Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

11AUG2026
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Seit ein paar Monaten habe ich wieder einen Hund an meiner Seite. Genauer gesagt eine Hündin: Rosinchen heißt sie. Und natürlich lese ich alle Tipps zu Hundeerziehung und -gesundheit, die Facebook mir so zuspielt. Man will ja schließlich alles richtig machen. Und – ich staune:

„Würden Sie wollen, dass Ihr Hund mit Ihnen Kommandos trainiert? Wohl nicht – warum machen Sie das dann mit Ihrem Hund?“ so was steht da nicht nur einmal.  „Ihr Hund muss nicht 100prozentig gehorchen. Er ist ihr Freund – und ihre Freunde würden Sie doch auch nicht dressieren…“

Das ist ein Trend, ein Haustier ein Stück weit zu vermenschlichen, ist ja nicht neu. Aber mir scheint er gerade noch stärker zu werden: Mein Hund – der Freund, das Familienmitglied, sogar besser als ein Partner oder menschlicher Freund.

Und in der Tat: Menschliche Beziehungen sind kompliziert.  „Da ist mir jemand durchaus sympathisch, aber ist  er vielleicht Veganer? Ich esse Fleisch… werden wir überhaupt miteinander auskommen?“  – „Die neue Nachbarin nimmt für die Kurzstecke nach Berlin das Flugzeug? Wie kann sie nur? Dafür hat sie mich schief angeschaut, weil ich was beim chinesischen Online-Händler Temu bestellt habe – unmöglich findet sie so was.“

Nein, es ist nicht einfach, heutzutage – mit echten, menschlichen Freundschaften oder Beziehungen. Hunde dagegen – oder auch Katzen, vielleicht auch das eigene Pferd oder die Zwergziegen im Vorgarten – sind „Engel ohne Flügel. Voller bedingungsloser Liebe…“

Aber das sind sie nicht. Es sind Tiere, und sollten es auch bleiben dürfen. Ich finde die biblische Erzählung deshalb auch sehr klug, die erzählt, wie Gott alle Lebewesen erschaffen hat. Zuerst macht er Adam, den ersten Mann. Und dann alle Tiere, damit der Mensch  nicht allein ist. Aber keines der Tiere passt so recht zu Adam. Da nimmt Gott eine Rippe von Adam und macht daraus Eva, die erste Frau. Und die beiden passen. Sie entsprechen einander, wie die Bibel sagt. Denn sie haben das gleiche Wesen.

Zugegeben: zum menschlichen Wesen gehören auch Eifersucht, Missverständnisse und Eitelkeiten. Die Bibel erzählt, dass Adam und Eva das Paradies verlassen müssen. Und bis heute ist unser Zusammenleben alles andere als konfliktfrei oder einfach. Aber  deshalb aufgeben? Lieber ein Haustier vermenschlichen oder gleich nur noch mit einem virtuellen Gegenüber „sprechen“? Das ist keine Lösung, finde ich. Das macht nur – einsam.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=45022
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