Begegnungen

09AUG2026
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Giulia Petrecher und Hannah Böhringer Rechte: privat

Felix Weise trifft Giulia Petrecher und Hannah Böhringer – Mitglieder in einem über 20-köpfigen Betreuerteam für mehr als hundert Kinder und für zwei Wochen Action den ganzen Tag. Hier in Stammheim gibt es – wie in vielen Stadtteilen Stuttgarts und in der Umgebung – in diesem Jahr wieder ein Waldheim der evangelischen Kirche. Giulia, 21 Jahre alt, ist ehrenamtlich dabei und sonst Studentin für das Grundschullehramt:

Also ich bin selber als Kind schon ins Waldheim gegangen und deswegen war das eigentlich schon immer so einer meiner Träume, irgendwann auch Betreuerin zu sein

Hannah ist Jugendreferentin in Stammheim und trägt die Hauptverantwortung für die Durchführung und Planung. Schon gut, dass es außerdem zum Job gehört …

… täglich so die vielen lachenden Kinderaugen zu sehen, die einfach super viel Spaß haben, weil es einfach ein abwechslungsreiches Programm gibt.

Lachende Kinderaugen: Um für unbeschwerte und fröhliche Sommertage zu sorgen. Dafür nimmt Hannah gern auch Überstunden in Kauf. Und für die Gemeinschaft. Es sind immer viele neue Kinder im Waldheim. Unter den Ehrenamtlichen sind aber viele schon seit Jahren mit dabei – so wie auch Giulia:

Man weiß, die ersten 2 Wochen sind Waldheim, da wird kein Urlaub gebucht, das ist einfach, da kommen einfach alle zusammen. Auch wenn man jetzt im Alltag vielleicht nicht so viel miteinander macht.“

Und obwohl es Waldheim heißt: Im Wald findet das Ganze gar nicht statt. In Stuttgart ist Waldheim schlicht der Name für ein Ferienprogramm ohne Übernachtung. Was macht dieses Waldheim aus, für das die Ehrenamtlichen so viel Zeit investieren? Für Giulia sind es die kleinen Momente

Ich bin immer für die Armbänder machen verantwortlich. Und dann saßen wir alle zusammen und dann haben wir da eine Folge von den „Drei Fragezeichen“ angehört. Und ich fand es halt so cool, weil es irgendwie so einfach war und wir da einfach alle zusammen die Armbänder gemacht haben, dann die Geschichte da angehört haben. Und das war für mich so ein einfühlsamer Moment und es ist einfach eine schöne Erinnerung daran.

Ähnlich bei Hannah. Für sie macht ein gutes Waldheim aus…

…wenn ich im Waldheim nicht so viele Orga Sachen machen muss, sondern dann auch bei den Gruppen einfach vorbeischauen kann und da teilweise beim Programm mitmachen kann und die Kinder sich dann auch voll freuen, wenn ich dann mal bei denen vorbeischau. Das ist dann irgendwie cool.

Dass sie es als Mitarbeiterin schafft, gute Beziehungen zu den Kindern aufzubauen, das merkt Giulia an ihren Rückmeldungen:

Oder dann kommt manchmal Kinder zu einem sagen ja, du bist meine Lieblingsbetreuerin oder Ich bin froh, dass du meine Betreuerin bist.

Für das Team, das so ein Waldheim organisiert, ist die Motivation, den Kindern eine gute Zeit zu bereiten. Wie erleben die beiden das Team, in dem sie zusammenarbeiten?

Also ich glaube zum einen, dass wir einfach ein echt gutes Team untereinander sind und es gibt nie große Streitigkeiten, die irgendwie ausarten. Klar gibt es mal Meinungsverschiedenheiten, aber ich würde schon sagen, dass es eine Stärke von unserem Team ist, dass man sich nicht irgendwie zurückziehen muss, irgendwas anzusprechen oder so was. Dass das immer offen kommuniziert ist, dass wir Ansprechpartner sind und dass einfach drauf geschaut wird, dass wir ein gutes Miteinander haben.

[Hannah]Und wir unterstützen uns auch gegenseitig. Wenn man jetzt merkt, bei mir ist gerade zu viel, dann sagt man das und dann zieht man sich einfach kurz raus und dann übernehmen die anderen oder haben mehr einen Blick drauf.

Vielleicht funktioniert der Zusammenhalt auch deshalb so gut, weil die meisten Teamer als Kind selbst im Waldheim gewesen sind. Sie sind sozusagen „Eigengewächse“. Wer zu alt ist, um am Waldheim teilzunehmen, kann direkt lernen, Mitarbeiter zu sein:

Man sieht schon, dass die Mitarbeitenden jedes Jahr mehr Verantwortung übernehmen. Zum einen werden sie ja älter. Sie lernen aus den Erfahrungen aus den vorherigen Jahren, geben das, was sie gelernt haben, dann auch an die Jüngeren weiter, wovon sie auch profitieren und trauen sich selber auch mehr zu.

Zum Waldheim gehört nicht nur die Arbeit mit den Kindern, sondern auch die Gemeinschaft  unter den Mitarbeitern. Wie wichtig das ist – Hannah beschreibt das so:

Neben dem normalen Alltag mit den Kindern sind auch die Abende voll wichtig, wo wir dann als Team gemeinsam Abendessen. Da stellen sich dann ein paar Leute noch in die Küche und kochen dann zusammen und dann spielen wir selber noch irgendwelche Spiele, nutzen einfach die Hallenfläche und werden selber einfach auch noch mal Kind, was dann auch einfach cool ist, einfach einen gemeinsamen Abend dann zu haben.

Gemeinschaft, wieder Kind sein, laue Sommerabende – das klingt wirklich nach einem perfekten Ferienprogramm mit ein bisschen Nostalgie. Das schöne: Auch wenn das Waldheim Stammheim von der evangelischen Kirche organisiert wird, steht es für alle offen:

Die Religion spielt keine Rolle. Da melden sich Personen an, die keinen Glauben haben, die einen christlichen Glauben haben. Die muslimischen Glauben haben - im Prinzip alle bei uns willkommen

Und so ist das Waldheim auch kein Ort, wo die Kinder missioniert werden sollen. Der christliche Glaube ist eher Grundlage für das Miteinander und den Umgang:

Bei uns im Waldheim werden christliche Werte vor allem durch Gemeinschaft aufgezeigt.

Und manchmal zeigt sich so eine Gemeinschaft in ganz einfachen – fast selbstverständlichen Dingen:

…  das man wartet, bis jemand was zu essen bekommt

So einfach kann es manchmal sein: Warten bis jemand, was zu essen bekommen. Bis alle etwas haben. Für mich ein schönes Bild, was so eine Gemeinschaft ausmacht. Das passiert diesen Sommer nicht nur im Waldheim Stammheim, sondern noch an ganz vielen Stellen, wo Menschen Sommerfreizeiten und Waldheime anbieten. Danke euch!

Foto: privat

https://www.kirche-im-swr.de/?m=45020
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