlebt. Nicht neu und glänzend, sondern eben rostig.
Eigentlich mag man Rost ja nicht. Bei diesen Figuren für den Garten passt es aber gut. Edelrost. Mich erinnert das ein bisschen an unsere Gesellschaft. Am liebsten möchte keiner alt werden oder alt sein. Manche Menschen tun alles für Longevity. Also ein möglichst langes und gesundes Leben. Dagegen spricht ja an sich nichts. Nur eben dann, wenn Alter automatisch gleichgesetzt wird mit Mangel und ich deshalb das Alter nicht mehr wertschätzen kann. Wenn alte Arbeitnehmer nicht mehr als Erfahrungsschatz gesehen werden, sondern nur noch als Last. Wenn die Menschen, denen man ihr Alter ansieht, in Falten, krummen Rücken oder langsamen Beinen, lieber daheim bleiben sollen, als in der Öffentlichkeit unterwegs zu sein. Dann ist das schlecht.
In der Bibel werden alte Menschen geschätzt. Natürlich nicht deshalb, weil sie alt sind. Auch ältere Menschen können irren oder schuldig werden – wie wir alle. Aber die Bibel traut ihnen etwas zu: Lebenserfahrung und Weisheit. Darum heißt es im Alten Testament: „Vor einem grauen Haupt sollst du aufstehen und die Alten ehren.“
Dahinter steckt eine schöne Haltung: Fragen, was ein Mensch erlebt hat. Zuhören, was er erzählen kann. Profitieren von seiner Lebenserfahrung.
Es ist ein bisschen so wie bei meinen Edelrostfiguren. Wer nur den Rost sieht, übersieht ihre Schönheit. Wer sich Zeit nimmt hinzusehen, entdeckt etwas Wertvolles.
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